Haut, Haare und Nägel


Infektionen und Parasitenerkrankungen der Haut

Akne

Akne (Acne vulgaris): Hauterkrankung, die mit Vergrößerung der Talgdrüsen, vermehrter Talgproduktion und dadurch begünstigten Entzündungen einhergeht, bevorzugt in der Pubertät auftritt und in der Regel bis zum dritten Lebensjahrzehnt von allein abheilt.

Die Akne ist die häufigste Hautkrankheit überhaupt. Fast jeder Mensch hat in seiner Jugend mehr oder weniger stark ausgeprägte Pubertätspickel. Grund dafür ist ein vorübergehender Überschuss an männlichen Geschlechtshormonen (Testosteron und andere Androgene) in der Pubertät. Daher verläuft eine Akne bei Jungen meist stärker als bei Mädchen.

Leitbeschwerden

  • Knötchen, Eiterbläschen und Mitesser auf allgemein fettiger Haut, bevorzugt im Gesicht, an Hals und Dekolleté
  • Als Folgephänomen (das sich verselbstständigen kann) zwanghaftes Kratzen, Knibbeln und Drücken an betroffenen Stellen.

Die Erkrankung

Männliche Sexualhormone stimulieren die Produktion der in der Lederhaut gelegenen Talgdrüsen. Bei einem Überschuss an Androgenen kann so viel Talg produziert werden, dass er nicht mehr schnell genug an der Hautoberfläche abfließt und sich im Talgdrüsenfollikel ansammelt (Seborrhoe). Zudem sterben die Hornzellen in der Oberhaut schneller ab, was allgemein als Verhornungsstörung bezeichnet wird. Die Hornzellen verkleben miteinander und bilden zusammen mit dem Talg einen Pfropf im Ausführungsgang der Talgdrüse. Der Pfropf, der den Talgabfluss zusätzlich behindert, ist unter dem Namen Mitesser (Komedo) bekannt. Erreicht er die Hautoberfläche, wird er durch den Hautfarbstoff Melanin dunkel getönt; diese Verfärbung ist jedoch keinesfalls ein Hinweis auf mangelhafte Hygiene. Unter einem Mitesser können sich Bakterien (Propionibakterien) ansiedeln, die zu eitrigen Entzündungen führen; rote schmerzhafte Knötchen und eitrige Bläschen sind die sichtbaren Folgen.

Je nach Schweregrad werden verschiedene Akneformen unterschieden: Die Acne comedonica ist gekennzeichnet durch zahlreiche, überwiegend geschlossene Mitesser (Komedonen). Bei der Acne papulopustulosa entstehen aus den Mitessern durch bakterielle Besiedelung Knötchen und teils eitrige Bläschen, vereinzelt bleiben Narben zurück. Die Acne conglobata zeichnet sich durch eine sehr starke Seborrhoe (Talgproduktion) aus und tritt überwiegend bei Männern auf. V. a. an Rücken und Nacken entstehen große Mitesser sowie eitrig einschmelzende Knoten, die erhebliche Narben hinterlassen.

Bei den meisten Jugendlichen verläuft die Erkrankung mild. Nur etwa ein Drittel der Betroffenen leidet unter Akneformen, die eine ärztliche Behandlung erfordern.

Akne kann auch unabhängig von der Pubertät auftreten, z. B. die durch Sonnenschutzmittel und UV-Strahlung ausgelöste Mallorca-Akne. Durch Hormone der Mutter kann eine Neugeborenenakne entstehen. Des Weiteren können verschiedene Chemikalien wie Schmieröl oder Chlor zu einer Akne führen (Ölakne bzw. Chlorakne), ebenso Medikamente, die Kortison oder männliche Sexualhormone enthalten (Steroidakne, Acne medicamentosa). Da männliche Sexualhormone auch als Dopingmittel eingesetzt werden, spricht man auch von einer Sportlerakne.

Das macht der Arzt

Bei leichten Verlaufsformen empfiehlt der Arzt eine sorgfältige Hautreinigung und -pflege, vorzugsweise mit speziellen Aknepräparaten, die in jeder Drogerie erhältlich sind. Schwerer ausgeprägte Akne sollte medikamentös behandelt werden, nicht nur aus kosmetischen Gründen, sondern auch um Narben zu vermeiden. Weitverbreitet ist die äußerliche Anwendung so genannter Schälmittel, die Verhornungen lösen, die Talgproduktion mindern und leicht entzündungshemmend wirken. Häufig wird Benzoylperoxid (BPO) in Form von Gelen oder Cremes (z. B. Cordes® BPO Creme) angewendet. Die Behandlung mit BPO sollte die Beschwerden innerhalb von acht Wochen verbessern. BPO ist auch zur Langzeitanwendung geeignet, da Resistenzen ausbleiben. Beim Auftragen sind die Augen, Nasenlöcher und die Lippen auszusparen, da BPO die Schleimhäute reizt. Augenbrauen, Kopfhaare, Barthaare und Textilien können beim Kontakt mit BPO ausbleichen.

Ähnlich wirken Fruchtsäuren, Azelainsäure (in Skinoren® Creme) und Vitamin-A-Säure (auch Tretinoin oder Retinsäure genannt, z. B. in Airol® Creme). Es dauert allerdings einige Wochen, bevor diese Präparate die erwünschte Wirkung zeigen. Nach Beginn der Behandlung scheint die Akne zunächst „aufzublühen“ – die Haut rötet sich, spannt und brennt. Oft tauchen auch vorübergehend verstärkt Eiterbläschen auf. Diese Erstverschlimmerung ist normal und kein Zeichen für eine Unverträglichkeit. Reagiert die Haut auf die Fruchtsäure gereizt, empfiehlt es sich, das Präparat zunächst nur jeden zweiten Tag anzuwenden.

Äußerst wirksam ist der Abkömmling des Vitamin A Isotretinoin (z. B. in Isoderm® Kapseln), das wegen seiner Nebenwirkungen aber schweren Verlaufsformen vorbehalten bleibt. Isotretinoin wird sowohl äußerlich als auch innerlich angewendet. Als Hauptwirkung normalisieren sich Menge und Zusammensetzung des Talgs. Die Heilungsrate ist hoch, in über 60 % treten jedoch Rückfälle auf.

Die am meisten gefürchtete Nebenwirkung ist die Schädigung von Ungeborenen. Deshalb dürfen Mädchen und Frauen bis 3 Monate nach Therapieende nicht schwanger werden. Weitere Nebenwirkungen umfassen trockene Haut, insbesondere der Lippen, Schälung der Haut, Schleimhautentzündungen, gehäuftes Nasenbluten und Augenbindehautentzündungen. Wird Isotretinoin als Tablette eingenommen, sind Leberschäden möglich, weshalb eine regelmäßige Kontrolle der Leberwerte erforderlich ist. Ferner drohen Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen.

Eine Alternative zu Isotretinoin ist für Frauen die Einnahme antiandrogen wirkender Hormonpräparate (z. B. als „Pille“ mit Cyproteronacetat wie Diane 35®). Die Behandlung führt bei weiblichen Patienten häufig zu einer deutlichen Verringerung der Talgproduktion.

