Psychische Erkrankungen


Psychische Erkrankungen

Angsterkrankungen (Überblick)

Angsterkrankungen gehören wie die Zwangsstörungen zu den Neurosen. Häufig auftretende Angsterkrankungen sind die generalisierte Angststörung, Phobien und Panikattacken. Das zentrale Symptom aller Angsterkrankungen ist die Angst, die sich äußert durch:

  • Verhaltenssymptome wie Flucht vor der vermeintlichen Bedrohung, Vermeidung von Angst auslösenden Situationen, ständiges Denken an die vermeintliche Gefahr.
  • Stresssymptome wie Muskelanspannung, erhöhter Puls und Blutdruck, gesteigerte Ausschüttung von Magensaft, Mundtrockenheit, Erweiterung der Pupillen, Schwindel, Sehstörungen, verstärkte Darmmotorik, Ausschüttung von Stresshormonen, kalter Schweiß.
  • Psychische Symptome wie innere Unruhe, Hilflosigkeit, Nervosität, innere Anspannung, Gefühl der Bedrohung, Panik, Verlust an Lebensfreude und Lebensqualität.

Borderline-Störung

Borderline-Störung (Borderline-Persönlichkeitsstörung, Borderline-Syndrom; früher: Psychopathie): Häufig diagnostizierte Form einer schweren Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typ. Borderline-Patienten, gehäuft junge Frauen, sind sehr impulsiv, zeigen ausgeprägte Stimmungsschwankungen und reagieren überaus empfindlich auf Kritik. Ihr Selbstbild ist instabil. Betroffene neigen zu Selbstverletzungen wie Kratzen oder das Zufügen von Hautschnitten oder Verbrennungen z. B. durch Glasscherben und Zigaretten. Die Erkrankung liegt mit ihren Symptomen im „Grenzbereich“ zwischen Neurose und Psychose. Bis zu 2 % der Erwachsenen sollen an einer Borderline-Störung leiden, wobei die Häufigkeitsangaben je nach Autor und Quelle stark schwanken. Die Diagnose wird meist um das 20. Lebensjahr gestellt.

Leider wird der Begriff „Borderline“ von manchen Autoren auch ganz anders verwendet. Sie bezeichnen damit unklare schwere psychiatrische Störungen mit Anteilen einer Depression, einer manisch-depressiven Erkrankung oder Schizophrenie, wie beispielsweise Grenzformen der Schizophrenie, welche den üblichen diagnostischen Kriterien nicht entsprechen. Dass die Laienpresse den Begriff „Borderline“ immer wieder aufgreift, hat zur Klarheit des Begriffs Borderline-Störung auch nicht beigetragen.

Die Therapie ist langwierig; wenn der Betroffene sie jedoch zu Ende bringt, sind die Heilungsaussichten gut: Bis zu 80 % der in einer Klinik behandelten Borderline-Patienten können in einem deutlich stabilisierten Zustand entlassen werden.

Leitbeschwerden

  • Wahnhaftes Erleben, Verfolgungswahn
  • Gedächtnisstörungen
  • Diffuse Ängste
  • Gestörte Selbstwahrnehmung
  • Selbstmorddrohungen und Selbstverletzungen (z. B. durch brennende Zigaretten)
  • Emotionale Instabilität: Starke Stimmungsschwankungen zwischen Euphorie, Depressivität, Angst oder Wut
  • Soziale Inkompetenz: Unbeständige, problematische Beziehungen. Nähe wird gesucht und gleichzeitig durch aggressives Verhalten wieder abgewehrt
  • Sozialer Kontrollverlust: Drogen- und Alkoholmissbrauch, sexuelle Prostitution, Diebstähle, riskanter Umgang mit Geld bis zur Verschuldung
  • Große Abneigung, sich in therapeutische Behandlung zu begeben.

Wann zum Arzt und die Erkrankung

Persönlichkeitsstörungen müssen immer fachärztlich bzw. psychotherapeutisch behandelt werden. Zur Diagnose von Persönlichkeitsstörungen muss zudem ausgeschlossen werden, dass diese auf organische Erkrankungen oder andere psychische Störungen wie Angsterkrankungen, Alkoholabhängigkeit, Drogenabhängigkeit und Depressionen zurückzuführen sind.

Das macht der Arzt oder Therapeut

Außer in ausgeprägten Fällen ist es für den Psychiater in der Praxis schwierig, eine Borderline-Störung eindeutig als solche zu erkennen. Denn alle Symptome treten auch bei anderen schweren psychischen Erkrankungen auf wie z. B. bei der manisch-depressiven Erkrankung, der Schizophrenie oder Depression.

Die Therapie der Borderline-Störung dauert lange. Sie kann ambulant erfolgen, meist wird jedoch zu einer stationären Behandlung von mehreren Monaten geraten, an die sich eine mehrjährige ambulante Weiterbehandlung anschließen sollte.

Medikamentöse Therapie. Die medikamentöse Therapie richtet sich – wie bei allen Persönlichkeitsstörungen – nach der Begleitsymptomatik und kann entweder eher antidepressiv (Antidepressiva), neuroleptisch (Neuroleptika) oder auch beruhigend (Tranquilizer) sein.

Verhaltenstherapie. Die verhaltenstherapeutisch orientierte Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) ist vorrangig zur Behandlung der Borderline-Störung gedacht, wird aber heute häufig und mit gutem Erfolg zur Therapie vieler Persönlichkeitsstörungen eingesetzt.

Die wichtigste Annahme dieser Verhaltenstherapie ist, dass die Störung vor allem in einer Fehlregulation der Emotionen besteht. Wächst ein Kind z. B. in einer Familie auf, in der wenig über Gefühle gesprochen oder auf Gefühle unpassend reagiert wird, so kann es nicht lernen, seine Erregung richtig zu bewerten, emotionale Belastungen auszuhalten und den eigenen Gefühlen zu vertrauen.

Dies führt zu einer wachsenden Diskrepanz zwischen den persönlichen Erfahrungen in der eigenen Familie und dem, was der Betroffene trotzdem innerlich spürt oder was in anderen Umgebungen (Freunde, Nachbarn) gültig ist.

„Dialektisch“ heißt die Therapie deshalb, weil die von Betroffenen häufig erlebten zwei (Gefühls-)Extreme (These und Antithese) miteinander in Einklang gebracht werden müssen (Synthese). Ein Erkrankter idealisiert z. B. seinen Partner in extremer Weise als „Traumpartner“ und reagiert mit großer Wut, wenn der Partner Schwächen zeigt.

Die Synthese besteht darin, die verschiedenen Bedürfnisse miteinander zu versöhnen und realistischere Möglichkeiten der Befriedigung zu finden. Der Patient kann dann sein Verhalten leichter der Situation anpassen. In einer Partnerschaft könnte der Erkrankte z. B. ein Gefühl für die menschliche Fehlbarkeit und eine gesunde Bindungsfähigkeit entwickeln, statt einen Partner unrealistisch zu idealisieren.

Unterstützung durch Angehörige

Angehörige von Menschen mit Borderline-Störung leiden häufig darunter, dass sich Borderline-Kranke oft schwertun, stabile Beziehungen einzugehen – ebenso, wie sie Kritik nur schwer ertragen. Konflikte zu lösen und Vereinbarungen für den Alltag zu treffen, erfordert deshalb gleichermaßen Fingerspitzengefühl und ein dickes Fell, Gespräche jeglicher Art können sehr anstrengend sein, Therapieabbrüche sind häufig.

Weiterführende Informationen

  • www.borderline-community.de – Private Internetseite der Internetgemeinschaft zur Borderline-Persönlichkeitsstörung, Dillenburg: Bietet u. a. die Selbsthilfegruppe Borderline Community für Betroffene und Angehörige.
  • E. Rahn: Borderline.Ratgeber für Betroffene und Angehörige. Balance Buch & Medien Verlag, 2007. Der Autor beschreibt, wie man mit problematischen Verhaltensweisen umgehen kann. Das Buch ist aus der gemeinsamen Arbeit von Patienten und Mitarbeitern einer Klinik entstanden.

Depression

Depression (Dysthymia, in Abgrenzung zum Sonderfall der reaktiven Depression, auch endogene oder depressive Neurose genannt): Häufigste und zugleich sehr schwere affektive Störung. Der Erkrankte erlebt die Welt „grau in grau“, er ist niedergeschlagen, bedrückt, empfindet nichts für irgendetwas. Die Diagnose „Depression“ wird dann gestellt, wenn die Symptomatik länger als 14 Tage anhält. Am häufigsten treten Depressionen als Ersterkrankung zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr auf. Wird die Depression geheilt, bleibt es bei der depressiven Episode – viele Betroffene erleben aber in Abständen von anderthalb bis fünf Jahren einen oder mehrere Rückfälle. Im höheren Lebensalter sind Depressionen die häufigste psychische Störung, oft begleitet von chronischen Erkrankungen oder die Folge davon (z. B. der Immobilität). Im höheren Lebensalter ist auch die Selbstmordgefahr besonders hoch.

Etwa 15 % aller Menschen leiden mindestens einmal im Leben an einer behandlungsbedürftigen Depression. Dabei sind Frauen und alte Menschen doppelt so häufig betroffen wie Männer und junge Menschen. Gefährlich an der Depression ist die hohe Selbstmordgefahr: Die Hälfte aller Selbstmorde wird von depressiven Patienten verübt. Vor allem deswegen werden Depressionen zunächst oft stationär behandelt. Ist die akute Phase überstanden, gelingt es 80 % der Betroffenen, den Alltag wieder zu meistern, meist jedoch erst nach monatelanger Therapie. Längerfristig drohen zudem häufig Rückfälle.

Depressive Störungen sind oft Begleiter chronisch verlaufender körperlicher Erkrankungen wie Herz-Kreislauferkrankungen, schwere Allergien, Schmerzsyndrome (etwa Fibromyalgien), Tumoren, Multiple Sklerose, Diabetes mellitus oder Demenz. Ebenso treten Depressionen auch bei chronischen psychischen Erkrankungen auf, wie z.B. Angst- und Persönlichkeitsstörungen. Dabei zeigt die klinische Erfahrung, dass die adäquate Behandlung der depressiven Symptomatik auch die Behandlung der Grunderkrankung positiv beeinflussen kann – und umgekehrt.

Abzugrenzen von der Depression sind depressive Verstimmungen, die man zwar als krankhafte Veränderungen der Stimmungslage ansieht, die meist aber ohne therapeutische Hilfe vorübergehen.

Ein Grenzfall ist die reaktive Depression: Hier erfüllt die Depression zwar alle Diagnosekriterien und zeigt die typischen Leitbeschwerden (siehe unten), aber der Auslöser ist eindeutig ein äußerer. Zu den reaktiven Depressionen gehört traumatische Trauerreaktion, die Wochenbettdepression und Wochenbettpsychose und Depressionen als Folge einer anderen psychiatrischen Erkrankung wie z. B. einer posttraumatischen Belastungsstörung. Die reaktive Depression ist ebenfalls durch eine hohe Selbstmordgefahr charakterisiert, Rückfälle sind aber bei richtiger Therapie viel seltener (außer bei der Wochenbettpsychose).

Einen weiteren Grenzfall bildet die depressive Persönlichkeitsstörung, die sehr häufig ist und passiv-ängstliche und überangepasste Menschen charakterisiert. Obwohl diese Persönlichkeitsstörung, insoweit sie überhaupt als Krankheit empfunden wird, nicht die Leitbeschwerden der Depression hat, haben Betroffene doch überzufällig häufig depressive Episoden.

Die larvierte Depression ist ein depressives Zustandsbild, das sich hinter der Maske (larva) körperlicher Beschwerden verbirgt. Hier steht nicht die depressive Verstimmung im Vordergrund, sondern eine Vielfalt körperlicher Beschwerden: Kopf- und Bauchschmerzen, Mundtrockenheit oder Herzbeschwerden. Die larvierte Depression ist kein eigenständiges Krankheitsbild, im Grunde ist ihre Diagnose nur rückwirkend möglich: Denn wenn eine Depression einmal als solche erkannt ist, ist sie zwangsläufig nicht mehr „maskiert“.

Von der larvierten Depression diagnostisch abzugrenzen ist die Fibromyalgie, da sich die Symptome sehr ähneln.

Die früher häufig gebrauchten Begriffe neurotische Depression bzw. depressive Neurose sind dermaßen uneinheitlich definiert worden, dass sie zwar nicht in der Medizin insgesamt, aber doch innerhalb der Psychiatrie verlassen worden sind.

Leitbeschwerden

Psychische Beschwerden:

  • Interessensverlust
  • Verlust der Freude an sonst angenehmen Tätigkeiten
  • Verlust des sexuellen Interesses
  • Gefühl der inneren Leere
  • Antriebsmangel, erhöhte Ermüdbarkeit
  • Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
  • Vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • Schuldgefühle, Gefühle von Wertlosigkeit
  • Angst vor der Zukunft, fehlende Lebensperspektive
  • Selbstmordgedanken und -versuche

Körperliche Beschwerden:

  • Deutlich reduzierter Appetit
  • Zu frühes Erwachen am Morgen
  • Stimmungstief am Morgen, Besserung im Verlauf des Tages
  • Starke körperliche Verspannungen oder große Nervosität
  • Gewichtsabnahme

Wann zum Arzt oder Psychotherapeuten

In den nächsten Tagen, wenn sich der Zustand des Betroffenen verschlechtert und kaum noch auszuhalten ist oder in der Vergangenheit bereits eine Depression durchgemacht wurde und jetzt ein Rückfall droht. Taucht eine zusätzliche Belastung (Konflikt, schlimmes Ereignis) auf, mit der der Patient nur schwer umgehen kann, ist dies ebenfalls ein Grund, den Arzt in den nächsten Tagen aufzusuchen.

Sofort, wenn quälende Selbstmordgedanken auftreten Selbstmordabsichten geäußert oder Vorbereitungen getroffen werden (z. B. Tabletten gesammelt werden) oder sich der Betroffene selbst schadet, indem er z. B. seinen Arbeitsplatz durch unangemessenes Verhalten oder unentschuldigtes Fernbleiben gefährdet.

In den allgemeinärztlichen oder internistischen Praxen werden Depressionen oft spät oder gar nicht erkannt: Anstatt sich ihrem Hausarzt auch mit ihren Sorgen und Ängsten anzuvertrauen, sprechen die Patienten überwiegend über körperliche Beschwerden. Dabei wäre gerade der Hausarzt der richtige Gesprächspartner, der bei psychischen Problemen ins Vertrauen gezogen werden kann. Natürlich können sich Betroffene aber auch direkt an Psychotherapeuten oder Psychiater wenden.

Die Erkrankung

www.salevent.de, Michael Amarotico, München
Wodurch entstehen Depressionen? Wer ist dafür besonders anfällig? Wie oft in der Psychiatrie ist auch hier das Zusammenspiel mehrerer Faktoren der Schlüssel zum Verständnis.

Ursächlich für das Entstehen einer Depression scheint das komplexe Zusammenspiel verschiedener Faktoren zu sein:

Genetische Faktoren. Vermutlich spielt erbliche Veranlagung eine Rolle, da die Krankheit familiär gehäuft auftritt. Nahe Angehörige von Patienten mit einer Depression erkranken dreimal so oft wie Angehörige von Gesunden. Die erbliche Veranlagung führt zu einer Störung des Zusammenspiels bestimmter Überträgerstoffe im Gehirn (Neurotransmitter). So soll ein Mangel am „Glückshormon“ Serotonin und ein Überschuss des Gegenspielers Noradrenalin bestehen. Psychosoziale Faktoren. Einsame Menschen erkranken häufiger an Depressionen als Menschen, die in einem engen Familien- oder Freundeskreis starken Rückhalt finden. Zudem scheinen bestimmte Persönlichkeitszüge wie Übergenauigkeit, Unsicherheit, überhöhte Erwartungen und Aufopferungsbereitschaft die Entstehung von Depressionen zu begünstigen.