Bei ausgeprägt eitrigen Entzündungen verordnet der Arzt eine Creme wie z. B. Erythromycin in Aknefug®-EL Lösung oder Clindamycin in Basocin® Akne Gel. Bewährt haben sich Kombinationen mit dem desinfizierend wirkenden Benzoylperoxid, etwa in Duac® Akne Gel. Auch Kombinationen von Antibiotika mit Retinoiden sind verfügbar, zum Beispiel Aknemycin® Plus Lösung, Isotrexin® Gel und Acnatac® Gel. Dadurch verringert sich die Antibiotikadosis, womit man hofft, die Entstehung von Resistenzen bei den Bakterien zu vermeiden.

Reicht diese Behandlung nicht aus, folgt als nächster Schritt die Einnahme eines Antibiotikums, in der Regel Minocyclin (z. B. in Minoclir®50mg Kapseln) in einer niedrigen Dosierung. Der Wirkstoff erreicht über die Blutbahn die aknebefallene Haut und bekämpft dort effektiv die (mit)verursachenden Bakterien. Bei längerfristiger Anwendung führt er als Nebenwirkung manchmal zu einer dunklen Verfärbung von Haut, Nägeln und/oder Zähnen.

Selbstbehandlung

Die Behandlung der Akne braucht Zeit und Geduld! Akne ist kein Zeichen mangelnder Körperhygiene. Die meisten Betroffenen neigen eher dazu, sich zu viel zu waschen und Seife einzusetzen – was die Haut tendenziell verschlechtert, weil der Säureschutzmantel darunter leidet. Wichtig ist eine gründliche und sorgfältige Hautpflege, die speziell auf fettige Haut abgestimmt sein sollte. Auf keinen Fall dürfen Pickel ausgedrückt werden, weil sie sich dann entzünden und möglicherweise lebenslange Narben zurücklassen.

Wohldosiertes Sonnenlicht kann die Akne günstig beeinflussen, besonders in Kombination mit Salz bei einem Urlaub am Meer. Ausgedehnte Sonnenbäder führen jedoch oft zur vermehrten Bildung von Mitessern. Während der Anwendung mancher Aknesalben (z. B. mit den Wirkstoffen Vitamin-A-Säure oder Benzoylperoxid) sowie der Einnahme von Tetracyclin oder Minocyclin besteht zudem die Gefahr fototoxischer Reaktionen, die schweren Sonnenbränden ähneln.

Inwieweit die Ernährung einen Einfluss auf den Akneverlauf hat, ist umstritten. Wissenschaftlich ließ sich bislang keinerlei Zusammenhang beweisen. Wer allerdings an sich selbst eine Verschlimmerung der Akne nach Einnahme bestimmter Nahrungsmittel beobachtet, tut gut daran, diese mit Vorsicht zu genießen.

Komplementärmedizin

Hydrotherapie. Kamillen- und Salbei-Gesichtsdampfbäder weichen die Haut auf, sodass nachfolgende Therapien wie z. B. das Abtupfen mit Calendula-Extrakt besser wirken können. Bei großflächiger Akne empfehlen sich Quark-Kompressen sowie Heilerde-Auflagen (Heilerde mit 1 l Wasser anrühren, einen halben Zentimeter dick auf die betroffene Hautpartie aufbringen, nach etwa einer halben Stunde wieder entfernen). Abheilend wirken Schwefelbäder mit Sole.

Lichttherapie. Licht, Luft und Sonne unterstützen den Heilungsprozess, eine Bestrahlung mit Blaulicht oder Orangelicht vermindert den Talgfluss. Die Bestrahlung sollte immer durch einen Dermatologen durchgeführt werden – die Wellenlängen, die in Sonnenstudios zum Einsatz kommen, können erkrankte Haut schädigen.

Pflanzenheilkunde. Äußerlich sind tägliche Waschungen mit Tee aus Kamille, Thymian, Salbei, Rosmarin oder Ackerschachtelhalm – auch als Gesichtsdampfbad – zu empfehlen, ebenso wie Hametum® oder Calendula-Extrakt zum Auftupfen sowie Kompressen mit Weizenkleieextrakt (z. B. Silvapin®). Zur inneren Anwendung eignen sich alle Tees, die den Stoffwechsel fördern, so z. B. Tee aus Löwenzahn, Brennnessel und Schachtelhalm.

Homöopathie. Gemäß der homöopathischen Vorstellung ist Akne ein Ausdruck des (z. B. durch Hormone oder Stress) gestörten organischen Gleichgewichts, daher ist in erster Linie eine konstitutionelle – ganzheitliche – Therapie indiziert. Empfohlen werden Mahonia aquifolium für schuppende Haut, Selenium und Thuja occidentalis bei vereiterten Pusteln, Sulfur jodatum bei großporiger Haut sowie Natrium chloratum für Mischhaut oder bei Verschlechterung des Hautbilds unter Sonneneinwirkung.

Akupunktur. Neben der Akupunktur, die zur Aknebehandlung mit teils guten Erfolgen eingesetzt wird, bietet sich zusätzlich die Bestrahlung mit einem Softlaser an.

Psychotherapie. Je nach Ausprägung kann Akne psychisch sehr belastend sein, reaktive depressive Verstimmungen und sozialer Rückzug sind mitunter die Folge. Helfen können hier im Einzelfall eine Gesprächstherapie sowie soziales Verhaltenstraining.

Weiterführende Informationen

  • www.aknetherapie.de – Private Internetseite von Betroffenen mit guten Pro- und Kontra-Diskussionen über die verschiedenen therapeutischen Möglichkeiten bei Akne.

Borreliose

Borreliose (Lyme-Krankheit, Lyme-Borreliose): bakterielle Infektion, fast ausschließlich durch Zeckenbisse übertragen. Borreliose ist mit Abstand die häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung. Ungefähr 15 % der Zecken in Deutschland sind mit den bakteriellen Erregern Borrelien (Borrelia burgdorferi) infiziert, doch erkranken bei Weitem nicht alle Personen, die von einer infizierten Zecke gebissen wurden. Nach einem Zeckenbiss beträgt das Risiko einer Borreliose ~ 1 %. Die Borrelien breiten sich im Körper nur sehr langsam aus, sodass die vielfältigen Spätsymptome zum Teil erst nach Jahren auftreten. Je früher die Erkrankung erkannt und antibiotisch behandelt wird, umso seltener sind schwere Verlaufsformen.

Es gibt neben der Borreliose eine weitere zeckenassoziierte Erkrankung, die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), eine schwere Gehirnentzündung.

Leitbeschwerden

  • Hautrötung um die Einstichstelle herum, die sich ringförmig ausbreitet
  • Grippeähnliche Symptome wie Abgeschlagenheit, Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen.

Wann zum Arzt

Heute noch, wenn die typische Hautrötung auftritt – selbst wenn kein vorheriger Zeckenbiss aufgefallen ist.