Oft gehen der ersten depressiven Episode belastende Lebensereignisse voraus: Verlust des Arbeitsplatzes, Tod eines Angehörigen, finanzielle Einbrüche, Konflikte in der Familie. Besonders kritisch scheint zu sein, wenn solche Ereignisse kurz nacheinander stattfinden und dem Betroffenen keine Zeit bleibt, sich wieder zu fangen. Im weiteren Verlauf der depressiven Erkrankung ist jedoch der Zusammenhang zwischen den äußeren Ereignissen und der Niedergedrücktheit oft nicht mehr zu erkennen, die Erkrankung scheint sich zu „verselbstständigen“ und es kann zu psychotischen Beschwerden wie Wahn und Halluzinationen kommen. Viele Betroffene nehmen sich selbst und auch ihr Umfeld während der Depression nicht mehr positiv wahr: Sie fühlen sich wertlos, überflüssig oder schuldig. Die Patienten haben keine Hoffnung auf Besserung mehr. Weiterleben erscheint ihnen manchmal so unerträglich oder sinnlos, dass Selbstmord als letzter Ausweg erscheint.

Bis zu zwei Drittel der Patienten erlangen nach einer antidepressiven Therapie ihre alte Leistungsfähigkeit wieder. Allerdings treten innerhalb von fünf Jahren nach Beendigung der Behandlung bei etwa 60 % der Patienten Rückfälle auf, die einer erneuten Therapie bedürfen. Studien belegen, dass es bei 15–25 % der Patienten zu einer dauerhaften Erkrankung (Chronifizierung) mit einer Beschwerdedauer von zwei Jahren und länger kommt.

Das machen Arzt oder Therapeut

Die Einschätzung, dass ein Patient eine depressive Störung hat, ist vom Arzt anhand der Leitbeschwerden und auch der äußeren Umstände – wie z. B. längerer Krankschreibung – meist rasch zu treffen. Dennoch erfordert die Diagnose „Depression“ viel ärztliche Erfahrung und Sorgfalt, weil die Differenzialdiagnose schwierig ist. Viele Depressionen sind nämlich Begleiterscheinung einer anderen Erkrankung, z. B. einer Angsterkrankung, Essstörung, Abhängigkeit, Persönlichkeitsstörung oder Teil einer manisch-depressiven Erkrankung. Auch organische Erkrankungen, z. B. der Schilddrüse, können Depressionen vortäuschen. In all diesen Fällen ist es von großer Bedeutung, das ursächliche Krankheitsbild zu kennen, um behandeln zu können.

Die Therapie der Depression ruht auf den Säulen Psychotherapie und Antidepressiva, weitere Verfahren wie Lichttherapie oder Schlafentzug treten ergänzend hinzu. Die Entscheidung, ob eine Therapie ambulant oder stationär erfolgen soll, ist schwierig zu treffen. Sie hängt vom Schweregrad der Depression, der Einschätzung der Selbstmordgefahr und dem sozialen Umfeld des Erkrankten ab. Eine Klinikeinweisung ist aber immer in den folgenden Situationen erforderlich, wenn

Selbstmordgefahr bestehtDie depressive Symptomatik sehr schwer ist Sich der Zustand während der ambulanten Behandlung verschlechtert Im Umfeld des Patienten besonders belastende Faktoren vorliegen (z. B. Krise in der Partnerschaft, Alleinversorger) oder er nicht zur Alltagsbewältigung in der Lage ist.

Die Behandlungsdauer beträgt bei einer akuten reaktiven Depression 1–2 Wochen, bei schweren, sich nur langsam bessernden Depressionen mehrere Wochen bis Monate.

Psychotherapie. Psychotherapeutische Behandlung ist bei allen Depressionsformen sinnvoll: In Studien zum Therapieerfolg haben sich besonders Verfahren wie die kognitive Verhaltenstherapie bewährt, um die Sichtweise depressiver Menschen (kognitive Triade) zu überwinden: die negative Sicht seiner Selbst, seiner Umwelt und der Zukunft. Zunächst werden mit Hilfe von Tagesprotokollen negative, „automatisch“ wiederkehrende Gedanken identifiziert. Diese Grundeinstellungen werden analysiert und von alternativen Einstellungen und Interpretationen abgelöst, z. B. durch die bewusste Distanzierung von negativen Gedanken oder positive Umdeutung, indem man sie z. B. nicht immer gleich als Katastrophe, sondern auch als Herausforderung betrachtet.

Die Interpersonelle Psychotherapie (IPT) ist eine Kurzzeittherapie mit insgesamt 10–20 Sitzungen, die einmal pro Woche stattfinden und speziell zur Depressionsbehandlung entwickelt wurde. Ausgehend von der Beobachtung, dass depressive Erkrankungen immer in einem Kontext mit anderen Menschen stattfinden, befasst sicht die IPT mit den aktuellen zwischenmenschlichen Beziehungen des Patienten. Der Behandlungsschwerpunkt liegt auf der Bewältigung der Beziehungsprobleme, die mit dem Auftreten der Depression zusammenhängen: Dabei kann es sich um Partnerschaftskonflikte, Verlust eines vertrauten Menschen oder um eine Veränderung in der Lebensführung handeln. Ziel der Therapie ist sowohl die Linderung der depressiven Symptomatik, als auch die Bewältigung der Beziehungsschwierigkeiten. Der Therapeut nimmt eine aktive und unterstützende Rolle ein, es wird nach einem standardisierten Ablauf vorgegangen. Nachdem der Nachweis erbracht wurde, dass die IPT eine wirksame Therapie der Depression ist, sind mittlerweile diverse Spezialprogramme entwickelt worden, wie z. B. die IPT-LL (Late Life) zur Behandlung älterer depressiver Patienten.

Neben der IPT sind auch expressive Verfahren wie Kunst-, Tanz- oder Musiktherapie erprobte Therapien bei depressiver Symptomatik. Sie werden traditionell in stationären und teilstationären Einrichtungen angeboten, in den letzten Jahren vermehrt auch im ambulanten Bereich.

Psychopharmaka. Die medikamentöse Behandlung erfolgt mit Antidepressiva, die stimmungsaufhellend, aktivierend oder – z. B. bei starken Ängsten und Schlafstörungen – beruhigend wirken. Die Wahl der geeigneten Substanzen obliegt dabei der ärztlichen Erfahrung. Zu beachten ist, dass es mehrere Wochen dauert, bis sich die Wirkung des Medikaments einstellt. Erst dann kann der Arzt feststellen, ob er das richtige Mittel und die richtige Dosierung gewählt hat. Manche Antidepressiva führen zunächst zu einer Antriebssteigerung und dann erst zur Verbesserung der Stimmung. Die Patienten können in dieser Zwischenphase vermehrt selbstmordgefährdet sein. Um ein Wiederaufflackern der depressiven Symptome (Rezidiv) zu vermeiden, sollte die Behandlung auch nach Abklingen der Depression noch über mehrere Wochen bis Monate fortgesetzt werden (Erhaltungstherapie). Bei Patienten mit chronischer depressiver Verstimmung ist eventuell eine jahrelange Behandlung nötig.

Schwere Depressionen müssen zumeist mit Antidepressiva behandelt werden. Der Einsatz ist zumindest bei mangelnder Therapiemotivation des Patienten und bei Einsamkeit und Abwesenheit von nahen Bezugspersonen zwingend, sowie dann, wenn sich die Depression verschlechtert – und natürlich, wenn der Patient dies ausdrücklich wünscht.

Bei leichten Depressionen sind Antidepressiva nicht unbedingt erforderlich. Hilfreich sind pflanzliche, stimmungsaufhellende Medikamente wie Johanniskraut. In einer Meta-Analyse von 29 Studien hat sich Johanniskraut bei leichten Depressionen als genauso wirksam erweisen wie synthetische Antidepressiv, bei gleichzeitig besserer Verträglichkeit. Wichtig ist eine regelmäßige Einnahme von 600 bis 900 mg pro Tag. Der Wirkeintritt erfolgt nach zwei bis vier Wochen. Es sollten verschreibungspflichtige Präparate verwendet werden, denn viele freiverkäufliche Arzneimittel mit Johanniskraut sind zu niedrig dosiert und in ihrer Wirksamkeit nicht belegt.

Elektrokrampftherapie. Bei therapieresistenten schwersten Depressionen ist die Elektrokrampftherapie (EKT) oft die einzig noch wirksame Hilfe für den Patienten. Durch die Krämpfe kommt es im Gehirn zu neurochemischen Veränderungen an den Nervenzellen. Die Folge: Der Patient wird aus seinem psychotischen oder schwerst depressiven Zustand herausgerissen. Die EKT wird als Serie von acht bis zwölf Behandlungen, meist im Abstand von zwei bis drei Tagen, durchgeführt. Die Erfolgsrate der Elektrokrampftherapie liegt in diesen Fällen zwischen 50 und 75 % und wird heute in Narkose und unter medikamentöser Muskelentspannung durchgeführt, sodass es nicht zu den früher üblichen starken Krämpfen mit möglichen Knochenbrüchen kommt. Sie führt – entgegen der immer noch weitverbreiteten Meinung – nicht zu Persönlichkeitsveränderungen. Häufige Folge der EKT ist allerdings eine leichte Gedächtnisstörung, die sich jedoch innerhalb einiger Wochen zurückbildet. Irreversible Hirnschäden treten in bis zu zehn Fällen von einer Million Behandlungen auf. Auch nach erfolgreicher Elektrokrampftherapie muss die Arzneimitteleinnahme fortgesetzt werden, da sonst Rückfälle drohen. 

Durch schockierende Einzelberichte, in denen die Elektrokrampftherapie zur Disziplinierung psychisch Kranker eingesetzt wurde, hat die EKT ein schlechtes Image. Experten plädieren aber für einen vorurteilsfreien und rationalen Gebrauch der Elektrokrampftherapie. Denn die Alternative zur Behandlung schwerster Depressionen, eine Mehrfachtherapie mit verschiedenen Psychopharmaka, ist ein gleichermaßen invasiver Eingriff und nicht wirklich „schonender“ für den Patienten.

Magnetkrampftherapie. Eine geeignete Alternative zur EKT oder zur Mehrfachtherapie mit Psychopharmaka ist die Magnetkrampftherapie (MKT). Dabei werden am Kopf des Patienten zwei Magnetspulen befestigt, die einhundert Mal in der Sekunde ein starkes Magnetfeld erzeugen. Das löst einen Krampfanfall im Gehirn aus. Die MKT wirkt also wie die EKT, basiert jedoch auf einem anderen Prinzip. Zudem ist eine MKT weniger belastend. Beschwerden wie Schwindel oder Kopf- und Muskelschmerzen, von denen Patienten nach einer EKT berichten, bleiben bei der MKT aus. Wie die EKT, führen Ärzte die Magnetkrampftherapie unter Narkose durch. Auch sie kommt vor allem therapieresistenten Patienten zugute.

Schlafentzug. Unabhängig davon, ob ein totaler (ganze Nacht wach) oder ein partieller Schlafentzug (gegen 1 Uhr geweckt) durchgeführt wird, kommt es bei vielen psychisch Kranken tags darauf zu deutlicher Stimmungsaufhellung. Der Schlafentzug (Wachtherapie) ist für Patienten mit Depressionen gut geeignet, jeder zweite profitiert davon. Die Wirkung hält meist nur kurz an, dennoch bedeutet schon diese minimale Besserung für viele Patienten eine große Erleichterung und ist zudem nebenwirkungsfrei.

Ketamin-Infusion. Bei schweren Suizidgedanken oder akuter Manie kann das Anästhetikum Ketsmin rasche Hilfe leisten. Nach einem Zyklus von drei Infusionen pro Woche verabreicht, berichten 60% der Patienten von einer Besserung.

Selbsthilfe

Professionelle Hilfe suchen. Die beste Selbsthilfe bei Depressionen besteht darin, sich rechtzeitig an einen Psychiater zu wenden. Kennt man niemanden, sind Haus- oder Frauenärzte die erste Anlaufstelle, die oft die Weiterbildung zur psychotherapeutischen Grundversorgung besitzen, was sie besonders zum Erstgespräch befähigt. Viele depressiv Kranke schieben diesen Gang vor sich her, weil sie Angst vor der Psychiatrie haben. Durch die heutigen Antidepressiva und die Möglichkeiten der Psychotherapie wird aber nur noch ein Teil der Patienten stationär eingewiesen. Das Allerwichtigste ist jedoch, zunächst Klarheit zu bekommen, was einem fehlt. Das allein hat oft schon einen heilenden Effekt.

Arbeitsplatz. Haben Sie keine Angst davor, sich wochen- und monatelang krankschreiben zu lassen. Dazu gibt es in der Regel keine Alternative.

Schwierig ist die Antwort auf die Frage, ob man die Depression offen kommunizieren soll. Denn einerseits reagieren Arbeitgeber nicht immer angemessen, wenn ihnen eine psychische Erkrankung eines Mitarbeiters zu Ohren kommt. Andererseits wissen viele Chefs aber, dass Depressionen schwere Erkrankungen sind, die monatelange Abwesenheiten mit sich bringen – und es schafft Verständnis, wenn Sie Ihre Diagnose Ihrem Chef oder der Personalleiterin in einem vertraulichen Gespräch rechtzeitig mitteilen (ggf. auch durch Ihren Partner): Sie können sich dann besser darauf einstellen, als wenn sie Krankschreibungen im Wochentakt bekommen. Nicht zuletzt brauchen Sie die Kooperation Ihres Chefs, wenn Sie sich wieder einigermaßen arbeitsfähig fühlen. Denn dann ist es wichtig, dass Sie es wieder langsam angehen können (z. B. in Form von Arbeitsversuchen). Dazu muss der Arbeitsplatz von Arbeitsdruck entlastet werden – was Sie in der Regel nicht alleine schaffen.

Angehörige. Die Belastung der Ehepartner oder auch der Kinder von depressiven Patienten ist sehr groß, wenn sie mit ihnen zusammenleben. Untersuchungen zeigen, dass über 40 % der Angehörigen im Lauf der Zeit selbst therapeutische Hilfe benötigen. Sie leiden daran, dass die Erkrankten immer einsilbiger werden, kein Interesse mehr an gemeinsamen Unternehmungen zeigen und Hilfeversuche scheitern. Oft stellen sich auch Schuldgefühle ein, durch eigenes Fehlverhalten zur Depression beigetragen zu haben. Und die Befürchtung, dass sich der Erkrankte etwas antun könnte, ist eine ständige und beängstigende Bedrohung.

Deshalb bieten psychiatrische und psychotherapeutische Kliniken, Ambulanzen und andere Träger Gesprächsgruppen für Angehörige an (Psychoedukation).

Weiterführende Informationen

www.kompetenznetz-depression.de – Internetseite des Kompetenznetz Depression (Sprecher: Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Leipzig). Die Seite richtet sich nicht nur an Kranke sondern auch an Menschen, die sich gefährdet fühlen sowie alle, die sich über die Erkrankung informieren wollen. Das Informationsangebot wird durch einen Selbsttest mit Auswertung, Erfahrungsberichte von Betroffenen und ein gut besuchtes Forum ergänzt.  U. Hegerl et al.: Das Rätsel Depression – Eine Krankheit wird entschlüsselt. C.H. Beck, 2005. Die Autoren sind Fachleute sowie ein Betroffener. Das Buch erläutert die Ursachen der Erkrankung, die erfolgreichsten Behandlungswege und das Problem der Suizidalität. G. Niklewski; R. Riecke-Niklewski: Depressionen überwinden. Stiftung Warentest, 2005. Ausführliche Informationen über die neuesten Therapieansätze einschließlich medikamentöser Möglichkeiten. L. Epstein-Rosen; X. F. Amador: Wenn der Mensch, den du liebst, depressiv ist. Wie man Angehörigen und Freunden hilft. Rowohlt, 2002. Der Titel spricht für sich: Viele Tipps, Betroffenen zu helfen, ohne sich von der Depression anstecken zu lassen.

Depressive Verstimmung

Depressive Verstimmung: Zeitlich begrenzte Phase schlechten Allgemeinbefindens. „Stimmungstiefs“ im Rahmen des normalen, menschlichen Erlebens und Fühlens sind meist nachvollziehbare, natürliche Reaktionen auf Belastungen, selbst auf positive Ereignisse wie eine Geburt (Baby-Blues). Auch in der Pubertät und in den Wechseljahren gehören sie zu den „normalen“ Reaktionen des Körpers auf die sich verändernde Hormonsituation. Depressive Verstimmungen sind definitionsgemäß selbstlimitierend, das heißt sie bedürfen nicht zwingend der ärztlichen Intervention. Trotzdem profitieren viele Betroffene davon. Zum anderen ist die ärztliche Konsultation deshalb notwendig, weil die Abgrenzung zur behandlungsbedürftigen, reaktiven Depression schwierig ist und vom Betroffenen nicht geleistet werden kann.

Der Begriff der depressiven Verstimmung wird in der Medizin sehr uneinheitlich gebraucht. Er ist vor allem in der Psychiatrie gängig, weil Psychiater täglich mit Patienten mit schwersten Depressionen zu tun haben, und deshalb die etwas weniger schwer depressiv Erkrankten dadurch unterscheiden wollen, indem sie bei ihnen statt von der Depression von der depressiven „Verstimmung“ reden. In der übrigen Medizin wird aber, wenn von den gleichen Patienten die Rede ist, statt von depressiver Verstimmung eher von „depressiver Störung“ oder auch nur von „Depression“ („abnorme Trauer“ oder „reaktive Depression“) gesprochen.

Leitbeschwerden

Worin unterscheiden sich depressive Verstimmungen von einer behandlungsbedürftigen Depression? Hier ein paar Anhaltspunkte zur Abgrenzung:

Bei einer depressiven Verstimmung

  • Wird die Symptomatik meist durch einschneidende Ereignisse wie Trennungen, Todesfälle, Arbeitsplatzverlust, aber auch durch Krankheiten, z. B. durch Schilddrüsen- oder Krebserkrankungen, die Alzheimerkrankheit oder Abhängigkeitsprobleme ausgelöst.
  • Sind die Beschwerden leichter ausgeprägt, d.h. die Betroffenen empfinden z. B. noch Freude oder Hoffnung.
  • Sind die Personen in der Lage, die alltäglichen Anforderungen – trotz niedergeschlagener Stimmung – zu bewältigen.
  • Klingen die melancholischen Phasen – auch ohne psychotherapeutische oder medikamentöse Behandlung – wieder ab.

Selbsthilfe

Darüber reden. „Geteiltes Leid ist halbes Leid“ – deshalb sollten Betroffene so oft wie möglich mit Menschen ihres Vertrauens über ihre Ängste und Gedanken sprechen. Unsere heutige Leistungsgesellschaft fordert ein tägliches Funktionieren. Wer dagegen sich selbst oder anderen gegenüber eingesteht, dass es auch Phasen im eigenen Leben gibt, in denen es einem nicht „so gut“ geht, der braucht viel Mut. Die Sorgen und Probleme einfach „hinunterzuschlucken“, hilft weder dem Betroffenen selbst, noch kann es dem Umfeld ermöglichen, sich mit den seelischen Wunden des Erkrankten auseinanderzusetzen.

Rhythmus beachten. Betroffene sollten vor allem lernen, stärker auf ihren eigenen Rhythmus zu achten und sich selbst und anderen gegenüber öfter auch mal Grenzen zu setzen. Das berühmte „Neinsagen-Lernen“ hilft, sich wieder eigene Freiräume und dringend nötige Ruhephasen im anstrengenden Alltag zu schaffen. Besonders geeignet sind auch Entspannungsverfahren.

Sich Freude verordnen. Eine hilfreiche, alltagstaugliche Methode gegen Depressionen! Listen Sie Alltagsaktivitäten auf, die Ihnen Spaß machen: ein entspannendes Bad, Spazierengehen, Kinobesuch, Lesen, Malen, Handarbeiten – es kommt allein auf Ihre Vorlieben an. Planen Sie schon am Abend, welche dieser Aktivitäten Sie am kommenden Tag machen werden. Versuchen Sie auch wenn es schwerfällt, die Pläne umzusetzen. So werden Sie zu Ihrem eigenen „Antidepressivum“.

Licht ins Leben lassen. Die Lichttherapie ist vor allem ein geeignetes und effektives Verfahren zur Behandlung der Winterdepression. Dabei schaut der Patient – am besten gleich nach dem Erwachen – in eine spezielle Lampe, deren Helligkeit das 200-fache einer üblichen Zimmerbeleuchtung beträgt und die nicht weiter als 40 cm entfernt sein sollte. Entscheidend ist, dass das Licht direkt auf die Netzhaut fällt. Diese „therapeutische Lichtdusche“ baut Melatonin ab, ein Hormon, das den Tag-Nacht-Rhythmus des menschlichen Körpers steuert und depressionsfördernd wirkt.

Pflanzliche Psychopharmaka. Geeignet ist das stimmungsaufhellende Johanniskraut. Wie bei schulmedizinischen Antidepressiva setzt auch bei Johanniskraut die Wirkung erst nach Wochen ein.

Für die begleitenden Schlafstörungen sind Extrakte aus Baldrian oder Hopfen ein sinnvolles Mittel.

Homöopathie. Die Homöopathie nennt u. a. Aurum, Cimicifuga, Ginseng, Hypericum, Opium, Sulfur und Thuja als wirksame Mittel. Bei anhaltender oder wiederkehrender depressiver Verstimmung bietet sich eine individuell abgestimmte Konstitutionsbehandlung an.

Akupunktur. Es liegen einige positive Erfahrungsberichte vor, wonach Akupunktur zur Stimmungsaufhellung beitragen kann. Besonders Erfolg versprechend scheint eine Kombination von Akupunktur und der Einnahme von pflanzlichen bzw. homöopathischen Arzneien zu sein.

Zuweilen geht eine depressive Verstimmung in eine „echte“ Depression über: Suchen Sie daher unbedingt einen Arzt auf, wenn Ihre depressive Stimmung über Wochen oder Monate anhält oder Ihre Leistungsfähigkeit durch die Symptomatik dauerhaft beeinträchtigt ist.

Dissoziative Störung

Dissoziative Störung (Konversionsstörung): Psychische Erkrankung mit körperlichen Beschwerden ohne krankhafte organische Ursache als Ausdruck eines psychischen Konflikts. Dieser ungelöste psychische Konflikt wird auf körperliche Erscheinungen verschoben und dadurch eine Scheinlösung des Konflikts erreicht. Frauen erkranken häufiger als Männer.

Leitbeschwerden

  • Psychisch bedingte Lähmungen, „Anfälle“ verschiedenster Art, Zittern, Empfindungsstörungen, Schmerzzustände, Gedächtnislücken und Blind- oder Taubheit.
  • Dem Arzt fällt auf, dass die Erscheinungen nicht zu einer der bekannten Organerkrankungen passen. Beispielsweise gehen „epileptische Anfälle“ regelmäßig ohne Verletzungen (z. B. Zungenbiss) einher.
  • Die Symptome werden vor „Publikum“ in der Regel stärker, bei fehlender Beachtung durch die Umwelt nehmen sie ab.
  • Der Patient glaubt, seine Probleme seien durch die Symptome verursacht worden und nicht umgekehrt.

Wann zum Arzt

Sofort, wenn die beschriebenen Beschwerden wahrgenommen werden.

Die Erkrankung

Dissoziative Störungen treten hauptsächlich als Folge traumatisierender Erfahrungen (Posttraumatische Belastungen) auf und sind eine pathologische Form der Erlebnisverarbeitung. Im Sinne einer Schutzfunktion werden unangenehme Erfahrungen abgespalten (dissoziiert) und der Betroffene erlebt stattdessen körperliche Symptome, häufig mit symbolischem Charakter. Eine Lähmung der Beine kann z. B. bedeuten, dass „es nicht mehr weitergeht“, eine Blindheit, dass der Patient von der Welt nichts mehr sehen möchte. Dissoziative Störungen können somit als Lösungsversuch in Konfliktsituationen verstanden werden. Auch bei Kindern ist diese Art der Konfliktlösung anzutreffen. Die Symptome werden als belastend und bedrohlich erlebt, der Patient merkt, dass etwas nicht stimmt, kann es aber nicht zuordnen. Dissoziative Störungen müssen im Rahmen einer traumatherapeutischen Behandlung behandelt werden.

Das macht der Arzt oder Therapeut

Patienten mit dissoziativen Störungen gelangen meist auf Umwegen zum richtigen Arzt: Zunächst werden sie regelmäßig auf eine internistische oder sonstige nicht psychiatrische Krankenhausstation eingewiesen und erst, wenn die dissoziative Störung erkannt ist, erfolgt die Behandlung psychotherapeutisch.

Es kommen vor allem tiefenpsychologisch orientierte Verfahren oder Verhaltenstherapie infrage. Welche, hängt vom Einzelfall ab, entscheidend aber ist eine gute, tragfähige Beziehung zwischen Therapeut und Patient und eine möglichst frühzeitige Behandlung, um Folgeschäden (körperlich und sozial) zu vermeiden. Im Idealfall lernen die Kranken, ihr Symptom als Signal „aus dem Inneren“ zu verstehen und sich den damit verbundenen Problemen zu stellen.

Prognose und Selbsthilfe

Je früher die Störung psychotherapeutisch behandelt wird, umso besser sind die Heilungsaussichten.

Selbsthilfe

Sport und Bewegung, Entspannungstechniken wie Autogenes Trainung, Yoga, progressive Muskelrelaxation nach Jacobson sowie Imaginationstechniken und Selbsthilfegruppen.

Generalisierte Angststörung

Generalisierte Angststörung (GAS, Angstneurose, allgemeine Angststörung): Anhaltendes Gefühl von diffuser Angst, für die kein realer, konkreter Grund vorliegt (frei flottierende Angst). Die generalisierte Angststörung ist vor allem bei Frauen eine häufige Erkrankung, typischerweise zwischen dem 20. und dem 35. Lebensjahr. Bei etwa 70 % der Betroffenen tritt sie in Verbindung mit Depressionen oder anderen Angststörungen auf.

Leitbeschwerden

  • Ständig erhöhtes Angstniveau, das sich körperlich durch Nervosität, Zittern, Muskelverspannungen, Schwitzen, Herzklopfen, Schwindelgefühle oder Bauchschmerzen äußert – dies alles sind physiologische Folgen der Angst bzw. des erlebten Stresses.
  • Permanentes Angstgefühl, dass Ihnen selbst oder wichtigen Bezugspersonen etwas Schlimmes passieren könnte, obwohl keine reale Gefährdung besteht.
  • Reale Gefahren – wie im Straßenverkehr oder Sport – werden extrem überschätzt und bieten Anlass zu Überlegungen, was alles geschehen könnte.
  • Schlafstörungen, da Patienten von den Grübeleien, Sorgen und Befürchtungen nicht abschalten können.
  • Existenz- und Lebensangst, Angst vor der Zukunft, insbesondere der sozialen und finanziellen Sicherheit. Ständige Angst, den Anforderungen des Alltags und des Berufs nicht gewachsen zu sein, zu versagen, sich dabei zu blamieren oder Schäden zu verursachen.

Wann zum Arzt oder Psychotherapeuten

In den nächsten Tagen, wenn die Beschwerden länger als 14 Tage andauern.

Die generalisierte Angststörung wird wegen der ausgeprägten körperlichen Begleitsymptome oft als psychische Erkrankung nicht erkannt. Da die Betroffenen diese Symptome meist nicht mit ihrer Angst in Verbindung bringen, berichten sie dem Arzt auch nicht über ihre andauernden großen Sorgen und Befürchtungen. Die Folge: Der Arzt erkennt oft erst sehr spät, was der wahre Auslöser für die körperlichen Beschwerden ist.

Die Erkrankung

Die Ursachen einer generalisierten Angststörung sind noch unklar – klar sind nur die Risikofaktoren:

Persönlichkeit. Schüchterne, eher introvertierte Menschen, die mehr an andere als an sich selbst denken, scheinen eher eine generalisierte Angststörung zu entwickeln.

Kognitive Faktoren. Eine als Kind erworbene Einstellung, dass wichtige Ereignisse nicht kontrollierbar, vorhersehbar und beeinflussbar sind und man deshalb sein Leben nicht selbst in der Hand hat. Zudem werden äußere Gefahren über- und die eigenen Bewältigungsmöglichkeiten unterschätzt.

Gesellschaftliche Verunsicherung. In Zeiten sozialer und politischer Unsicherheit (Arbeitslosigkeit, Terrorismus) scheinen generalisierte Angststörungen zuzunehmen.

Chronische Angst, permanente Besorgtheit, Befürchtungen und negative Vorahnungen stellen das für lange Phasen prägende Lebensgefühl dar. Diese Störung wird deshalb auch „Sorgenkrankheit“ genannt. Betroffene können ihre angstbesetzten Gedanken nicht mehr kontrollieren. Versuche, an etwas anderes zu denken, scheitern und scheinen die Problematik sogar noch zu verstärken. Besonders belastend sind neben dem ständigen Gedankenkreisen die körperlichen Symptome. Das Gefühl, immer „auf dem Sprung“ sein zu müssen und die schlaflosen Nächte führen zu Erschöpfung, leichter Ermüdbarkeit, Nervosität und den verschiedensten funktionellen Beschwerden wie Muskelverspannungen, Bauchbeschwerden und Herz-Kreislauf-Störungen. Diese können sich akut so zuspitzen, dass sie zum Ausbruch einer Panikattacke führen.

Das macht der Arzt oder Therapeut

Ist die Angsterkrankung richtig diagnostiziert, erfolgt die Behandlung durch verhaltenstherapeutische oder psychoanalytische Psychotherapien und/oder durch Psychopharmaka und Betablocker. Beide Therapieformen sind laut Studien gleichwertig – aber nicht für jeden Patienten gleichermaßen geeignet, weshalb der Arzt die Präferenz des Patienten beachten sollte.

Psychopharmaka. Antidepressiva vom SSRI- oder SNRI-Typ wie Citalopram, Escitalopram oder Venlafaxin sind inzwischen erste Wahl bei generalisierten Angststörungen. Im Einzelfall können aber andere Antidepressiva am besten wirken. Nachteilig ist der langsame Wirkungseintritt. Die früher routinemäßig eingesetzen Benzodiazepine werden von den Betroffenen zwar als rasch und in der ersten Zeit auch stark wirksam erlebt, sie sind allerdings wegen des hohen Abhängigkeitspotenzials und anderer Nebenwirkungen wie starker Müdigkeit nur noch für akute Erregungszustände oder bei Selbstmordgedanken für kurze Zeit indiziert. 

Psychotherapie. Ziel der Psychotherapie ist, die gestörte Wahrnehmung der Erkrankten zu normalisieren. Angstbewältigungsprogramme, die aus der kognitiven Verhaltenstherapie hervorgegangen sind, verringern zunächst durch Entspannungstechniken die körperlichen Symptome der Angst und machen sie besser beherrschbar. Gemeinsam mit dem Patienten wird dann erarbeitet, welche zentralen Annahmen sie über sich selbst und die Welt haben. Häufig glauben die Betroffenen, nur dann geliebt zu werden, wenn sie es immer jedem recht machen. Erkrankte neigen auch dazu, bei zwei möglichen Alternativen stets die negativere Variante anzunehmen. Der Therapeut hilft dem Patienten, solche Überzeugungen durch andere Gedanken zu ersetzen.

In der Therapie wird auch darüber gesprochen, was der Erkrankte womöglich durch seine permanenten Sorgen vermeidet. So scheuen Angstpatienten häufig davor zurück, Dinge selbstverantwortlich anzupacken und ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen. Häufig wird die Angsttherapie auch durch ein Training in sozialer Kompetenz und durch ein Selbstsicherheitstraining ergänzt.

Leider betragen die Wartezeiten für eine Psychotherapie vielerorts 4-12 Monate. Kommt eine Psychotherapie zustande, profitiert etwa die Hälfte der Betroffenen davon. Wenn sich die Behandlung als schwierig erweist, liegt dies meist daran, dass die Patienten noch an weiteren Erkrankungen wie z. B. an einer Depression leiden.