Die Erkrankung

Zecken sind parasitisch lebende Milben, die mit Beißwerkzeugen und Saugrüsseln zum Blutsaugen an Mensch und Tier ausgestattet sind. In Deutschland sind sie v. a. zwischen März und Oktober aktiv, jedoch auch in milden Wintermonaten. Der wichtigste Krankheitsüberträger unter den Zecken ist der [gemeine] Holzbock. Zecken leben bevorzugt auf hohem Gras, Farnen, Sträuchern und anderem belaubten Niederholz im Wald sowie in Parks und Gärten und gelangen durch Abstreifen auf den Menschen. Dort setzen sie sich meist an Körperstellen mit dünner, feuchter und warmer Haut fest (z. B. Leistengegend, Kniekehlen, Achselhöhlen, hinter den Ohren). Sie verankern sich mit dem Hypostom fest an der Haut und saugen bis zu 6 Tage lang Blut. Während der Blutmahlzeit gibt die Zecke ein Betäubungsmittel ab, das die befallene Hautstelle schmerzunempfindlich macht, sodass der Stich meist unbemerkt bleibt. Ist die Zecke mit Borrelien oder FSME-Viren infiziert, gelangen diese oft in den Blutkreislauf des Menschen.

Einige Tage bis etwa 4 Wochen nach dem Zeckenstich tritt um die Einstichstelle herum eine Hautrötung auf, die sich – teilweise über Wochen hinweg – kreisförmig ausbreitet, während sie innen wieder verblasst. Diese Hauterscheinung, Wanderröte oder Erythema migrans genannt, tritt unabhängig davon auf, ob sich die Zecke noch in der Haut befindet oder nicht. Manchmal kommt es begleitend zu grippeähnlichen Symptomen. In ca. einem Drittel der Infektionen kommt es nicht zu einem Erythema migrans.

Wochen, Monate oder sogar Jahre später, selten auch ohne das Warnsymptom der anfänglichen Wanderröte, geht die Erkrankung bei etwa 10–20 % der Infizierten in das Stadium der Nervenborreliose (Neuroborreliose, Bannwarth-Syndrom) über. Diese äußert sich in vielfältigen Beschwerden, z. B. hartnäckigen Nervenschmerzen, Gesichtslähmungen, Störungen der Tastempfindung oder Sehproblemen. Daneben können eine Herzmuskelentzündung und Gelenkentzündungen auftreten, bevorzugt an Knie- und Fußgelenken (Lyme-Arthritis). Viele Patienten leiden außerdem unter starkem Erschöpfungsgefühl und einer ständigen Müdigkeit. Als seltene Spätfolge tritt eine chronische Hauterkrankung auf, bei der die Haut an Händen und Füßen bläulich und dünn wie Pergamentpapier wird (Akrodermatitis atrophicans). Wegen der Vielfältigkeit der Beschwerden gilt die Borreliose als „Chamäleon der Medizin“.

Neben Borreliose und FSME übertragen Zecken zahlreiche weitere, aber seltene Erkrankungen. Von Bedeutung ist v. a. die Babebiose (Hundemalaria), die bis vor wenigen Jahren fast ausschließlich im Mittelmeerraum verbreitet war, in letzter Zeit jedoch mit der klimatisch bedingten Vermehrung der Auwaldzecke auch zunehmend in Deutschland vorkommt. Obwohl meist bei Hunden auftretend, befällt sie auch gelegentlich den Menschen.

Zeckenstiche lösen neueren Kenntnissen nach gelegentlich eine Fleischallergie aus, ein Alpha-Gal-Syndrom, das nach Fleischgenuss zu allergischen Symptomen bis zu lebendgefährlichen Verläufen führt.

Das macht der Arzt

Bei Verdacht auf Borreliose entnimmt der Arzt Blut und gegebenenfalls auch Liquor (Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit), um nach Antikörpern auf Borrelien zu suchen. Mit keiner der heute verfügbaren Labormethoden gelingt es jedoch, eine frische Borrelieninfektion mit absoluter Sicherheit nachzuweisen oder auszuschließen. Daher wird bei Symptomen wie einem Erythema migrans sofort mit einer Antibiotika-Therapie begonnen.

Mittel der Wahl sind Antibiotika (z. B. Doxycyclin in Doxycyclin® Stada, bei Kindern auch Amoxicillin). Sie werden je nach Krankheitsstadium 2–3 Wochen lang eingenommen. Bei schweren Verläufen wie der Nervenborreliose erhält der Betroffene Antibiotika wie Ceftriaxon als Spritze oder Infusion über mindestens 2 Wochen.

Selbstbehandlung und Vorsorge

Tipps zur Zeckenentfernung und Vorsorge

Flohbisse

Durch Flohbisse entstehen kleine juckende Wunden. Bei ihrer Mahlzeit sondern die Flöhe Speichel ab, der eine heftig juckende Rötung und Schwellung hervorruft. Flohbisse liegen meist in einer linienförmigen Dreiergruppe („Frühstück, Mittagessen, Abendbrot“).

Die Erkrankung

Flöhe sind zu enormen Sprüngen fähig (etwa 50 cm), weshalb sie schnell von einem Lebewesen zum anderen wechseln können. Innerhalb von Wohnungen leben sie die meiste Zeit in Polstermöbeln, Betten oder Teppichen, die sie nur für ihre Blutmahlzeiten verlassen. Dabei reicht eine ausgiebige Mahlzeit bis zu 2 Monate.

Der Menschenfloh (Pulex irritans) lebt wirtsspezifisch, d. h. ausschließlich auf menschlichen Haut. Bei Floharten wie dem Hunde- und Katzenfloh ist diese Spezialisierung jedoch unvollkommen. Aus diesem Grund können auf (Haus-)Tieren lebende Flöhe auch den Menschen befallen. In Tropenländern können Flöhe gefährliche Erkrankungen (z. B. Bandwurmeier) übertragen. Im Mittelalter war der Floh Hauptüberträger des Pesterregers (Yersinia pestis).

Selbsthilfe und Vorsorge

Das störende Jucken lässt sich mit juckreizstillenden Mitteln (z. B. Fenistil® Kühl Roll-on) behandeln.

Um die Flöhe zu entfernen, muss die Kleidung gewechselt und möglichst heiß (mindestens bei 60° C, besser bei 90° C) gewaschen werden. Auch Decken, Plüschtiere und Ähnliches gehören in die Wäsche. Ein Vollbad beseitigt Flöhe, die sich am Körper befinden. Wichtig ist auch eine intensive Reinigung der Wohnung und regelmäßiges Absaugen von Polstermöbeln und Teppichen. Ein massiver Flohbefall macht es erforderlich, die Wohnung mit Pestiziden zu behandeln. Haustierhalter werden die Flöhe oft nur dauerhaft los, wenn sie den Schlafplatz ihrer Tiere sorgfältig reinigen und frei laufende Hunde und Katzen gegebenenfalls mit Flohhalsbändern schützen.