Selbsthilfe

Betroffene sollten zwei Dinge tun: zum einen professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, zum anderen versuchen, den Alltag möglichst gut zu meistern, bis die die Angstbewältigungsprogramme wirken. So hilft es z. B., sich auf die eigenen Stärken zu besinnen und darauf zu achten, jeden Tag etwas zu unternehmen, was ablenkt und guttut. Dies hält am ehesten Grübeleien und Sorgen auf Abstand. Bewegung baut Stresshormone ab, die durch die Angst ständig im Körper ausgeschüttet werden

Vielen Betroffenen hilft es auch, die Sorgen auf einen Zettel zu schreiben und symbolisch wegzuwerfen oder sich mit einem Buch oder mit Musikhören oder anderen beruhigenden Aktivitäten abzulenken, um am nächsten Tag die Problemlösung in Angriff zu nehmen.

Manie und manisch-depressive Erkrankung

Manie: Lebensphase mit übertrieben euphorischer Grundstimmung. Manische Phasen treten zu 80 % als Gegenpol zu depressiven Phasen im Rahmen einer manisch-depressiven Erkrankung auf. Sowohl die Manie als auch die manisch-depressive Erkrankung gehören zum Krankheitsbild der affektiven Störungen. Charakteristischerweise geraten dabei Stimmung, Gefühlsleben und Verhalten des Betroffenen außer Kontrolle. In schweren Fällen kommt es neben einer krankhaft gesteigerten Aktivität und einer euphorischen Stimmung zusätzlich zu Wahnvorstellungen und Denkstörungen.

Manisch-depressive Erkrankung (bipolare Erkrankung, bipolare Störung, Zyklothymie): Schwere Ausprägung von Hochgestimmtsein (manische Episoden) im Wechsel mit depressiven Episoden. Diese emotionale Labilität ist auch außerhalb expliziter manischer oder depressiver Episoden ständiger Lebensbegleiter – mal mehr, mal weniger stark ausgeprägt.

Weltweit leiden mindestens 1,5 % der Erwachsenen unter einer manisch-depressiven Erkrankung. Frauen und Männer sind gleich häufig betroffen. Viele manisch-depressiv erkrankte Patienten nehmen sich das Leben. Sie sind in allen Kulturen besonders selbstmordgefährdet.

Leichtere Formen der Manie bezeichnet man als Hypomanie. Die Hypomanie ist aber an sich kein Krankheitsbild und wird deshalb im Folgenden nicht weiter besprochen. Die für den Patienten angenehmen hypomanischen Phasen können sich allerdings im Lauf der Jahre zu „richtigen“ Manien bzw. zur manisch-depressiven Erkrankung ausweiten.

Leitbeschwerden

Manisch-depressive Patienten durchleben abwechselnd manische Phasen und depressive Phasen. Dabei entsprechen die Symptome der depressiven Phase den Symptomen einer Depression. In den manischen Phasen treten die folgenden Symptome auf:

Psychische Beschwerden:

  • Übertrieben und grundlos heitere Stimmung, die nicht zur jeweiligen Situation passt.
  • Vermehrter Antrieb, rastlose Überaktivität: Der Maniker stürzt sich wahllos in Aktivitäten und kann seine Möglichkeiten und Grenzen nicht mehr realistisch einschätzen.
  • Verlust üblicher sozialer Hemmungen: Die Betroffenen sind distanzlos. Sie stürzen sich begeistert auf fremde Personen und gehen schnell Kontakte ein, die aber oberflächlich und ichbezogen bleiben.
  • Sprunghaftigkeit im Denken und Handeln: Die Betroffenen hüpfen förmlich von Einfall zu Einfall, können aber nicht lange bei einem Thema bleiben. Sie beginnen viele Aktivitäten gleichzeitig und führen nichts wirklich zu Ende.
  • Selbstüberschätzung und Größenwahn: Maßloser Optimismus lässt Maniker oft extreme Risiken eingehen, die sie und andere gefährden. Typisch sind kaufrauschartige Einkäufe, unsinnige Geschäftsgründungen oder sexuelle Exzesse.

Körperliche Beschwerden:

  • Starke Überaktivität: Sie äußert sich meist in einem unaufhörlichen Rededrang, einem stark verminderten Schlafbedürfnis sowie körperlicher Hektik und Unruhe.
  • Aggressive Durchbrüche: Die Übererregung kann auch dazu führen, dass die Patienten sehr gereizt sind, toben, Gegenstände zertrümmern und andere Personen tätlich angreifen.

Wann zum Arzt oder Psychotherapeuten

In den nächsten Tagen, wenn der manische Zustand mehrere Tage unverändert anhält, der Leidensdruck für die Angehörigen unerträglich wird, der Betroffene seine eigene Zukunft gefährdet (z. B. durch Verschuldung) oder eine depressive Phase anbricht.

Sofort, wenn der Betroffene in der manischen oder der depressiven Phase sich selbst oder andere gefährdet.

Die Erkrankung

Ein gestörtes Gleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn (Neurotransmitter) ist ein Erklärungsmodell für die Entstehung der Manie und der manisch-depressiven Erkrankung, wobei ähnlich wie bei der Depression sowohl genetische als auch auslösende Faktoren bedeutend sind.

Manische Phasen dauern in der Regel einige Tage bis Wochen, selten auch Jahre. Dass sich hinter einem rastlosen sprunghaften Menschen, der vor Ideen nur so strotzt und viele Dinge gleichzeitig anpackt, ein psychisch Kranker verbirgt, wird meist erst spät von der Umwelt erkannt. Nämlich dann, wenn der Betroffene aufgrund seiner Selbstüberschätzung und zahlreichen Unternehmungen zusammenbricht (z. B. aufgrund von Zahlungsschwierigkeiten) oder die Manie in eine depressive Phase übergeht. Der manisch-depressive Patient erlebt die jeweiligen manischen und depressiven Krankheitsphasen in unterschiedlicher Intensität und immer in Abwechslung mit gesunden Phasen, den so genannten symptomfreien Intervallen. Die Dauer der manischen und depressiven Phasen kann stark schwanken: von einigen Wochen und Monaten bis hin zu Jahren.

Das macht der Arzt oder Therapeut

Krankenhauseinweisung. In der manischen Phase verspüren die Patienten keinen Leidensdruck. Sie fühlen sich großartig und sehen keinen Anlass, sich in ärztliche Behandlung zu begeben. Deshalb müssen sie mit sanftem Druck behutsam dazu überredet werden – oft ein schwieriges Unterfangen. In akuten Zuständen können Maniker auf Behandlungsvorschläge sogar außerordentlich gereizt reagieren. Akut manische Patienten werden deshalb häufig auf behördliche Anordnung hin in psychiatrische Kliniken eingewiesen (Zwangseinweisung). Freiwillig begeben sich manisch Erkrankte oft erst in Behandlung, wenn die Manie in eine Depression umschlägt und sie selbst unter der Erkrankung leiden. Allerdings kann dann die Gefahr einer Fehldiagnose bestehen, da der Arzt oder Therapeut in dem Moment nur die depressiven Symptome sieht, und der Patient meist nicht von seinem manischen Erleben berichtet. Erfahrene Ärzte und Therapeuten werden deshalb immer nach manischen Phasen in der Vergangenheit des Patienten fragen und dazu meist auch Angehörige in das Diagnosegespräch mit einbeziehen.

Psychopharmaka. In der Behandlung mit Psychopharmaka unterscheidet man zwischen der Behandlung der akuten Krankheitsphase und der Langzeitbehandlung während des symptomfreien Intervalls zur Vorbeugung weiterer Akutphasen (Phasenprophylaxe):

  • Medikamentöse Akuttherapie der Manie: Atypische Neuroleptika, häufig auch in Kombination, sind heute die Mittel der Wahl. Damit eine schnelle Wirkung erzielt wird, müssen die Medikamente anfangs hoch dosiert werden. Alternativ werden auch antiepileptisch wirkende Substanzen eingesetzt (Carbamazepin oder Valproinsäure). Um das meist bestehende Schlafdefizit zu lindern, können vorübergehend auch Tranquilizer (Benzodiazepine) gegeben werden.
  • Medikamentöse Akuttherapie der depressiven Episoden

Phasenprophylaxe. Zur Vorbeugung von Rückfällen ist die medikamentöse Therapie meist auf Jahre, wenn nicht lebenslang erforderlich. Häufig werden die Medikamente, die auch in der Akuttherapie gut wirksam und verträglich sind, in reduzierter Dosierung beibehalten. Dann sind auch die Nebenwirkungen meist eher gering. Einen besonderen Stellenwert in der Phasenprophylaxe nimmt Lithium ein.

Psychotherapie. Während der akuten Krankheitsphase fehlt den Patienten meist die Motivation und Einsicht, im Rahmen einer Psychotherapie an sich zu arbeiten. Ist die Manie medikamentös gut eingestellt, erkennen die Betroffenen jedoch die Notwendigkeit einer psychotherapeutischen Behandlung, da sie unter den durch die Manie verursachten Schwierigkeiten leiden. In der Behandlung zur Phasenprophylaxe haben sich Verhaltenstherapie und Psychoedukation bewährt.

Prognose

Für ~ 40 % der Betroffenen, die die notwendig lange Behandlung durchhalten, sind die Heilungsaussichten sehr gut. Bei ~ 20 % der Patienten kommt es allerdings zu einer Chronifizierung der Erkrankung. Diese häufig älteren Betroffenen sind oft unfähig, selbstständig zu leben. Die restlichen Betroffenen bewegen sich zwischen diesen beiden Extremen.

Unterstützung durch und für Angehörige

Die Hauptleidtragenden einer Manie und manisch-depressiven Erkrankung sind die Angehörigen. Es ist schwierig, Maniker zu einer Behandlung zu bewegen oder für deren Exzesse wie z. B. Überschuldung aufzukommen. Beratung und Unterstützung können Angehörige bei Ärzten oder in Selbsthilfegruppen finden.

Um Rückfällen vorzubeugen, ist neben der regelmäßigen Medikamenteneinnahme wichtig, dass der Erkrankte einen geregelten Tagesablauf hat, genug Schlaf bekommt und seinem etwaigen maßlosen Verhalten freundlich aber bestimmt Grenzen gesetzt werden. Am besten ist: Übersehen Sie solche Anflüge und verstärken Sie sie nicht zusätzlich durch Aufmerksamkeit.

Geschäftsunfähigkeit. Maniker sind im akuten Zustand geschäftsunfähig. Es bestehen daher gute Aussichten, dass – wenn die Erkrankung ärztlich dokumentiert ist – unsinnige Geschäfte und Kreditaufnahmen gerichtlich rückgängig gemacht werden können. Trotzdem ist es für Angehörige überlegenswert, Kreditkarten und gegebenenfalls auch den Personalausweis sicherheitshalber für einige Tage aus dem Verkehr zu ziehen. Auch ein Anruf während akuter Phasen beim Bankberater schadet nicht. Es bringt nichts, aus falsch verstandener Ehrlichkeit diese Schritte dem manisch erkrankten Partner, Kind oder Elternteil anzukündigen – besser ist, ein symptomfreies Intervall abzuwarten und dann klarzustellen, dass diese „Übergriffe“ im Interesse des Betroffenen geschehen sind.

Weiterführende Informationen

  • www.dgbs.de – Website der Deutschen Gesellschaft für bipolare Störungen e. V. (DGBS), Hamburg: Vertritt Betroffene, Angehörige und Experten und bietet Hilfe in vielen Rubriken.
  • www.manic-depressive.de – Internet-Diskussionsforum der DGBS e. V.: Für Betroffene, Angehörige, Freunde und Interessierte.
  • H. Helmchen et al.: Depression und Manie: Wege zurück in ein normales Leben. Trias, 2001. Ratgeber für Kranke und Angehörige, in dem Krankheitsbild, Therapie und Rückfallvorbeugung erklärt werden.
  • P. Bräunig; G. Dietrich: Leben mit bipolaren Störungen. Trias, 2004. Antworten auf die meistgestellten Fragen und Materialien zur Selbsthilfe.
  • V. Rupprecht: SeelenGezeiten. Schattauer, 2005. Eine junge Grafikdesignerin, selbst Betroffene, macht die extremen Emotionen in Illustrationen erfahrbar – ergänzt wird das Buch durch kurze wissenschaftliche Texte.

Panikattacken

Panikattacken (Panikstörung): Kurze Episode intensiver Angst oder Unbehagens. Die Panikattacke tritt plötzlich und unvorhergesehen auf und ist nicht unbedingt an eine spezifische Situation gebunden. Sie beginnt sehr abrupt, erreicht innerhalb weniger Minuten ein Maximum und hält meist auch nur wenige Minuten an. Danach ebbt die Attacke wegen der einsetzenden physiologischen Erschöpfung ab. Während der Attacke haben die Patienten das Gefühl, sie müssten gleich sterben oder verrückt werden. Unter Panikattacken leiden etwa 2,5 % der Bevölkerung, Frauen doppelt so häufig wie Männer. Die Erkrankung beginnt meist in der dritten Lebensdekade.

Nicht selten sind Panikattacken Begleiterscheinungen anderer Erkrankungen, so bei Persönlichkeitsstörungen, Entzugserscheinungen bei Drogen- oder Alkoholabhängigkeit, bei Schilddrüsenfunktionsstörungen und Tumoren. Auch in der Schwangerschaft treten sie gehäuft auf.

Leitbeschwerden

  • Starkes Herzklopfen und Herzrasen
  • Schweißausbrüche
  • Zittern der Hände, Arme und Beine
  • Mundtrockenheit
  • Atemnot, schnelle oberflächliche Atmung
  • Übelkeit, Magen- und Bauchschmerzen
  • Gefühl von Schwindel, Schwäche, Unsicherheit, Benommenheit
  • Gefühl, dass die Umgebung nicht wirklich sei (Derealisation) oder man selbst neben sich stehe
  • Angst davor, in irgendeiner Form „auszurasten“ (z. B. plötzliches Weglaufen oder Um-sich-Schlagen), zu kollabieren oder anderweitig die Kontrolle zu verlieren
  • Angst zu sterben.

Von diesen Symptomen müssen mindestens vier vorhanden sein, damit der Arzt von einer Panikattacke spricht.

Wann zum Arzt oder Psychotherapeuten

In den nächsten Wochen, wenn Panikattacken das Leben stark beeinträchtigen – denn die Gefahr, psychische Folgeerkrankungen wie Agoraphobie oder Depressionen zu entwickeln, ist groß.

Die Erkrankung

Bei Panikattacken stehen die körperlichen und physiologischen Folge- und Begleiterscheinungen der Angst im Vordergrund. Diese werden von den Betroffenen als „gefährlich“ bewertet, oft als Zeichen eines nahenden Herzanfalls, einer Ohnmacht oder Psychose. Die Anfälle können so stark sein, dass die Patienten – mit Verdacht auf eine Herzerkrankung – per Notaufnahme in eine Klinik eingewiesen werden (Die ständige Angst, einen Herzinfarkt zu erleiden oder eine lebensbedrohliche Herzerkrankung zu haben, wird vom Mediziner Herzneurose genannt.).

Aus Angst vor Panikattacken entwickeln viele Patienten ein ausgeklügeltes System von möglichen Notfallmaßnahmen: Sie planen z. B. Wege so, dass sie jederzeit schnell eine Apotheke oder Arztpraxis erreichen und kaufen nur in Geschäften ein, die sie jederzeit schnell verlassen können.

Im Lauf der Zeit engt sich der Aktionsradius dann häufig immer weiter ein: Viele Patienten verlassen aus Angst vor erneuten Panikattacken ihre Wohnung nicht mehr und sind auf permanente Hilfe angewiesen.

Psychoanalytiker vermuten als Ursache von Panikattacken eine Störung der frühen „Ich-Entwicklung“. Das Ich wird nicht stark genug, Angst auszuhalten oder abzuwehren. Die Angst entsteht nach dieser Theorie vor allem durch die Befürchtung, Zuwendung zu verlieren oder alleine gelassen zu werden. Aggressionen können nicht nach außen getragen werden, sondern richten sich gegen die eigene Person. Die Betroffenen suchen schützende Objekte oder Menschen, an die sie sich anlehnen können. Zusätzlich können Konfliktsituationen im familiären Bereich wie der Wunsch, aus der elterlichen Wohnung auszuziehen oder eine Partnerschaft zu beenden, die Erkrankung verstärken. Nach dem lerntheoretischen Modell sind sie das Ergebnis sich gegenseitig verstärkender psychischer und körperlicher Faktoren: Ein körperliches Symptom wie z. B. Herzklopfen wird als Gefahrensignal erlebt, das Angst auslöst. Die Angst wiederum führt ihrerseits zur Verstärkung des Herzklopfens, sodass für den Betroffenen ein allein nur schwer zu durchbrechender Automatismus entsteht.

Das macht der Arzt oder Therapeut

Die Behandlung erfolgt meist durch verhaltenstherapeutische Maßnahmen, während der akuten Panikattacke auch durch Psychopharmaka. Wenn es einen typischen Auslöser gibt, liegt die Erfolgsquote durch Reizkonfrontation bei 80 %. Treten die Panikattacken zusammen mit anderen Erkrankungen auf, wie z. B. einer Persönlichkeitsstörung, so kommt zusätzlich eine analytisch begründete Psychotherapie zum Einsatz.

Psychopharmaka. Wenn Wartezeite für eine Psychotherapie überbrückt werden müssen, oder akute schwere Attacken bestehen, sind Psychopharmaka indiziert, um den Patienten zu stabilisieren und zu beruhigen. Hier kommen Antidepressiva – besonders die Gruppe der SSRIs – und SNRIs infrage. Bei schwerer Unruhe werden auch Benzodiazepine verordnet, wegen des Abhängigkeitspotenzials und anderer Nebenwirkungen wie starker Müdigkeit sind sie aber nur kurze Zeit indiziert.

Psychotherapie. Psychotherapeutisch gilt die Reizkonfrontation (Expositionstherapie) als die Methode der Wahl, wenn die Panikattacke an eine bestimmte Auslösesituation gekoppelt ist. Panikattacken können bereits in 15 Therapiesitzungen erfolgreich behandelt werden. Die ersten Sitzungen dienen der Erklärung des Teufelskreises von Angst, ihren physiologischen Folgen und der daraufhin noch gesteigerten Angst. Die Reizkonfrontation erfolgt erst nach guter Vorbereitung. Zu Beginn begleitet der Therapeut den Patienten beim Erleben von Situationen, in denen häufig Panikattacken erlitten werden, wie z. B. das Benutzen von öffentlichen Verkehrsmitteln oder der Besuch eines überfüllten Supermarkts. Am Schluss soll der Patient diese Situation alleine erfolgreich bewältigen.

Da Panikpatienten sich oft nicht mehr aus ihrer Wohnung trauen, brauchen sie zu Beginn jemanden, der sie zum Therapeuten begleitet und wieder abholt. Diese wichtige Hilfeleistung sollten Freunde oder Angehörige zuverlässig übernehmen.

Weiterführende Informationen

  • www.panik-attacken.de – Website der Deutschen Angst-Hilfe e. V. (DASH, München): Selbsthilfeforum für Betroffene und Angehörige, bietet auch Online-Beratung.
  • B. Bandelow: Das Angstbuch. Woher Ängste kommen und wie man sie bekämpfen kann. Rowohlt, 2006. Bandelow dokumentiert Fallbeispiele aus seiner Praxis und erklärt, warum Angst zum Leben gehört und wie man sie in Grenzen halten kann.
  • S. Leidig; I. Glomp: Nur keine Panik. Ängste verstehen und überwinden. Kösel, 2003. Ratgeber mit vielen Tipps.
  • M. Schmitz: Seelenfraß. Wie Sie den inneren Terror der Angst besiegen. Piper, 2006. Das Buch will Rüstzeug geben, Ängste besser einzuschätzen und zu bewältigen. Mit Therapeutencheckliste.
  • S. Schneider; J. Margraf: Agoraphobie und Panikstörung. Fortschritte der Psychotherapie. Hogrefe, 1998. Fachbuch, in dem Ursachen der Störung und Behandlungsansatz der Reizkonfrontation sehr gut und laienfreundlich erklärt werden.

Persönlichkeitsstörungen

Persönlichkeitsstörungen: Extreme Ausprägungen von Charaktermerkmalen, die deutlich von der Norm abweichen und durch ihre Unangemessenheit und Starrheit auffallen. Die Betroffenen sind in ihrer Leistungs- und sozialen Anpassungsfähigkeit schwer beeinträchtigt und leiden stark unter der Erkrankung.

Vorläufer dieser Persönlichkeitsstörungen treten häufig erstmals in der Kindheit oder im Jugendlichenalter als „abweichendes Verhalten“ in Erscheinung, prägen sich aber erst im Erwachsenenalter vollständig aus. Persönlichkeitsstörungen „entstehen“ immer mit dem frühen Erwachsenenalter. Allerdings kann die Auswirkung einer Persönlichkeitsstörung auch erst in späteren Lebensabschnitten deutlich werden.

Problematisch sind die fließenden Übergänge zum Normalen – viele Künstler, erfolgreiche Manager und selbst Politiker erfüllen die Diagnosekriterien – und die eher limitierten Behandlungsmöglichkeiten. Entsprechend konzentriert sich die Therapie auf die Bewältigung akuter Lebenskrisen.

Therapiebedarf besteht in solchen Krisensituationen in jedem Fall, zumal die Gefahr besteht, sekundär an anderen psychischen Störungen zu erkranken. Persönlichkeitsstörungen haben in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen bzw. werden immer häufiger diagnostiziert (Borderline-Störung). Die Dunkelziffer ist hoch, schätzungsweise sind etwa 7 % der Bevölkerung betroffen.

Leitbeschwerden

Nach der ICD-10-Liste werden für die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung allgemeine Kriterien bestimmt, die auf alle Persönlichkeitsstörungen zutreffen, so vor allem extreme Unausgeglichenheit

  • des Gefühlslebens (Affektivität)
  • des Antriebs (Motivation)
  • der Impulskontrolle
  • der Wahrnehmung und des Denkens.

Wann zum Arzt oder Psychotherapeuten

Persönlichkeitsstörungen müssen immer fachärztlich bzw. psychotherapeutisch behandelt werden. Zur Diagnose von Persönlichkeitsstörungen muss zudem ausgeschlossen werden, dass diese auf organische Erkrankungen oder andere psychische Störungen wie Angsterkrankungen, Alkoholabhängigkeit, Drogenabhängigkeit und Depressionen zurückzuführen sind.

Die Erkrankung

Viele Menschen fallen im Alltag durch die starke Ausprägung einzelner Charakterzüge auf: Sie sind ordentlicher, besorgter, selbstbewusster oder misstrauischer als der „Durchschnittsmensch“. Aber erst wenn die Dominanz einzelner Merkmale so stark ist, dass es zu Störungen im sozialen Bereich und zu persönlichem Leid kommt, spricht der Arzt von einer Persönlichkeitsstörung. Dabei kann jeder Charakterzug im Sinne einer Persönlichkeitsstörung „entgleisen“. Dabei sind dann z. B. Impulskontrolle und Wahrnehmung eines Menschen so stark gestört, dass sie sich nachteilig auf soziale Beziehungen und auf die alltägliche Lebensbewältigung auswirken, z. B. durch Scheidung oder Arbeitsplatzverlust. Auf Dauer führt die Erkrankung zu einem hohen Leidensdruck des Betroffenen, dabei kommt es jedoch weniger auf die Art als vielmehr auf den Grad der Störung an, wie stark diese das Leben dominiert.

Die häufigsten Formen der Persönlichkeitsstörung. Menschen, die an Persönlichkeitsstörungen leiden, sind nicht mehr in der Lage, flexibel auf verschiedene soziale Situationen und andere Menschen einzugehen. Vielmehr stülpen sie bestimmte, meist unbewusste Erwartungen, Vorurteile oder eigene Bedürfnisse unangepasst und ungefiltert ihren Mitmenschen über. Anders als Patienten, die primär an Depressionen oder Angsterkrankungen leiden, sehen persönlichkeitsgestörte Patienten die Gründe für ihre Probleme nicht in ihren eigenen Schwächen oder Defiziten, sondern ausschließlich in widrigen Umständen oder in anderen Personen. Aus Fehlern können die Erkrankten nicht lernen, da sie meist nur sehr schwer einsehen können, dass sie selbst etwas falsch gemacht haben.

Für die Entstehung von Persönlichkeitsstörungen gibt es keine eindeutige Ursache. Treffen mehrere ungünstige Faktoren zusammen, so kann es zu einer Erkrankung kommen:

Konstitutionelle Schwäche. Emotionale Labilität und andere Temperamentsfaktoren können angeboren sein und verletzlich machen gegenüber belastenden Lebensumständen.

Belastende Lebensumstände. Dauerhaft negative Beziehungserfahrungen in der Kindheit prägen die instabile Persönlichkeit. Vor allem die mangelnde Fähigkeit der Eltern, eine zuverlässige, stabile Bindung zum Kind aufzubauen und es in seiner Entwicklung angemessen zu fördern, begünstigt die Entstehung einer Persönlichkeitsstörung. Als Risikofaktoren gelten zudem der frühe Verlust eines Elternteils, psychische Erkrankungen der Eltern, Alkoholmissbrauch, Vernachlässigung, ein von Streit und Feindseligkeiten geprägtes Familienklima.

Traumatisierung. Bei vielen Patienten mit einer Persönlichkeitsstörung finden sich traumatische Erlebnisse, insbesondere Misshandlung, sexueller Missbrauch oder schwere Vernachlässigung durch das familiäre Umfeld.

Meist wird schon im frühen Erwachsenenalter die Persönlichkeitsstörung deutlich – häufig dann, wenn Jugendliche das Elternhaus verlassen. Während sich die Familie im Lauf der Jahre mit der Persönlichkeitsstörung des Kindes arrangiert hat, merkt der Erkrankte plötzlich, dass die Dinge auf einmal nicht mehr wie gewohnt funktionieren: Partnerschaften scheitern, Kollegen erweisen sich als „bösartig“, die eigenen Lebensziele (Berufsabschluss, sichere Stelle, Familie) werden nicht erreicht. Als Folgeprobleme entstehen dann die „klassischen“ psychischen Symptome wie Depressionen, Angsterkrankungen, Abhängigkeiten und selbstverletzendes Verhalten. Abhängigkeit und Selbstverletzung haben dabei den Charakter einer Art „Selbstmedikation“, indem sie dem Abbau von unerträglichen inneren Spannungen dienen.

Viele Betroffene schaffen es, über lange Jahre relativ beschwerdefrei und unauffällig zu leben, wenn es ihnen gelingt, für sich eine stabile Situation zu schaffen, zu der ihre starren Verhaltensmuster passen. So findet ein Mensch mit abhängiger Persönlichkeitsstörung womöglich einen Partner, der ihn bevormundet und alle Entscheidungen abnimmt und eine Person mit zwanghafter Persönlichkeitsstörung einen Beruf, in dem genau seine Penibilität und Zwanghaftigkeit gefordert ist und ihm Anerkennung bringt.

Wenn aber durch ein einschneidendes Erlebnis, z. B. Kündigung oder Scheidung, dem Betroffenen dann der Boden unter den Füßen wegrutscht, bricht er psychisch zusammen, in extremen Fällen droht sogar Selbstmord. Für die Umwelt kommt der Zusammenbruch dagegen meist völlig überraschend.

Das macht der Arzt oder Therapeut

Persönlichkeitsstörungen sind schwierig zu diagnostizieren. Dies liegt zum einen darin, dass gerade intelligente Menschen sie oft gut in eine freundliche und unauffällige „Persönlichkeitsfassade“ integrieren, zum anderen treiben weniger die Persönlichkeitsstörung selbst als die Folgeprobleme wie Depression oder Abhängigkeit die Betroffenen zum Arzt.

Die Behandlung von Persönlichkeitsstörungen ist schwierig und langwierig. Sie kann ambulant erfolgen, meist wird jedoch zu einer stationären Behandlung von mehreren Monaten geraten, die dann als ambulante (psychoanalytische) Weiterbehandlung fortgesetzt wird.

Psychopharmaka. Die Symptomatik der Persönlichkeitsstörung ist je nach Typ sehr unterschiedlich. Deshalb gibt es bei Persönlichkeitsstörungen nicht das heilende Medikament. Die Medikation richtet sich vielmehr nach der Begleitsymptomatik. Eingesetzt werden Antidepressiva (z. B. SSRIs), Neuroleptika oder auch Tranquilizer.

Psychotherapie. Für die Psychotherapie wurden verschiedene Modelle entwickelt, wie z. B. die Transference Focused Therapie (TFT), bei der die Beziehungs- und Identitätsprobleme des Betroffenen im Mittelpunkt stehen. Aus der Verhaltenstherapie stammt die verhaltenstherapeutisch orientierte Dialektisch-Behaviorale Therapie, die bei der Therapie der Borderline-Störung erklärt wird. Beide Ansätze legen den Schwerpunkt auf die Bearbeitung der gestörten Beziehungsmuster und des gestörten Selbstwertgefühls, der latenten Selbstmordgefahr, der mit der Krankheit meist einhergehenden Suchtproblematik und dem Auftreten von Depressionen und Ängsten. Wichtig ist der Aufbau einer stabilen Therapie – denn es gehört zum Störungsbild der Erkrankung, dass die Patienten die Behandlung frühzeitig abbrechen.

Prognose

Studien zeigen, dass sowohl verhaltenstherapeutische als auch tiefenpsychologische Behandlungsansätze insgesamt wirksam sind, je nach Art und Ausprägung der Symptomatik aber nicht immer gleich. Mit Therapieunterstützung besteht für ein Drittel der Patienten die Chance auf einen sehr günstigen Verlauf mit Erhalt der Berufstätigkeit, während ein weiteres Drittel alltägliche Anforderungen nur eingeschränkt bewältigen kann.

Wichtig für den Therapieerfolg ist, dass die Behandlung sich nicht nur auf die vordergründige Symptomatik beschränkt: Werden etwa nur die depressiven Symptome therapiert, während die Grunderkrankung der Persönlichkeitsstörung nicht erkannt wird, kann es zu keiner Heilung kommen.

Selbsthilfe

In der Persönlichkeitsstörung werden Strategien sichtbar, die früher für den Patienten oft überlebensnotwendig waren: sehr ordentlich sein, niemals Gefühle zeigen, immer gehorchen, eigene Bedürfnisse hintanstellen, stets brillieren oder immer erst dann wahrgenommen werden, wenn man schreit und tobt. Im späteren Leben erweisen sich diese Denk- und Verhaltensmuster als unpassend, hinderlich und zunehmend belastend. Diese über einen langen Zeitraum erlernten Verhaltensmuster zu durchbrechen und stattdessen etwas Neues zu erproben, kostet nicht nur Kraft (auch die von den Angehörigen), sondern braucht vor allem Zeit.

Weiterführende Informationen

  • P. Fiedler: Persönlichkeitsstörungen. Beltz, 2001. Umfangreiches Fachbuch, auch für (vorgebildete) Laien geeignet.
  • R. Sachse: Persönlichkeitsstörungen – Leitfaden für die Psychologische Psychotherapie. Hogrefe, 2004. Fachbuch, in dem Erkrankung und Behandlungsmöglichkeiten – auch für den vorinformierten Laien nachvollziehbar – erklärt werden.

Phobien

Phobien (phobos = Furcht): Irrationale Furcht vor bestimmten sozialen Situationen, Aktivitäten, Objekten (Mäuse, Schlangen, Spinnen etc.) und Räumen. Die ausgeprägte Furcht steht in keinem Verhältnis zur wirklichen Gefahr. Phobien sind die größte Gruppe innerhalb der Angsterkrankungen, Schätzungen zufolge leiden etwa 10 % der Bevölkerung an Phobien. Von isolierten Phobien und der Agoraphobie (Angst, die Wohnung zu verlassen) sind mehr Frauen als Männer betroffen. Bei den sozialen Phobien hingegen besteht kein Unterschied zwischen den Geschlechtern. Phobien gehen oft mit einer Depression einher.