Gürtelrose

Gürtelrose (Herpes zoster): Vom Windpockenvirus ausgelöste hochschmerzhafte Erkrankung mit bläschenförmigem Hautausschlag. Sie breitet sich gürtelförmig im Versorgungsgebiet eines oder mehrerer Nerven aus und beschränkt sich in aller Regel auf eine Körperhälfte. Die Mehrheit der Gürtelrose-Patienten ist zwischen 50 und 70 Jahre alt. Besonders anfällig sind Menschen mit geschwächtem Abwehrsystem, z. B. infolge einer schweren Grippe, HIV-Infektion oder Krebserkrankung. Krebspatienten erkranken etwa doppelt bis achtmal häufiger an Gürtelrose als gesunde Menschen. Auch Bluthochdruck, Diabetes, Niereninsuffizienz oder rheumatoide Arthritis erhöhen das Erkrankungsrisiko. Eine Gürtelrose heilt meist innerhalb von 2–3 Wochen ab, führt jedoch gelegentlich zu chronischen, Monate bis Jahre anhaltenden Schmerzzuständen (Post-Zoster-Neuralgie). Zu Rückfällen kommt es nur selten.

Leitbeschwerden

  • Anfangs allgemeines Krankheitsgefühl mit Müdigkeit, Abgeschlagenheit und leichtem Fieber
  • Nach 2–3 Tagen Knötchen auf geröteter Haut, die sich später zu Bläschen (mit wässriger oder blutiger Flüssigkeit gefüllt) umwandeln und eventuell aufplatzen
  • Typischerweise gürtelförmige Ausbreitung, streng auf eine Körperseite begrenzt
  • Brennender Schmerz im betroffenen Gebiet.

Wann zum Arzt

Am gleichen Tag, wenn Hautveränderungen auftreten, die zu einer Gürtelrose passen.

Sofort, wenn die Beschwerden in Augennähe auftreten oder von Lähmungserscheinungen begleitet sind.

Die Erkrankung

Bei der Gürtelrose handelt es sich um eine Zweiterkrankung mit dem Varizella-Zoster-Virus, dem Erreger der Windpocken. Nach überstandener Windpockenerkrankung zieht sich das Virus in Teile des Nervensystems (Nervenwurzeln) zurück und verfällt dort in eine Art Schlaf. Im Rahmen einer Abwehrschwäche sowie außergewöhnlicher psychischer oder körperlicher Belastungen kann es geschehen, dass die im Körper befindlichen Viren „aufwachen“: Die reaktivierten Erreger wandern über die Nervenbahnen zurück zur Haut und lösen dort die typischen Beschwerden aus. Auch nach einer erfolgreichen Windpockenimpfung sind Fälle von Gürtelrose bekannt geworden.

Die Erkrankung tritt bevorzugt gürtelförmig an einer Seite des Körperstamms auf. Gelegentlich ist auch die Gesichtshaut befallen, insbesondere im Bereich des oberen Trigeminusnervs, d. h. im Gebiet von Auge, Nase, Stirn und behaarter Kopfhaut. Gefährlich ist eine Beteiligung der Augen, da sie manchmal zu bleibenden Schäden bis hin zur Erblindung führt. Bei einer Gürtelrose im Bereich des Ohrs kann es zu (meist) vorübergehender Gesichtslähmung, Hörverlust oder Störungen des Geschmacksinns kommen. Sehr selten breitet sich das Windpockenvirus über die Blutbahn auf den gesamten Körper einschließlich der inneren Organe aus. Diese lebensbedrohliche Komplikation betrifft vornehmlich hochbetagte und/oder abwehrgeschwächte Patienten. Gelegentlich geht eine Gürtelrose ohne die typischen Hautveränderungen einher. Diese schwer zu diagnostizierende Sonderform trägt die Bezeichnung Zoster sine herpete.

Wochen bis Monate nach Abheilen der Gürtelrose treten manchmal an der gleichen Stelle schwerste, attackenartige Nervenschmerzen auf, die als Post-Zoster-Neuralgie bezeichnet werden. Je älter ein Gürtelrose-Patient ist, desto höher ist das Risiko für das Auftreten dieser ungefährlichen, aber quälenden Komplikation, die oft über viele Monate bis Jahre anhält. Eine frühzeitige Behandlung mit geeigneten Medikamenten lässt das Risiko sinken: Als weitere Krankheitsfolge bleiben nach Abheilen der Hautveränderungen häufig überpigmentierte (stärker gebräunte) oder depigmentierte (entfärbte) Hautpartien zurück, gelegentlich auch Narben.

Für Menschen, die bereits eine Windpockeninfektion durchgemacht haben, ist eine Gürtelrose nicht ansteckend. Wer jedoch noch keinen Kontakt mit dem Windpockenvirus hatte, kann durch eine an Gürtelrose erkrankte Person die Windpocken bekommen – und nicht, wie man meinen könnte, die Gürtelrose.

Das macht der Arzt

Wer bei sich erste Anzeichen einer möglichen Gürtelrose feststellt, sollte sofort einen Arzt aufsuchen. Um eine lange Wartezeit zu vermeiden, empfiehlt es sich, die Sprechstundenhilfe über den Verdacht zu informieren. Denn je früher die Behandlung beginnt, desto besser lassen sich Beschwerden und Komplikationen in den Griff bekommen. Mittel der Wahl sind Virostatika wie Famciclovir (z. B. in Famvir® 250mg Filmtabletten) oder Brivudin (z. B. in Zostex® Tabletten). Oft lassen die Schmerzen schon binnen weniger Stunden nach und die Hautveränderungen gehen zurück. Für eine optimale Wirkung ist es jedoch erforderlich, die Präparate mindestens 1 Woche lang einzunehmen.

Entwickelt sich trotz frühzeitiger Therapie eine Post-Zoster-Neuralgie, erfordern die starken Schmerzen eine differenzierte, oft kombinierte Behandlung, eventuell durch einen Schmerztherapeuten. Neben NSAR-Schmerzmitteln kommen dabei Opoide, Morphinderivate, Antidepressiva und Antiepileptika zum Einsatz. Die schmerzlindernde Wirkung einer TENS-Therapie ist in Einzelfällen dokumentiert, aber noch nicht wissenschaftlich gesichert.

Selbstbehandlung

Kalte Umschläge oder Kompressen mildern häufig die Beschwerden. Schmerzlindernd wirken sowohl bei einer akuten Gürtelrose als auch bei einer Post-Zoster-Neuralgie Puder und Cremes mit lokalen Betäubungsmitteln (z. B. Benzocain in Anaesthesin® oder Polidocanol in Eucerin® Akutspray oder Anaesthosulf®).

Um die Krankheit schneller zu überwinden, braucht der Körper Ruhe und ausreichend Schlaf.

Vorsorge

Ein Impfstoff gegen Herpes Zoster existiert bereits, ist allerdings noch nicht im Einsatz. Er hat zum Ziel, den Ausbruch der Erkrankung insbesondere bei gefährdeten Personen zu verhindern.

Komplementärmedizin

Jede Gürtelrose gehört in ärztliche Behandlung, da schwerwiegende Komplikationen auftreten können. Maßnahmen der Komplementärmedizin lassen sich jedoch ergänzend einsetzen, um die Erkrankung zu verkürzen und Beschwerden zu lindern. Gegen die Post-Zoster-Neuralgie helfen Elektrotherapie, Pflanzenheilkunde und Akupunktur. Zur Behandlung des Ausschlags haben sich Pflanzenheilkunde, Homöopathie sowie Packungen bewährt.

Hydrotherapie. Packungen aus Pelose-Heilschlamm sind zur Linderung der Beschwerden ebenso geeignet wie Kompressen mit Franzbranntwein oder Klosterfrau Melissengeist und Ganzkörperwaschungen mit unverdünntem Apfelessig. Schmerzen lassen sich wirkungsvoll mit Eis, in ein Tuch eingewickelt, reduzieren.

Elektrotherapie. Die Elektrotherapie mit Kurz- und Mikrowelle vermag sowohl die Abheilung der Bläschen zu fördern als auch die Schmerzen zu lindern. Dagegen hat die Ultraschalltherapie einen vornehmlich vorbeugenden Effekt, indem sie das Risiko einer nachfolgenden Post-Zoster-Neuralgie senkt.

Pflanzenheilkunde. Aufgrund seiner desinfizierenden Wirkung ist Teebaumöl empfehlenswert, z. B. in Form eines Verbands. Gegen die heftigen Schmerzen der Post-Zoster-Neuralgie wirkt Capsicain in Salbenform. Steht der Juckreiz im Vordergrund, helfen Packungen aus Apfelessig und Mais- oder Kartoffelmehl. Auch ätherische Öle aus Lavendel, Kamille oder Eukalyptus kommen zur Anwendung, und zwar als 20%ige Lösung, die drei- bis viermal täglich auf die betroffenen Hautpartien getupft wird.

Homöopathie. Im Wesentlichen entsprechen die Homöopathika bei Gürtelrose denen bei Herpes. Bei starkem Juckreiz, Angst und Unruhe wählt man Arsenicum album, zeigt sich die Gürtelrose durch große Blasen mit Schwellung und Juckreiz, dann hilft Apis mellifica.

Akupunktur. Ein frühzeitiger Therapiebeginn mit Akupunktur wirkt sich positiv auf die Schmerzentwicklung aus.

Haarbalgentzündung und Furunkel

Haarbalgentzündung (Follikulitis): oberflächliche, bakteriell bedingte Entzündung des Haarbalgs, meist ausgelöst durch Staphylococcus aureus.

Furunkel: abgekapselte Eiteransammlung in einem Haarbalg, die aus einer Haarbalgentzündung hervorgehen kann.

Leitbeschwerden

  • Haarbalgentzündung: ein oder mehrere gerötete schmerzhafte Knötchen mit einer gelblich-grünen Pustel um ein Haar herum, oft von einem rötlichen Saum umgeben
  • Furunkel: entzündlich geröteter druckschmerzhafter Knoten, oft mit einem Eiterpfropf in der Mitte.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn

  • Entzündete Haarbälge oder Furunkel nicht von allein abheilen oder
  • In großer Zahl auftreten.

Heute noch, wenn

  • Grunderkrankungen vorliegen, bei denen die allgemeine Abwehr geschwächt ist z. B. Diabetes, AIDS
  • Fieber und Abgeschlagenheit hinzukommen
  • Ein Furunkel im Gesicht auftritt, insbesondere an Nase und Oberlippe.

Die Erkrankung

Eine Haarbalgentzündung kann sich überall dort entwickeln, wo Haare sind. Breitet sich die Entzündung auf den gesamten Haarbalg und das umliegende Gewebe aus, entsteht daraus ein Furunkel. Haarbalgentzündungen wie Furunkel finden sich bevorzugt an Nacken, Gesicht, Achselhöhlen, Gesäß, Armen und Beinen. Das schubweise Auftreten zahlreicher Furunkel an verschiedenen Körperteilen bezeichnet man als Furunkulose. Beim Zusammenschmelzen mehrerer Furunkel entsteht ein großflächiger, sehr schmerzhafter Karbunkel, gekennzeichnet durch brettharte Schwellungen mit Eiterdurchbrüchen. Die Betroffenen leiden unter Abgeschlagenheit, Fieber, Schüttelfrost und schmerzhaften Lymphknotenschwellungen.

Furunkel können spontan und ohne erkennbare Ursache auftreten, jedoch auch im Rahmen einer Hauterkrankung, z. B. Impetigo, oder einer eitrigen Entzündung in einem anderen Organ. Eine Furunkulose findet sich gehäuft bei Diabetikern und Nierenkranken. Jedoch kommen auch banale Ursachen wie scheuernde Kleidung oder unzureichende Hygienemaßnahmen nach einer Rasur infrage.

Bei einem Karbunkel und bei unsachgemäßen Behandlungsversuchen eines Furunkels besteht die Gefahr einer lebensgefährlichen Blutvergiftung (Sepsis). Besonders gefährlich sind Furunkel im Lippen-, Nasen- und Wangenbereich, weil die Keime über den Blutweg oder den Lymphabfluss aus dem Nasenbereich leicht ins Gehirn gelangen und dort lebensbedrohliche Infektionen auslösen können. Daher darf man sich keinesfalls dazu verleiten lassen, im Gesichtsbereich an eitrigen Entzündungen herumzudrücken. Stattdessen ist am gleichen Tag ein Besuch in der Arztpraxis angesagt.

Das macht der Arzt

Bei der Haarbalgentzündung ist meistens keine Behandlung erforderlich. Nur bei ausgeprägten Formen wird eine antibakterielle Reinigungslösung angewendet (z. B. Dermowas® Lösung). Eventuell öffnet der Arzt die Pusteln. Ein reifes Furunkel oder einen Karbunkel öffnet der Arzt mit einem Skalpell und legt anschließend mit antibakterieller Lösung getränkte Mullstreifen ein. Diese wirken keimtötend und verhindern einen vorzeitigen Wundverschluss. Sie müssen, wie auch der darüberliegende Verband, täglich gewechselt werden. Hartnäckige oder wiederkehrende Furunkel machen gelegentlich die Einnahme eines Antibiotikums erforderlich.

Selbstbehandlung

Bei einem noch unreifen Furunkel lässt sich der Austritt des eitrigen Inhalts durch feuchtwarme Kompressen sowie Zugsalbe fördern (z. B. Ichtholan® Salbe mit Ammoniumbituminosulfonat). Danach klingt die Entzündung meist rasch ab – allerdings besteht die Gefahr, dass sich die mit dem Eiter austretenden Bakterien ausbreiten. Es empfiehlt sich deshalb, die umliegende Haut und die Hände nach Berührung mit einem offenen Furunkel sorgfältig zu desinfizieren sowie Handtücher und Bettzeug heiß zu waschen.

Vorsorge

Wer zu Furunkeln neigt, trägt am besten luftige, locker sitzende Kleidung, da sowohl starkes Schwitzen als auch ständiges Scheuern die Furunkelbildung begünstigen. Häufiges Waschen der Bekleidung bei hohen Temperaturen reduziert die Gefahr einer erneuten Infektion durch dort verbleibende Bakterien, eine sorgfältige Desinfektion nach jeder Rasur verhindert, dass aus kleinen Verletzungen eitrige Entzündungen werden.