Leitbeschwerden

  • Unangemessene Angst gegenüber einem Angst auslösenden Objekt wie z. B. einer Spinne oder einer Katze. Das gesamte Verhalten und körperliche Reaktionen werden von dieser Angst bestimmt.
  • Vermeidungsverhalten: Die Betroffenen tun alles, um die Begegnung mit dem Angst auslösenden Objekt zu vermeiden.
  • Einengung des Handlungsspielraums: Mit der Vermeidung ist eine Einengung des Aktionsradius verbunden, was die Lebensqualität beeinträchtigt.
  • Erwartungsangst: Angstsymptome treten bereits auf, obwohl eine Begegnung mit der Angst machenden Situation noch gar nicht stattgefunden hat.
  • Körperliche Symptome: Bei Konfrontation mit dem Angstauslöser empfindet der Kranke starke Gefühle von Bedrohung, verbunden mit Stresssymptomen wie Herzrasen, Schweißausbrüche, Atemnot, Schwindel, Magenschmerzen oder Durchfall.

Wann zum Arzt oder Psychotherapeuten

In den nächsten Wochen, wenn Phobien die Lebensqualität, das Familienleben oder das Ausüben des Berufs stark beeinträchtigen oder Phobien immer größere Lebensbereiche lahmlegen. Dies ist besonders bei Agoraphobie und sozialen Phobien der Fall.

Die Erkrankung

Nach psychoanalytischer Meinung sind frühere Konflikte, die nach außen verlagert werden, die Ursache für die Krankheitsentstehung. So verlagert z. B. eine Frau die Angst vor ihren eigenen sexuellen Wünschen auf die Begegnung mit anderen und entwickelt eine soziale Phobie.

Nach lerntheoretischer Meinung haben Phobiker irgendwann negative Erfahrungen mit den gefürchteten Situationen oder Gegenständen gemacht und diese durch Ausweichen systematisch verstärkt.

Ein Beispiel aus der klinischen Praxis: Ein kleines Kind spielt in einem Sandkasten, das Auto der Eltern parkt einige Meter entfernt. Im Sandkasten taucht eine Blindschleiche auf. Das Kind erschrickt, rennt zum Auto, schlägt die Tür zu und klemmt sich sehr schmerzhaft die Hand ein. Es entwickelt nun eine ausgeprägte Phobie – aber nicht vor Autotüren, sondern vor Schlangen.

Es gibt unterschiedliche Formen der Phobie, die je nach Ausprägung die Lebensqualität der Betroffenen sehr stark belasten können:

Die Agoraphobie (agora = weiter Platz) bedeutet zwar Platzangst, die Betroffenen haben jedoch eher Angst, ihre vertraute Umgebung zu verlassen. Sie scheuen sich, allein über leere Flächen zu gehen, aber auch vor engen, vollen Plätzen, z. B. in Menschenmengen, Supermärkten oder öffentlichen Verkehrsmitteln. Das damit verbundene Vermeidungsverhalten behindert die Patienten stark in ihrer Beweglichkeit. Agoraphobien setzen meist im frühen Erwachsenenalter ein, als Begleiterkrankungen sind Depressionen und Panikattacken häufig.

Soziale Phobien (soziale Neurosen) beginnen häufig in der Jugendzeit. Kennzeichnend ist die Furcht, von Mitmenschen negativ bewertet zu werden, daher werden Situationen vermieden, in denen man Blicken anderer ausgesetzt ist. Meist sind soziale Phobien mit einem niedrigen Selbstwertgefühl und der Furcht vor Kritik verbunden. Die Symptome können sich bis hin zu Panikattacken verstärken.

Es gibt kaum etwas, was nicht Objekt einer isolierten Phobie werden kann, z. B. die Angst vor Mäusen oder Ratten (Zemmiphobie) oder vor Knoblauch (Alliumphobie). Am häufigsten ist jedoch die Spinnenphobie (Arachnophobie), die Höhenangst (Akrophobie) sowie die Angst vor geschlossenen Räumen (Klaustrophobie, fälschlich oft als „Platzangst“ bezeichnet). Isolierte Phobien beeinträchtigen die Menschen im Vergleich zu anderen Angsterkrankungen verhältnismäßig wenig, da die Angst auslösende Situation meist gemieden werden kann. Sie beginnen oft bereits in der Kindheit oder im frühen Erwachsenenalter und bleiben – unbehandelt – jahrzehntelang bestehen.

Das macht der Arzt oder Therapeut

Die inzwischen auch wissenschaftlich als am effektivsten anerkannte Therapie von Phobien ist die Reizkonfrontation (Exposition) mit einer Heilungsquote von über 80 % bei einer Behandlungsdauer von 12–20 Sitzungen. Sie wird mit ähnlichem Erfolg auch bei Panikattacken und Zwangsstörungen eingesetzt. Der Patient wird schrittweise in die Angstsituation hineingeführt. Mithilfe des Therapeuten kann er der Angst auslösenden Situation standhalten und die Erfahrung machen, dass die Katastrophen, die er befürchtet, gar nicht eintreten. Wenn jemand etwa an Höhenangst leidet, besteht die Reizkonfrontation darin, dass er sich auf die Aussichtsplattform eines Kirchturms begibt und dort so lange ausharrt, bis er keine Angst mehr verspürt. Jemand, der sich wegen einer Agoraphobie nicht traut, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen, fährt in der Phase der Reizkonfrontation stundenlang – zunächst mit dem Therapeuten, später alleine – mit Bussen kreuz und quer durch die Stadt.

Psychopharmaka. Beruhigende Psychopharmaka (Tranquilizer), insbesondere Benzodiazepine, können im akuten Fall gegeben werden, etwa wenn ein Phobiker eine wichtige Prüfung ablegen muss oder eine Flugreise nicht vermieden werden kann. Wegen des Abhängigkeitspotenzials und anderer Nebenwirkungen wie starker Müdigkeit sind sie aber nur noch für akute Erregungszustände und für kurze Zeit indiziert.

Selbsthilfe

Angst schützt vor Gefahren und ist deshalb lebensnotwendig. Die Herausforderung besteht darin, der Angst wieder den richtigen Platz im Leben zu geben. Dazu ist es gut, „seine“ Angst als grundsätzlich positiv anzunehmen und nicht als Feind zu betrachten.

Wird die Angst jedoch unangebracht und hinderlich – was die Betroffenen bei einer Phobie ja grundsätzlich wissen – hilft es, in ein „inneres Gespräch“ mit der Angst zu treten: „Angst, es ist gut, dass ich dich habe, aber ich bin mir sicher, dass diese Situation ungefährlich ist.“ Dies klingt einfacher, als es in der Praxis ist, weshalb kognitive Verhaltenstherapien, aber auch Ratgeber ergänzend zur Reizkonfrontation helfen können, dies im Alltag zu praktizieren.

Weiterführende Informationen

  • www.sozphobie.de – Private Internetseite, Altlußheim: Sehr informativ, mit Adressen und Forum.
  • M. F. Kuntze; A. H. Bullinger: Höhenangst und andere spezifische Phobien. Huber Verlag, 2001. Anleitung zur Kurzzeittherapie, für Ärzte und Psychologen geschrieben, aber auch für Laien hilfreich.

Posttraumatische Belastungsstörung

Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS): Folge extremer Erlebnisse wie körperlicher Gewalt oder Lebensbedrohung durch Katastrophen, die die persönlichen Verarbeitungs- und Bewältigungsmöglichkeiten überfordern. Die Symptome beginnen typischerweise mit einer Verzögerung von Tagen, Wochen oder Monaten nach dem belastenden Ereignis.

Die Symptome der PTBS können auch sofort, also Stunden bis wenige Tage, nach dem einschneidenden Ereignis beginnen. Einem anfänglichen Zustand der Betäubung und Empfindungslosigkeit („wie vor den Kopf gestoßen“) folgen – je nach Persönlichkeitsstruktur des Betroffenen – Depression, Angst, Ärger, Verzweiflung, Überaktivität oder sozialer Rückzug. Der Arzt spricht hier von einer akuten Belastungsreaktion. Sie wird glücklicherweise meistens erkannt und wie die PTBS therapiert.

Bei der Krankheitsentstehung spielen neben der Schwere der Belastung auch Persönlichkeitsstruktur, Erfahrungen, körperliche Verfassung und das soziale Umfeld eine Rolle. Nach belastenden Ereignissen leiden 15–30 % der Betroffenen an einer PTBS. Vor allem die frühzeitig einsetzende Intervention gilt als therapeutisch wirksam und hat sich nach Katastrophen wie z. B. Großunfällen, Krieg, Vergewaltigung und Entführung inzwischen bewährt. Als bestes Mittel zur Prophylaxe gilt die fachkundige psychologische Betreuung unmittelbar nach dem Ereignis (akute Krisenintervention).

Leitbeschwerden

  • Ständige Gedanken und Erinnerungen an das Trauma (Intrusionen)
  • Gedächtnislücken im Zusammenhang mit dem traumatischen Erleben (partielle Amnesie)
  • Übererregtheit: Schlafstörungen, Alpträume, Konzentrationsprobleme
  • Abstumpfung, Betäubung: Allgemeiner Rückzug, Interessenverlust, innere Teilnahmslosigkeit und Leere
  • Bewusste oder unbewusste Meidung von mit dem Trauma verbundenen Situationen
  • Angstzustände und Panikattacken bei Konfrontation mit Ereignissen, Personen oder Situationen, die mit dem Trauma verbunden sind oder Ähnlichkeiten aufweisen
  • Selbstverletzendes Verhalten.

Wann zum Arzt oder Psychotherapeuten

In den nächsten Tagen, wenn genannte Beschwerden auftreten, auch wenn das Ereignis länger zurück liegt.

Die Erkrankung

Auslöser einer Belastungsstörung sind immer einschneidende Erlebnisse, die den Menschen aus dem psychischen Gleichgewicht bringen:

  • Bedrohung der körperlichen Unversehrtheit durch Unfälle, Naturkatastrophen oder Gewaltverbrechen
  • Bedrohung der sozialen Sicherheit und gesellschaftlichen Stellung durch Arbeitslosigkeit, materielle Schäden oder finanzielle Verluste
  • Bedrohung des persönlichen Beziehungsnetzes durch Trennungen, Scheidung oder Tod.

Stress. In einer bedrohlichen Situation reagiert der Körper mit einer Stressreaktion. Es werden Hormone ausgeschüttet (Adrenalin, Noradrenalin), die den Organismus auf Kampf oder Flucht vorbereiten. Als Folge steigen Blutdruck und Atemfrequenz. Sind aber weder Kampf noch Flucht möglich, bleibt der Organismus in unterdrückter Alarmbereitschaft. Diese „gespeicherte“ Stressreaktion springt bei bestimmten, dem Trauma ähnlichen Reizen sofort wieder an (Weiteres zu Stress).

Informationsverarbeitung. Um auf Gefahren schnell zu reagieren, kürzt das Gehirn die Reizleitung ab. Es wäre z. B. fatal, wenn wir lange überlegen müssten, ob ein auf uns zurasendes Auto gefährlich ist. In diesem Moment wird ein Teil des Gehirns, die Amygdala (Mandelkern), aktiv. Erst nachdem die Gefahr vorbei ist, wird die Information bewertet und in einem anderen Teil des Gehirns, dem Hippocampus, gespeichert. Genau dieser Prozess der Speicherung ist aber bei Traumapatienten gestört. Die Traumaspuren bleiben im Gehirn wie „eingebrannt“. Als Folge kommt es zu einer stark erhöhten Empfindlichkeit auf Ereignisse oder Reize (Trigger), die an das Trauma erinnern.

Die PTBS wird erst in neuerer Zeit als „Krankheitseinheit“ gesehen – zuvor gab es viele Begriffe und Konzepte, die aber nicht als Facetten eines gemeinsamen Ganzen erkannt wurden: So wurden in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg die Kriegszitterer beschrieben, und nach dem Zweiten Weltkrieg das so genannte KZ-Syndrom bei Überlebenden des Holocausts festgestellt. In den USA fand das Post Vietnam Syndrom breite öffentliche Beachtung. Alle diese Syndrome werden heute zur PTBS zusammengefasst.

Charakteristisch für die PTBS ist ein verzögerter Beginn der Symptomatik. Der Betroffene leidet immer wieder unter Alpträumen, den so genannten Nachhallerinnerungen oder Flashbacks und versucht, alles, was ihn an das Trauma erinnert, zu umgehen. Oft verlieren die Patienten die Lebensfreude und das Interesse an der Umgebung und ziehen sich zurück. Manchmal entwickelt der Betroffene auch ein Abhängigkeitsproblem.

Außenstehenden fallen die Reaktionen der Betroffenen vor allem durch ihre anscheinende Unangemessenheit auf: großes Erschrecken und Erstarren bei nichtigem Anlass (etwa das Knallen einer Tür), große Verletzlichkeit bei minimaler Kritik oder das grundlose Ausbrechen in Tränen.

Das macht der Arzt oder Therapeut

In den letzten Jahren ist mit der Psychotraumatologie eine neue Fachrichtung entstanden, die spezielle traumatherapeutische Behandlungsverfahren (Traumatherapie) entwickelt hat. Auslöser für diese Neuentwicklung waren Erfahrungen, dass Traumapatienten von unspezifischen verhaltentherapeutischen oder psychoanalytischen Methoden oft nur schlecht oder viel zu langsam profitierten.

Psychopharmaka. Im Vordergrund der Behandlung stehen zunächst Beruhigung und Stabilisierung des Betroffenen. Vorübergehend können in dieser Phase beruhigende Medikamente verordnet werden (Tranquilizer).

Psychotherapie. In der Psychotherapie lernt der Patient zunächst verschiedene Techniken, mit denen er der emotionalen Aufruhr, die bei der Bearbeitung des Traumas auftritt, standhalten kann. Erst dann wird er behutsam an das belastende Thema herangeführt. Besonders wichtig während der Behandlung ist die Unterbrechung des „Täterkontakts“: Bei Mobbing oder häuslicher Gewalt muss das Opfer vor der Bedrohung und Retraumatisierung geschützt werden. Dazu hilft gegebenenfalls eine richterliche Anordnung.

EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing, zu deutsch: Augenbewegung, Desensibilisierung und Neustrukturierung) ist eine der bekanntesten Methoden bei der Traumatherapie – aber auch eine der am wenigsten erforschten. Sie scheint zu wirken, aber man weiß bis heute nicht warum. Der Patient wird angeleitet, mit den Augen, dem Kopf oder dem ganzen Körper monotone Bewegungen von rechts nach links auszuführen. Dies hat einen beruhigenden Effekt und soll die Verbindung zwischen den beiden Gehirnhälften stärken. EMDR darf nur im Rahmen einer fachkundigen Traumatherapie angewendet werden.

Prognose

Je früher die Störung psychotherapeutisch behandelt wird, umso besser sind die Heilungsaussichten. Eine Studie der Universität Köln belegt, dass Patienten, die direkt nach einem schweren Trauma therapiert wurden, in durchschnittlich nur zehn Stunden stabilisiert werden konnten.

Selbsthilfe

Vielen Menschen, die Schreckliches erfahren mussten, hilft es, immer wieder über die belastenden Ereignisse zu sprechen. Denn bei Traumapatienten ist die Speicherung des Erlebten in einem bestimmten Gehirnareal, dem Hippocampus, gestört. Wird das Erlebte dort aber nicht „abgelegt“, erinnern alle möglichen Erlebnisse den Betroffenen immer wieder an das traumatische Ereignis. Das Sprechen über das Erlebte beschleunigt dagegen die „Ablage“ im Hippocampus. Die Folge: Der Patient kommt innerlich zur Ruhe.