Bei wiederholten Furunkeln hilft eventuell eine Autovakzination. Dieses individuelle schulmedizinische Verfahren verwendet Krankheitserreger aus dem Eiter des Patienten. Abgetötet werden aus ihnen „maßgeschneiderte“ Impfstoffe hergestellt und dem Patienten in steigender Dosis unter die Haut gespritzt. Die Effektivität der Autovakzination ist allerdings (noch) nicht wissenschaftlich gesichert.

Komplementärmedizin

Hydrotherapie. Fangopackungen, Quarkwickel oder Umschläge mit Kaliumpermanganat helfen bei beginnender Schwellung. Zur Reifung des Furunkels eignen sich heiße Kompressen und Kamillenbäder. Heilerde-Auflagen (Heilerde mit 1 l Wasser oder Essig anrühren, einen halben Zentimeter dick auf die betroffene Hautpartie aufbringen, nach etwa einer halben Stunde wieder entfernen) vermindern den Juckreiz und verkürzen den Heilungsprozess. Sofern Furunkel wiederholt auftreten, sind Kamille-Schwefel-Bäder mit Sole angezeigt.

Fototherapie. Eine 10- bis 15-minütige Bestrahlung mit Rotlicht oder mit keimtötendem UV-Licht wirkt sich mitunter positiv aus, ebenso wie Bestrahlungen zur allgemeinen Stärkung der Körperabwehr.

Pflanzenheilkunde. Für die äußerliche Anwendung empfehlenswert – auch über Nacht – sind Salbenauflagen mit Mercurialis perennis (Waldbingelkraut). Sie wirken als Zugsalbe und das Furunkel schwillt ab. Ätherische Öle und Harze aus Rosmarin und Myrrhe sind desinfizierend und können, in Form von Salben aufgetragen, das Abheilen von oberflächlichen Entzündungen begünstigen. Um die Reifung zu beschleunigen, bieten sich Auflagen von Leinsamensäckchen (150 g gemahlener Leinsamen wird mit einem halben Liter Wasser gekocht und anschließend ausgedrückt), Kamillenblütentee-Säckchen und heiße Heublumensäckchen (aus der Apotheke) an. Auch Arnikaumschläge, Kamillencreme (Kamillosan®) oder Echinacea-Salbe oder Tinktur beschleunigen den Heilungsprozess. Zur Stimulation der Immunabwehr eignen sich Präparate aus Sonnenhut (Echinacin® Madaus) oder Kombinationspräparate wie Esberitox®.

Homöopathie. Das „homöopathische Messer“ zur Entleerung von Furunkeln ist Myristica sebifera. Sofern das betroffene Hautareal heiß ist, wird Belladonna empfohlen, bei stechenden Schmerzen Hepar sulfuris und bei lange andauernder Erkrankung Silicea. Eine Alternative ist die Einnahme von Traumeel®S Tabletten, kombiniert mit Notakehl® D5-Tropfen.

Herpes

Herpes[bläschen] (Fieberbläschen): Schubartig, im Laufe des Lebens wiederholt auftretende schmerzhafte Bläschen, v. a. im Bereich der Lippen, gelegentlich auch an Mundschleimhaut, Nase und Augen.

Lippenherpes (Herpes labialis): Herpesbläschen an der Lippe oder am Naseneingang.

Die vom Herpes-simplex-Virus Typ 1 ausgelösten, hoch ansteckenden Bläschen sind in aller Regel harmlos und heilen ohne Behandlung nach 3–10 Tagen narbenlos ab. Akute Schübe sind oft an spezielle Auslöser geknüpft, z. B. fieberhafte Infekte, starke Sonnenbestrahlung, Stresssituationen oder Regelblutung. Komplikationen sind selten und betreffen meist Säuglinge sowie Menschen mit Neurodermitis oder allgemeiner Abwehrschwäche, z. B. bei einer Chemotherapie oder HIV-Infektion.

Leitbeschwerden

  • Ankündigung durch „Kribbeln“, das heißt Jucken und Spannen der betroffenen Hautregion (meistens Lippenrand oder Naseneingang)
  • Binnen weniger Stunden, selten erst nach Tagen, Ausbildung schmerzhafter Bläschengruppen
  • Anfangs klare Abgrenzung, später Eintrübung und Zusammenfließen der Bläschen, gefolgt von Aufplatzen und Krustenbildung
  • Bei ausgedehntem Bläschenbefall beeinträchtigtes Allgemeinbefinden.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn die Bläschen

  • Nach 2 Wochen noch nicht abgeheilt sind
  • Binnen 2 Monaten häufiger als einmal auftreten.

Heute noch, wenn

  • Die Bläschen in Augennähe auftreten
  • Sich die Bläschen zunehmend ausbreiten und/oder gleichzeitig ein starkes Krankheitsgefühl besteht
  • Risikofaktoren für Komplikationen vorliegen, z. B. bei Neurodermitis, AIDS oder Chemotherapie.

Die Erkrankung

Etwa 90 % der erwachsenen Bevölkerung sind Träger des Herpes-simplex-Virus Typ 1, doch nur etwa ein Drittel der Betroffenen wird während des Lebens von einer sichtbaren Infektion befallen. Die Erstinfektion mit dem Herpes-Virus erfolgt meistens schon im Kleinkindalter und verläuft in der Regel unbemerkt als so genannte Primärinfektion. Nur bei wenigen Kindern kommt es zu Mundfäule oder zu lebensbedrohlichen Erkrankungen wie Gehirnentzündung oder Blutvergiftung, Letzteres fast ausschließlich im Neugeborenenalter.

Herpes-Viren dringen bei Erstinfektion immer über die Haut oder die Schleimhaut in den Organismus ein. Dann wandern sie entlang sensibler Nervenbahnen zu Ganglien (Schaltknoten der Nervenzellen), wo sie, unerreichbar für die Immunabwehr, in eine Art Schlaf verfallen. Bei geschwächter Abwehrlage, z. B. nach fieberhaften Infekten, extremer Sonnenlichtexposition, Stresssituationen, können die Herpes-Viren jederzeit aktiviert werden, über die Nervenbahnen zur Haut und Schleimhaut wandern und dort nach rasanter Vermehrung Herpesbläschen verursachen.

Durch fehlgeleitete Immunreaktionen der Haut lösen Herpes-Viren gelegentlich weitere Erkrankungen aus. Hierzu zählen Ausschläge mit rötlichen, typischerweise rosettenförmigen Herden, oft mit zentraler Blase. Die Erythema exsudativa multiforme oder kurz EEM genannten Veränderungen finden sich bevorzugt an den Streckseiten von Armen und Beinen sowie an Handtellern, Fußsohlen und/oder Schleimhäuten (v. a. in der Mundhöhle). Sind vorwiegend die Schleimhäute befallen, spricht man von Stevens-Johnson-Syndrom. In schweren Fällen löst sich die Haut in Blasen ab. Neben Herpeserkrankungen kommen als Auslöser auch andere virale sowie bakterielle Infektionen infrage, außerdem einige Medikamente.

Das macht der Arzt

Herpesbläschen haben ein charakteristisches Aussehen, sodass der Arzt für die Diagnose auf weitere Untersuchungen verzichten kann. Bei Verdacht auf Komplikationen nimmt er Blut ab, veranlasst entsprechende Labortests und verordnet gegebenenfalls die Einnahme von antiviralen Medikamenten. Bei einem begrenzten Auftreten der Bläschen, wie dies meistens der Fall ist, sowie fehlenden Begleitsymptomen (z. B. starke Schmerzen, Fieber, Gliederschmerzen) ist keine weiterführende Diagnostik erforderlich.

Selbstbehandlung

Salben mit antiviralen Wirkstoffen Aciclovir oder Penciclovir unterstützen das Abheilen der Bläschen. Diese Präparate helfen allerdings nur, wenn sie bereits bei ersten Anzeichen und dann alle 1–2 Stunden aufgetragen werden, bis das anfängliche Kribbeln vorbei ist. Schwächer wirken andere Präparate gegen Herpesbläschen wie z. B. adstringierende (zusammenziehende) Pasten oder Gels mit Zinksulfat (z. B. Lipactin®Gel). Als Alternative zu den weißen, kosmetisch störenden Salben und Pasten bieten sich neuerdings Pflaster an, die den heilungsfördernden und schmerzlindernden Wirkstoff Hydrokolloid-075 enthalten. Die Herpesbläschen-Patches sind auf der Haut nahezu unsichtbar und lassen sich gut überschminken. Da sie das befallene Hautareal – im Gegensatz zu Salben – vollständig abdecken, reduzieren sie zudem die Ansteckungsgefahr.

Bereits ab dem ersten Kribbeln besteht eine hohe Ansteckungsgefahr. Deshalb sollte man während eines Bläschenschubs auf direkte und indirekte körperliche Kontakte (Küssen, Benutzen des gleichen Glases oder Bestecks) mit anderen Personen (insbesondere mit Säuglingen und Kleinkindern) verzichten. Nach jeder Behandlung der Bläschen müssen die Hände gründlich gewaschen werden! Salben und Pasten können auch gleich mithilfe eines Wattestäbchens aufgetragen werden. Als Kontaktlinsenträger sollte man während eines Bläschenschubs auf die Brille ausweichen, um beim Linsenwechseln eine gefährliche Infektion der Augen zu verhindern.

Vorsorge

Da eine geschwächte Abwehrlage den Ausbruch von Herpesinfektionen begünstigt, ist eine allgemeine Stärkung der Abwehrkräfte (z. B. durch Saunabesuche, Wechselduschen, Ausdauersport und vitaminreiche Ernährung) als vorbeugende Maßnahme sinnvoll. Wenn Lippenherpes häufig in Zusammenhang mit Sonnenbestrahlung auftritt, empfiehlt sich die Anwendung eines Sonnenschutzmittels mit hohem Lichtschutzfaktor.

Komplementärmedizin

Da die meisten Erwachsenen mit dem Herpes-simplex-Virus Typ 1 infiziert sind, die Erkrankung aber nur bei geschwächter Immunlage ausbricht, ist das Ziel der Komplementärmedizin, zum einen durch symptomatische Therapie die Beschwerden zu lindern, zum anderen die gesunden Intervalle zwischen den Krankheitsausbrüchen durch Stärkung des Immunsystems zu verlängern. Die Therapien sollten immer noch 1 Woche nach Abklingen der Beschwerden fortgeführt werden.

Hydrotherapie. Neben der Stärkung der Abwehr durch Kneippsche Güsse ( Wechselbäder) helfen gegen den Ausschlag Packungen aus Heilerde oder mit 50%igem Ether-Ethanol, auch Eiswürfel lindern die Beschwerden.

Pflanzenheilkunde. Heilpflanzen bewirken v. a. die symptomatische Erleichterung der Beschwerden, d. h., es kommen wundheilende, antivirale und immunstimulierende Wirkstoffe zum Einsatz, meist in Form von Einpinselungen oder als Salbenpräparate. Gut eignen sich für diesen Zweck Bienenhonig und Melisse, Letzteres entweder allein (z. B. als Melissenöl oder in Lomaherpan® Creme) oder in Kombination mit einer Zinksalbe. Wenn die Therapie bei den ersten Anzeichen von Herpes (Spannungsgefühl, Brennen) beginnt, können Honig oder Melisse die Heilung beschleunigen. Wissenschaftlich erwiesen ist die vorbeugende Wirkung beider Substanzen.

Ein bekanntes Hausmittel ist Salbeiextrakt, dem eine zusammenziehende und desinfizierende Wirkung zugesprochen wird; er lässt sich direkt auftupfen oder in Form von Tee für Mundspülungen verwenden. Auch Salben mit Calendula (Ringelblume) verschaffen Erleichterung, ebenso wie Kompressen mit Extrakten der Eichenrinde, Schafgarbe oder Kamillenblüten.

Homöopathie. Die homöopathische Therapie scheint gut geeignet, langfristig eine Abwehr aufzubauen. Es gibt eine Vielzahl von Homöopathika zur Behandlung von Herpes, wie beispielsweise bei Ausschlägen mit brennenden und stechenden Schmerzen Apis mellifica, bei Herpes durch Kälteeinwirkung Solanum dulcamara oder Causticum, bei Eiterbildung Rhus toxicodendron und bei Herpesbläschen durch Sonneneinstrahlung Natrium chloratum oder Arsenicum album.

Akupunktur. Gute Erfolge werden von der Akupunktur, v. a. in Kombination mit Laserbestrahlung, berichtet.

Entspannungsverfahren. Da Stress als einer der Auslöser von Herpes gilt, sind sämtliche stressreduzierenden Maßnahmen wie Autogenes Training, Yoga oder Muskelrelaxation nach Jacobson zur Vorbeugung empfehlenswert.

Krätze

Krätze (Scabies): Durch weibliche Krätzmilben (Sarcoptes scabiei) hervorgerufene ansteckende Hautkrankheit mit starkem Juckreiz, die an Häufigkeit zunimmt.

Die Erkrankung

Die Übertragung erfolgt meist direkt durch engen körperlichen Kontakt (auch beim Geschlechtsverkehr), seltener indirekt über gemeinsam benutzte Gegenstände wie Kleidung, Kissen, Bettwäsche, Kuscheltiere oder Blutdruckmanschetten. Dabei ist Krätze keine Folge mangelhafter Hygiene – sie kommt auch in den besten Familien vor. An Krätze Erkrankte sollten Gemeinschaftseinrichtungen wie Schule oder Kindergärten nicht besuchen. Bevor die Infektion bemerkt wird, vergehen meist bis zu 8 Wochen. Die ersten Beschwerden zeigen sich erst 3–4 Wochen nach Ansteckung.