Hilfreich sind Sport und Bewegung, weil sie angestaute Stresshormone abbauen. Zudem wird der Körper durch die Anstrengung auf natürliche Weise ermüdet, was auch den gerade bei Traumapatienten häufig gestörten Schlaf positiv beeinflussen kann. Ergänzend empfiehlt sich das Erlernen einer Entspannungstechnik, wie z. B. Autogenes Training, Yoga oder progressive Muskelrelaxation nach Jacobson.

Immer wiederkehrende Alpträume können mit der Imaginationstechnik gemildert werden. Der Betroffene ruft sich tagsüber den Alptraum ins Gedächtnis, erfindet nun aber ein gutes Ende: Er verändert die Handlung entweder zum Positiven oder lässt Helfer auftreten, die Rettung bringen. Auch das Aufschreiben eines positiven Ausgangs kann helfen, den Alptraum für immer „abzulegen“.

Selbsthilfegruppen werden dagegen eher skeptisch beurteilt: Wenn sie nicht von erfahrenen Therapeuten geleitet werden, besteht die Gefahr, dass sich die Teilnehmer gegenseitig mit Schilderungen von schrecklichen Ereignissen zusätzlich belasten.

Weiterführende Informationen

  • www.psychotraumatologie.de – Website der Deutschen Gesellschaft für Psychotraumatologie an der Universität Köln: Fundierte Informationen, Links zu Hilfsangeboten, Therapeutenlisten.
  • G. Fischer: Neue Wege aus dem Trauma. Patmos, 2008. Der bekannte Psychotraumatologe erklärt, wie sich Traumafolgen äußern, und gibt praktische Übungsanleitungen zur Traumabewältigung.
  • L. Reddemann: Imagination als heilsame Kraft. Klett-Cotta, 2001. Fundiertes Buch für Fachleute wie Laien mit Übungen zu Vorstellungsbildern (Imaginationen) für die Traumabewältigung.

Schizophrenie

Schizophrenie (schizophrene Psychose): Schizophrenien sind gekennzeichnet durch gravierende Störungen des Denkens, der Wahrnehmung und der Gefühlswelt. Der Bezug zum realen Leben ist stark gestört, während intellektuelle Fähigkeiten wie z. B. Merkfähigkeit oder räumliches Vorstellungsvermögen unbeeinträchtigt bleiben. Zentrale Symptome der Schizophrenie sind Wahnvorstellungen (Wahn) und Sinnestäuschungen (Halluzinationen). Trotz der Schwere der Erkrankung haben zwei von drei Patienten heute gute Chancen, ein stabiles und selbstbestimmtes Leben zu führen. Von der Schizophrenie ist etwa 1 % der Bevölkerung betroffen, die Erkrankungsquote ist weltweit nahezu konstant. Männer und Frauen erkranken gleich häufig. Das Alter der Ersterkrankung liegt typischerweise zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr, wobei Männer etwas früher erkranken als Frauen.

Leitbeschwerden

Positivbeschwerden. Treten in der akuten Phase der Erkrankung auf:

  • Sinnestäuschungen: Typischerweise akustische Halluzinationen wie das Hören von Stimmen, die die Handlungen des Patienten kommentieren oder dem Patienten Aufträge erteilen.
  • Gedankenentzug: Die Erkrankten glauben, dass ihre Gedanken, Absichten, Handlungen und Gefühle anderen bekannt sind und von diesen gesteuert werden.
  • Wahnvorstellungen: Symptome wie Halluzinationen erkennt der Patient nicht als Teil seiner Erkrankung, sondern erlebt sie wirklich. Zur Erklärung des Erlebten baut der Patient einen Wahn auf. Die Erkrankten wissen häufig, dass sie Wahnvorstellungen haben und empfinden diese als extrem beängstigend und beschämend. Oft versuchen sie deshalb, die Wahnvorstellungen geheim zu halten.
  • Denkstörungen: Eine Unterscheidung zwischen wichtig und unwichtig ist unmöglich, nebensächliche Details rücken in den Vordergrund. Das Denken wird sehr assoziativ, ein logischer „roter Faden“ ist nicht mehr erkennbar. In der Kommunikation sind die Erkrankten sprunghaft und wirr. Sie wechseln abrupt das Thema oder schweifen weit ab.
  • Paradoxe Affektivität: Gefühle entsprechen nicht der Situation. Patienten sind heiter, wenn Trauer angebracht wäre. Oder sie weinen aus nichtigem Anlass.
  • Verstärkte Aktivität: Die Patienten sind übererregt, rast- und ruhelos.

Negativbeschwerden. Treten meist erst nach der Akutphase der Erkrankung auf:

  • Affektverflachung: Das Gefühlsleben der Patienten wirkt eigentümlich flach und undifferenziert.
  • Antriebsminderung: Der Erkrankte fühlt sich leicht erschöpfbar und körperlich schwach.
  • Bewegungslosigkeit: Der Patient wirkt wie erstarrt, manchmal verharrt er in grotesken Körperhaltungen.
  • Ich-Versunkenheit: Der Patient kapselt sich von der Realität ab. Er lebt in einer eigenen Welt, ohne Anteil an seiner Umgebung zu nehmen.
  • Sozialer Rückzug: Der Erkrankte ist anderen gegenüber misstrauisch – dies auch als Folge der Verunsicherung und der gespürten sozialen Ablehnung.
  • Viele Schizophrene haben außerdem große Angst oder reagieren auf das veränderte Erleben mit depressiven Beschwerden.

Wann zum Arzt oder Psychotherapeuten

Sofort, wenn die Beschwerden erstmalig auftreten oder sich aber verstärken, der Kranke seine Medikamente wegen der Nebenwirkungen nicht mehr nehmen will oder Patienten sich selbst oder Dritte gefährden.

Schizophren Erkrankte gehören immer in die fachkundige Behandlung eines Psychiaters.

Die Erkrankung

Schizophrenie ist für viele Menschen das Sinnbild des „Verrücktseins“ oder „Wahnsinns“ schlechthin. Entsprechend groß sind Vorurteile und Berührungsängste im Umgang mit den Patienten. Entgegen der verbreiteten Meinung sind die Erkrankten jedoch nicht häufiger in Gewaltdelikte verwickelt als der Bevölkerungsdurchschnitt. Es handelt sich vielmehr um eher schüchterne, sehr sensible Menschen, die oft ein außerordentlich gutes Gespür für die Befindlichkeit anderer haben.

Nach allem, was man weiß, spielt bei Schizophrenie Vererbung eine zentrale Rolle. Kinder von schizophrenen Müttern oder Vätern haben ein 20-fach höheres Erkrankungsrisiko als der Bevölkerungsdurchschnitt. Bei eineiigen Zwillingen erkranken 50 % der Geschwister eines betroffenen Zwillings. Damit die Erkrankung akut ausbricht, müssen jedoch noch weitere belastende Faktoren wie familiäre oder zwischenmenschliche Probleme, Trennungen oder Verlusterfahrungen hinzukommen.

Die Erkrankung bricht meist im frühen Erwachsenenalter aus, Ersterkrankungen in späteren Lebensabschnitten sind selten. Die Störung kann akut mit einer schweren Symptomatik einsetzen, sie kann sich aber auch allmählich im Lauf mehrerer Jahre entwickeln. Nach Abklingen der Akutsymptome kann es zu einer postschizophrenen Depression kommen – diese ist mit einem besonders hohen Selbstmordrisiko verbunden. Sie geht dann über in eine symptomarme Phase, in der die Patienten anfangs sehr erschöpft sind, sich dann aber zum Teil bis zur Beschwerdefreiheit erholen und ihre alte Leistungsfähigkeit wiedererlangen können.

Verlauf. Folgende Faktoren beeinflussen den Verlauf der Schizophrenie günstig:

  • Weibliches Geschlecht
  • Stabile soziale Beziehungen
  • Akute, abrupte Ersterkrankung (also kein schleichender Beginn)
  • Gute soziale Anpassung (Schulabschluss, Berufsausbildung, Freundschaften) vor Beginn der Erkrankung
  • Früh einsetzende und konsequent befolgte Therapie.

Das macht der Arzt oder Therapeut

Die Diagnose ergibt sich aus den Leitbeschwerden Wahn und Halluzinationen, dem sorgfältigen psychopathologischen Befund sowie – vor allem bei unklaren frühen Stadien – aus der Beobachtung des Kranken.

Die Behandlung Schizophrener erfordert Geduld, Erfahrung, Wissen und Engagement. Entscheidend für den Erfolg ist eine Kombination aus medikamentöser Therapie, psychotherapeutischen Verfahren und Soziotherapie, worunter die Unterstützung in der Lebens- und Alltagsbewältigung verstanden wird, damit der Kranke seine verschiedenen Rollen wieder ausfüllen kann, die er in Familie, Partnerschaft und am Arbeitsplatz einnimmt.

Psychopharmaka. Therapie der ersten Wahl sind immer Neuroleptika. Unter der neuroleptischen Medikation klingt die Akutsymptomatik binnen weniger Tage ab. Meist bedarf es aber einer stationären Behandlungszeit, bis Dosis und Wirkstoff genau eingestellt sind. Die durchschnittliche Verweildauer in der Akutstation der Psychiatrie beträgt heutzutage bei Schizophrenien etwa drei bis vier Wochen.

Zur Vorbeugung von Rückfällen und zur Stabilisierung des Patienten werden Neuroleptika auch nach dem Klinikaufenthalt meist über einen längeren Zeitraum verordnet. Der niedergelassene Psychiater kontrolliert Dosierung und Art der Medikamente sowie deren Nebenwirkungen. Wie lange die Medikamente eingenommen werden müssen, hängt vom individuellen Verlauf ab. Als Regel gilt: Wenn sich innerhalb eines Jahres keine neuerlichen Krankheitssymptome zeigen, kann der Patient versuchsweise die Medikamente reduzieren. Hierzu muss der Patient jedoch regelmäßig vom Psychiater gesehen werden, damit bei etwaigen Verschlechterungen sofort reagiert werden kann.

Psychotherapie. In der Klinik wird Psychoedukation angeboten, in der Patienten über die Erkrankung, ihre Behandlung, den Umgang mit Medikamenten und die Vorbeugung erneuter Schübe aufgeklärt werden. Angehörige sollten dabei unbedingt mit einbezogen werden. Expressive Verfahren wie z. B. Kunsttherapie stabilisieren die Patienten zusätzlich und unterstützen ihre gesunden, kreativen Seiten.

Im Anschluss an den Klinikaufenthalt hat sich eine ambulante Psychotherapie bewährt. Dabei lernen die Patienten, ihre soziale Kompetenz zu verbessern, Ängste zu bewältigen, mit Belastungen besser umzugehen (Stressmanagement) und – nicht zuletzt – die Folgen der Erkrankung verarbeiten zu können.

Prognose

Schizophrenie ist auch prognostisch eine sehr ernste Erkrankung:

  • Mindestens ein Drittel der schizophrenen Patienten erholt sich weitgehend, bleibt sozial integriert, bei guten Bedingungen auch arbeitsfähig, muss jedoch mit Beeinträchtigungen leben.
  • Bei einem weiteren Drittel der Patienten ist der Verlauf ungünstig, die Beschwerden verschlimmern sich und gehen in ein chronisches Stadium über: Eine Berufstätigkeit ist kaum noch möglich, und auch das familiäre Umfeld, falls es je bestanden hat, zerbricht oft an der Krankheit. Häufig kann auch kein Haushalt geführt werden, sodass die Langzeit-Heimunterbringung die einzige Alternative ist. Durch intensive Behandlung der Akutphase werden diese Fälle heute aber immer seltener.
  • 10 % der von Schizophrenie Betroffenen begehen Selbstmord.

Drogen- und Alkoholkonsum (auch „weiche“ Drogen wie Cannabis) erhöht die Rückfallgefahr stark.

Selbsthilfe und Unterstützung durch Angehörige

Den richtigen Arzt finden. Ein stabiles, vertrauensvolles Verhältnis zum Arzt erleichtert die frühzeitige Krisenerkennung und Krisenvermeidung. Es ist nicht schlimm, den Psychiater ein- oder zweimal zu wechseln, es muss ein tatsächliches Vertrauensverhältnis gegeben sein. Aber dann sollte der Patient bei seinem Psychiater oder Psychotherapeuten bleiben, denn je besser er ihn kennt, desto besser kann er dem Betroffenen helfen und spüren, wann dieser mehr Hilfe und wann mehr Selbstständigkeit benötigt. Daneben gibt es noch andere Anlaufstellen, die Unterstützung anbieten: Selbsthilfegruppen, Treffpunkte und Veranstaltungen für Patienten und deren Angehörige. Informationen erteilen die Sozialpsychiatrischen Dienste, Gesundheitsämter und Krankenkassen. Kontakte kann aber auch der behandelnde Psychiater vermitteln.

Bei der Therapie dabeibleiben. Langzeituntersuchungen haben gezeigt, dass Patienten seltener Rückfälle erleiden, wenn sie nach einer Ersterkrankung weiterhin ihre Medikamente einnehmen. Zusätzliche Behandlungsmaßnahmen (Psychoedukation, Psychotherapie) reduzieren das Rückfallrisiko noch mehr. Für den Therapieerfolg ist es entscheidend, dass der Betroffene mit seinen Ärzten und den Angehörigen zusammenarbeitet und sich an ein vereinbartes Behandlungskonzept hält. Dazu gehört die regelmäßige Einnahme des verschriebenen Medikaments in der richtigen Dosierung und zum richtigen Zeitpunkt sowie das Wahrnehmen der Termine beim Arzt oder im Krankenhaus.

Erneuten Schizophrenieschub erkennen. Wieder zurück im Alltag sollten Erkrankte und auch Angehörige besonders aufmerksam auf Frühwarnsymptome achten, die einem neuen Krankheitsschub vorausgehen. Typische Frühwarnsymptome sind:

  • Anhaltende Veränderungen der Stimmung, vor allem Auftreten von diffusen Ängsten
  • Änderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Nachlassen oder Steigerung des Appetits
  • Veränderungen im sozialen Kontaktverhalten, wie häufiges gekränktes und empfindliches Zurückziehen aus Gesprächen oder Beziehungen.

Krisenplan vorbereiten.Es empfiehlt sich für Betroffene und Angehörige, sich möglichst frühzeitig über Hilfe im Fall eines Rückfalls Gedanken zu machen und einen persönlichen „Krisenplan“ gemeinsam mit dem Arzt oder Therapeuten auszuarbeiten. Dies gilt auch für längere Reisen oder Kuraufenthalte.

Stressfaktoren dosieren. Die alltäglichen Belastungen sollten nur schrittweise wieder an den Erkrankten herangelassen werden und immer im richtigen Verhältnis zu dessen aktueller Verfassung stehen. Nur so lässt sich vermeiden, dass der Patient auf dem Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben überfordert wird.

Wissen über die Krankheit. Je besser der Patient über die Schizophrenie informiert ist und je genauer er weiß, was ihm guttut und was nicht, desto leichter kann er seinen Alltag so gestalten, dass trotz der Erkrankung ein Leben mit Lebensqualität möglich ist.

Weiterführende Informationen

  • www.kompetenznetz-schizophrenie.de – Informative Internetseite des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Kompetenznetzes Schizophrenie, Düsseldorf.
  • www.openthedoors.de – Website des BASTA (Bündnis für psychisch erkrankte Menschen), München: Bietet Tipps, Informationen und ein Diskussionsforum.
  • www.bapk.de – Website des Bundesverbands Psychisch Kranker (BApK), Bonn: Bietet wertvolles Informationsmaterial und Adressen von lokalen Selbsthilfegruppen.
  • www.bpe-online.de – Website des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener e. V. (BPE), Bochum: Bietet u. a. Adressen von Selbsthilfegruppen.
  • H. Häfner: Das Rätsel Schizophrenie. Eine Krankheit wird entschlüsselt. C.H. Beck, 2005. Informatives Buch zu allen Aspekten der Erkrankung; der Autor ist Arzt und Schizophrenieforscher.
  • W. Kissling; G. Pitschel-Walz: Mit Schizophrenie leben. Informationen für Patienten und Angehörige. Schattauer, 2003. Informationen über Erkrankung und Therapie, Fragen der Lebensführung, Freizeitgestaltung, berufliche Eingliederung und finanzielle Hilfen.
  • M. Kruse: Im Zwiespalt der Seele. Erfahrungen mit einer endogenen Psychose. Frieling, 2004. Der Autor schildert eindrucksvoll den Verlauf seiner Erkrankung und der Heilung.

Winterdepression

Winterdepression (saisonal abhängige Depression, SAD): In unseren Breiten häufig – vorwiegend in den Herbst- und Wintermonaten – auftretend, am Mittelmeer nahezu unbekannt. Bis zu 800 000 Menschen leiden hierzulande unter saisonal abhängigen Depressionen, Frauen sind häufiger betroffen als Männer: Etwa jede dritte Frau, aber nur jeder vierte Mann leidet darunter.

Leitbeschwerden

Neben den Beschwerden einer depressiven Verstimmung wie

  • Niedergeschlagenheit
  • Erhöhtes Schlafbedürfnis
  • Ständige Müdigkeit
  • Antriebslosigkeit

zusätzlich:

  • Heißhunger auf Süßigkeiten
  • Oft übermäßiger Alkoholkonsum
  • Regelmäßig wiederkehrende Beschwerden in den Herbst- und Wintermonaten.

Die Erkrankung

Als Auslöser gilt verminderte Lichtintensität, sodass dadurch zum einen die Funktion der Zirbeldrüse und dadurch der Melatoninhaushalt gestört sein kann, zum anderen der Gegenspieler, das stimmungsaufhellende Serotonin, unzureichend gebildet wird.

Das macht der Arzt oder Therapeut

Erleichterung bringt Lichttherapie, bei schwerer Symptomatik wird medikamentös therapiert, mit Antidepressiva wie z. B. SSRIs.

Treten wiederholt Winterdepressionen auf, kann eine kognitive Verhaltenstherapie helfen. In einer aktuellen Studie wirkte sie nachhaltiger als eine Lichttherapie.

Regelmäßige Bewegung im Freien helfen einer SAD vorzubeugen. Auch die Lichttherapie kann präventiv bereits im Herbst begonnen werden.

Zwangsstörungen

Zwangsstörung (Zwangsneurose, Zwangserkrankung): Zwangsstörungen sind sich aufdrängende, stereotyp wiederkehrende Gedanken und Handlungen, die als sinnlos und störend erlebt werden, jedoch nicht unterdrückt werden können und den Alltag erheblich beeinträchtigen. Erkrankt sind etwa 2 % der Bevölkerung. Zwangsstörungen gelten zusammen mit den Phobien als häufigste Form der Neurose und sind durch Verhaltenstherapie gut behandelbar.

Leitbeschwerden

  • Zwangsgedanken sind Denkinhalte, also Bilder, Ideen, Vorstellungen, Impulse oder Ängste, die zwar als unsinnig erkannt werden, sich jedoch weder ignorieren noch unterdrücken lassen und sich immer wieder aufdrängen. Häufigste Gedanken und Ängste sind z. B., dass die eigene Gesundheit gefährdet sei, man sich beschmutzen könnte oder dauernde Zweifel, Dinge getan oder unterlassen zu haben („Ist das Bügeleisen noch an oder habe ich es ausgemacht?“).
  • Zwangshandlungen sind Tätigkeiten, Verhaltensweisen und Rituale, die jemand immer wieder gegen oder ohne seinen Willen tun muss, obwohl sie meist als übertrieben und sinnlos empfunden werden. Am häufigsten ist der Kontrollzwang, gefolgt vom Wasch- oder Sammelzwang. Wird der Betroffene an der Zwangshandlung gehindert oder versucht er selbst, diese abzustellen, bauen sich Ängste und unerträgliche innere Spannungen auf. In schweren Fällen rauben die Zwänge den Betroffenen ihre gesamte Energie und führen dazu, dass sie nicht mehr arbeitsfähig sind und die Wohnung nicht mehr verlassen können.

Meist treten Zwangsgedanken und Zwangshandlungen gemeinsam auf. Aufgrund ihrer als ausweglos empfundenen Lage leiden die Patienten oft an Depressionen und Angsterkrankungen.

Wann zum Arzt oder Psychotherapeuten

In den nächsten Tagen, wenn die Beschwerden die Alltagsbewältigung beeinträchtigen oder negative Folgen (Arbeitsunfähigkeit, Konflikte in Familie und Partnerschaft) zu befürchten oder bereits eingetreten sind.

Die Erkrankung

Zwänge entwickeln meist Menschen, die ängstlich, vorsichtig und sozial eher zurückgezogen und scheu sind. Ursache ist oft eine Überforderungssituation, auch traumatische Erlebnisse können beteiligt sein (Posttraumatische Belastungsstörung). Die folgenden Faktoren spielen bei der Krankheitsentstehung eine Rolle:

Vererbung. Kinder von zwanghaften Eltern erkranken häufiger als Kinder „normaler“ Familien. Ob dies aber für eine genetische Weitergabe der Erkrankung spricht, ist umstritten. Genauso plausibel ist die Erklärung, dass Kinder das zwanghafte Verhalten von den Eltern „abgucken“ bzw. „erlernen“.

Neurobiologische Faktoren. Zwangspatienten zeigen in bestimmten Teilen des Gehirns eine Überaktivität. Dadurch kommt es zu Kommunikationsproblemen zwischen dem Frontalhirn und tieferen Hirnstrukturen (Basalganglien). Zusätzlich hat man bei Zwangspatienten einen Mangel des Botenstoffs Serotonin festgestellt. Deshalb sprechen Erkrankte auch gut auf Medikamente an, die den Serotoninspiegel erhöhen (SSRIs).

Erziehung. Die Psychoanalyse geht davon aus, dass ein zu frühes und übertriebenes Sauberkeitstraining beim Kleinkind später zu einer Zwangsstörung führen kann. Diese Annahme konnte aber durch wissenschaftliche Studien nicht gestützt werden. Fest steht allerdings, dass ein Erziehungsstil, der Ordnung, Sauberkeit und Fehlerlosigkeit sehr stark belohnt und Abweichungen entsprechend bestraft, eine Zwangsstörung begünstigt.

Stress, Belastung. Meist geht der Erkrankung eine Belastung voraus, der sich der Patient mit seinen hohen Ansprüchen an sich selbst nicht mehr gewachsen fühlt. So empfindet eine Mutter ihr Neugeborenes, das nachts häufig schreit, zuweilen als Last – darf sich dies aber als „perfekte Mutter“ nicht eingestehen. Die starke Belastung kommt dann z. B. durch zwanghaftes Verhalten oder aggressive Fantasien zum Ausdruck.

Menschen, die an einer Zwangsstörung erkranken, sind meist sehr gewissenhaft, genau und ordentlich. Sie hassen es, Risiken einzugehen und passen sich schon fast übermäßig an die sozialen Normen und Regeln an. Die Neigung zu diesem ängstlichen, angepassten, übergenauen Verhalten zeigt sich oft bereits in der Kindheit, spätestens aber im frühen Erwachsenenalter. Der Übergang zwischen einem „normalen“, sehr genauen, bedachten und sorgfältigen Verhalten und einem Zwang ist fließend. Die Erkrankten merken, dass sie – gegen ihren Willen – immer mehr Zeit und Energie für ihre Rituale aufwenden und erleben diese als sehr quälend. Zwangshandlungen dienen meist auch der Angstabwehr: Die Angst hört schlagartig auf, sobald die Zwangshandlung ausgeführt wird. Diese „Belohnung“ des zwanghaften Verhaltens erhält den Zwang immer wieder aufrecht. Anders als bei einer Abhängigkeit entlastet das zwanghafte Verhalten aber nur für kurze Zeit und wird auch nicht als Belohnung erlebt. Bei der Zwangsstörung erlebt der Patient sich selbst als Urheber der Beschwerden. Die Zwangsphänomene werden ihm nicht, wie bei einer Psychose, von außen eingegeben. Dennoch schafft es der Betroffene nicht, den inneren Zwang anzugehen oder ihn zu überwinden.

Formen des Zwangs

  • Wer an einem Waschzwang leidet, muss sich dutzende Male am Tag die Hände schrubben und sich duschen. Schon kurz nach dem Ritual befällt den Betroffenen wieder das Gefühl, schmutzig zu sein. Als Folge der vielen Waschungen, die meist auch mit aggressiven Seifen und Bürsten vorgenommen werden, reißt die Haut auf und entzündet sich.
  • Bei einem Kontrollzwang müssen die Betroffenen sich immer wieder überzeugen, dass sie z. B. die Herdplatten oder das Bügeleisen ausgeschaltet haben, bevor sie die Wohnung verlassen. Sobald sie an der Wohnungstür sind, befallen sie aber wieder Zweifel und sie müssen alles erneut überprüfen. Dieses kann sich viele Male wiederholen. Schaffen es die Patienten, endlich die Wohnung zu verlassen, quälen sie Fantasien, dass sie doch etwas übersehen haben könnten.
  • Beim Wiederholungszwang werden vom Betroffenen bestimmte Rituale (zwanghaft) wiederholt, damit eine schlimme Befürchtung nicht eintritt; z. B. muss jeder Lichtschalter dreimal berührt werden, damit der Partner nicht erkrankt. Beim Zählzwang müssen bestimmte Objekte (die Fenster von Häusern, Trittsteine auf dem Gehweg) immer wieder gezählt werden.
  • Zwanghafter Perfektionismus im Beruf führt dazu, dass die Betroffenen immer wieder kontrollieren müssen, ob sie fehlerfrei gearbeitet haben oder ob sie nicht doch noch etwas verbessern könnten. Oft nehmen sie Arbeit mit nach Hause und machen viele Überstunden, ohne dass sie jedoch ihre Arbeit wirklich erledigen. Gleichzeitig sind die Betroffenen permanent erschöpft, nervös und angespannt. Häufig wird die Leistungsfähigkeit letztendlich auch vom Vorgesetzen angezweifelt, was zu beruflichen Problemen führt.
  • Stehen gewalttätige oder obszöne Themen im Vordergrund, spricht man von Zwangsimpulsen: Die Betroffenen leiden etwa unter der Fantasie, Kollegen oder Vorgesetzte mit Schimpfwörtern belegen zu müssen, bekommen ekelerregende sexuelle Vorstellungen oder beängstigende Gedanken nicht aus dem Kopf. Oft widersprechen die Inhalte der Zwangsideen genau den eigenen Normen und Werten – ein religiöser Mensch wird von gotteslästerlichen Gedanken geplagt, jemand, der sexuell eher zurückhaltend ist, von pornografischen Obszönitäten. Die soziale Kontrolle bleibt aber fast immer gewahrt, die Impulse werden also nicht in die Realität umgesetzt.

Das macht der Arzt oder Therapeut

Oft kommen die Betroffenen mit anderen Leitbeschwerden wie z. B. Depressionen in die Praxis. Dem erfahrenen Arzt gelingt es aber in der sorgfältigen Befragung schnell, von der Oberfläche der geschilderten depressiven Beschwerden zu den dahinterstehenden Zwangssymptomen vorzudringen.

Bis vor 20 Jahren galten Zwangsstörungen noch als sehr schwer heilbar. Moderne psychotherapeutische Verfahren, insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie – in schweren Fällen zunächst kombiniert mit Psychopharmaka – haben bei den Zwangsstörungen aber zu einem fast revolutionären Durchbruch mit Heilungsquoten von über 80 % geführt. Die Prognose ist umso besser, je früher die Therapie einsetzt. Aber auch über Jahre oder Jahrzehnte bestehende Erkrankungen können mit den modernen Therapieverfahren erfolgreich behandelt werden.

In schweren Fällen und bei einer lange bestehenden, chronifizierten Störung wird zum Einstieg in die Therapie eine stationäre Behandlung in einer Spezialklinik empfohlen. Da viele Zwangshandlungen jedoch auch an die Wohnung oder an die Arbeitsstelle gebunden sind (z. B. Kontrollzwänge), sollte sich an den stationären Aufenthalt immer eine ambulante Weiterbehandlung anschließen.

Psychopharmaka. Psychopharmakologisch erfolgt die Therapie in schweren Fällen mit Antidepressiva, meist mit Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRIs). Neuroleptika kommen nur dann zum Einsatz, wenn der Patient sehr unruhig ist und Ängste oder depressive Beschwerden im Vordergrund stehen.

Bei Nicht-Ansprechen auf eine medikamentöse Therapie mit Psychopharmaka soll diese Therapie nach spätestens 6 Wochen abgesetzt und stattdessen eine kognitive Verhaltenstherapie mit Exposition und Reaktionsmanagement angeboten werden:

Psychotherapie. Zwangshandlungen sprechen am besten auf die Expositionstherapie an, eine Form der kognitiven Verhaltenstherapie. Der Betroffene wird – natürlich mit seinem Einverständnis und nach einer ausführlichen Erklärung des Behandlungskonzepts – daran gehindert, seine Zwangshandlung auszuüben. Er darf sich z. B. nicht die Hände waschen oder muss seine Wohnung ohne Kontrollüberprüfung verlassen. In der kognitiven Verhaltenstherapie werden gestörte Denkmuster und irrationale Annahmen hinterfragt und schrittweise durch nützlichere Denkmuster ersetzt.

Selbsthilfe und Hilfe durch Angehörige

Die Patienten schämen sich meist für ihre Erkrankung und glauben, diese in den Griff zu bekommen, wenn sie sich nur „zusammenreißen“. Sie geraten dann in einen Teufelskreis von frustrierenden Erlebnissen und einer Verstärkung der Beschwerden. Um sich über die Erkrankung und den Umgang mit drohenden Rückfällen auszutauschen, gibt es Selbsthilfegruppen für Betroffene und Angehörige. Die ständige Beschäftigung mit den Zwängen kann die Erkrankung aber auch negativ beeinflussen. Oft hilft es den Betroffenen mehr, sich von ihren Zwängen abzulenken. Die beste Vorsorge besteht daher in abwechslungsreichen, interessanten Aktivitäten.

Das Umfeld leidet oft fast genauso unter den Zwängen wie die Patienten selbst. Auch wenn es schwerfällt: Angehörige sollten den Patienten zu einer Therapie auffordern. Alle Versuche, ihm zu erklären, dass seine Befürchtungen irrational und seine Kontrollen übertrieben sind, laufen ins Leere. Denn das wissen die Betroffenen selbst, können aber trotzdem nicht anders. Außerdem sollten die Symptome so wenig wie möglich beachtet werden. Denn jede Aufmerksamkeit erinnert den Patienten wieder an seinen Zwang, auch dann, wenn ihn die Erkrankung vielleicht gerade nicht in ihrer Gewalt hat.

Weiterführende Informationen

  • www.zwaenge.de – Website der Deutschen Gesellschaft für Zwangserkrankungen e. V. (DGZ, Osnabrück): Mit Adressen von Psychotherapeuten, Kliniken und Selbsthilfegruppen. Bietet die Möglichkeit, kostenlose Broschüren anzufordern.
  • www.christoph-dornier-klinik.de – Internetseite der gleichnamigen Klinik in Münster mit fundierten Informationen über die Erkrankung, ihre Ursachen und Therapie.
  • H. Ambühl: Wege aus dem Zwang. Wie Sie Zwangsrituale verstehen und überwinden. Patmos, 2004. Der Psychotherapeut Ambühl beschreibt umfassend und verständlich die Erkrankung und erklärt an Fallbeispielen verschiedene Möglichkeiten der Behandlung.
  • G. Gielen et al.: Ich bezwinge meinen Zwang. Auseinandersetzungen mit einem Waschzwang Pabst Science Publishers, 2005. Das Buch beschreibt insbesondere, was den Patienten in einer stationären Therapie erwartet.
  • Ulrike S. et al.: Der Weg aus der Zwangserkrankung. Vandenhoeck & Ruprecht, 2003. Sehr persönlicher Bericht einer Betroffenen.

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