Das Milbenweibchen bohrt Gänge in die Hornschicht der Haut. Dort legt es seine Eier ab, aus denen sich binnen 3 Wochen neue Milben entwickeln. Bevorzugt befallen werden Hautbereiche mit sehr dünner Haut, z. B. zwischen den Fingern, an den Handgelenken, Ellenbeugen, am inneren Fußrand, an Brustwarzen und am Penis. Bei genauem Hinsehen sind die bis zu 1 cm langen Milbengänge an den betroffenen Hautstellen als winzige gerötete Linien mit leicht erhöhtem Ende sichtbar, später kommen oft kleine rötliche Knötchen und Bläschen hinzu. Insbesondere bei Kindern bilden sich manchmal auch 1–2 cm große braunrote Knoten, bevorzugt an Rumpf und Genitalien. Der begleitende quälende Juckreiz entsteht als Reaktion auf den Milbenkot. Er nimmt bei Wärme (z. B. nachts im Bett) zu und verleitet zum Aufkratzen der Haut. Die derart verletzte Haut neigt zu bakteriellen Infektionen, die sich in eitrigen Pustelausschlägen ( Impetigo) äußern.

Das macht der Arzt

Um die Krätze von Hauterkrankungen mit ähnlichem Erscheinungsbild, z. B. einer Kontaktallergie oder Neurodermitis zu unterscheiden, untersucht der Arzt die Haut mit einem Auflichtmikroskop, das sich direkt auf die verdächtige Hautstelle aufsetzen lässt. Alternativ gewinnt er mithilfe einer Nadel, eines Skalpells oder scharfen Löffels milbenhaltiges Hautmaterial, das er ebenfalls unter dem Mikroskop begutachtet.

Die Betroffenen leiden v. a. unter quälendem Juckreiz, der sie nachts um den Schlaf bringt. Symptomatische Abhilfe schaffen juckreizstillende Mittel. Um die Milben zu beseitigen, muss die gesamte Körperhaut vom Hals abwärts behandelt werden. Da Krätze hoch ansteckend ist, gilt dieses Vorgehen für die gesamte Familie. Seit Ende 2004 steht mit 5%iger Permethrin-Salbe (z. B. Infectoscab®) ein sehr effektiver Wirkstoff zur Verfügung, der die Krätzmilben bereits bei der ersten Behandlung abtötet. Dieses Insektizid ist trotz seiner stärkeren Wirkung für den Menschen weniger giftig als das früher eingesetzte Hexachlorcyclohexan (= Lindan, z. B. in Jacutin® Gel), bei dem darüber hinaus mehrere Behandlungen nötig sind.

Seit Mai 2016 ist in Deutschland eine systemische Behandlung mit Ivermectin-Tabletten (Scabioral®) möglich. Eingenommen werden einmalig 200 µg pro Kilogramm Körpergewicht. Empfohlen wird die systemische Behandlung immunsupprimierter Patienten und von Patienten, die auf Permethrin-Salbe nicht ansprechen. Eine weitere Indikation sind großflächige Ekzeme. Zusätzlich eignet sich Ivermectin zur Behandlung von Betroffenen, bei denen eine korrekte Behandlung mit topischen Mitteln nicht zu gewährleisten ist, etwa bei körperlichen und geistigen Behinderungen oder organisatorischen Schwierigkeiten.

Oft dauert es nach der Therapie noch mehrere Tage oder sogar Wochen, bis die Hautveränderungen und der Juckreiz abklingen. Dies ist kein Hinweis auf eine unzureichende Wirkung, sondern auf eine allergische Reaktion, die von dem verbleibenden Kot sowie den abgetöteten oder geschädigten Milben ausgelöst wird.

Selbsthilfe

Benutzte Bett- und Unterwäsche sollte möglichst täglich gewechselt und bei mindestens 60 °C gewaschen werden. Alternativ kann die Wäsche (auch Kuscheltiere und andere „körpernahe“ Gegenstände) für einige Tage bei -18 °C eingefroren werden, um die Milben abzutöten. Außerdem empfiehlt es sich, Möbel wie Sofas, Sessel oder Betten sowie Fußbodenbeläge sorgfältig mit dem Staubsauger abzusaugen. Außerhalb des menschlichen Körpers überleben die Milben bei normaler Raumtemperatur und Luftfeuchte allerdings höchstens 2–4 Tage, bei kühlerer und feuchter Luft (z. B. in Kellern) auch bis zu 14 Tagen.

Komplementärmedizin

Pflanzenheilkunde. Als wirksam hat sich die äußerliche Anwendung von 5%igem Teebaumöl erwiesen. In Versuchen verendeten Krätzmilben innerhalb von wenigen Stunden nach Einreibungen mit Teebaumöl.

Hydrotherapie. Unterstützend zur medikamentösen Behandlung können Bäder mit Hopfen, Baldrian, Rosmarin oder Melisse genommen werden. Auch ansteigende Arm- und Fußbäder (z. B. angereichert mit ätherischen Ölen aus Kampfer, Nelken oder Lavendel), oder Ölbäder sind empfehlenswert.

Phlegmone

Phlegmone: Eitrige, sich in einem Hautbezirk gleichmäßig (diffus) ausbreitende Entzündung des Bindegewebes, meistens ausgelöst durch Staphylokokken oder hämolysierende Streptokokken.

Die Abgrenzung zur Wundrose ist nicht immer einfach. Es kommen auch Mischformen beider Erkrankungen vor (Erysipelphlegmone). Im Englischen ist gar die Zusammenfassung beider Erkrankungen unter dem Begriff der Cellulitis üblich (nicht zu verwechseln mit der Zellulite).

Leitbeschwerden

  • Langsam steigendes hohes Fieber mit Schüttelfrost und allgemeinem Krankheitsgefühl
  • Sehr schmerzhafte, teigig weiche, voluminöse Schwellung und Rötung (im Gegensatz zur Wundrose unscharf begrenzt)
  • Eventuell später blasige Gewebeschäden und Nekrosen.

Die Erkrankung

Im Gegensatz zum Furunkel ist der Eiterherd nicht abgekapselt, weshalb sich eine Phlegmone schnell entlang der Muskeln, Sehnen und Bänder ausbreitet. Wird sie nicht behandelt, führt sie oftmals zu bleibenden Schäden, insbesondere an Nerven und Gefäßen. Eine Phlegmone kann überall vorkommen, bevorzugt jedoch an Händen und Beinen. Häufig ist sie eine Folge tiefer äußerer Verletzungen, einer Wundrose oder einer Operation. Besonders gefährdet sind Diabetiker und Patienten mit Durchblutungsstörungen in den Beinen. Eine Phlegmone am Auge (Orbitalphlegmone) tritt als seltene Komplikation von Nasennebenhöhlenentzündungen auf.

Das macht der Arzt

Wenn die Phlegmone „eingeschmolzen“ ist und zu einer sichtbaren Eiterbildung geführt hat, entfernt der Arzt schnellstmöglich den angesammelten Eiter und das abgestorbene Gewebe. Anschließend ist eine hoch dosierte Antibiotikabehandlung notwendig. Ein Abstrich ermöglicht es, den verantwortlichen Erreger zu bestimmen und das wirksamste Antibiotikum auszuwählen.

Der erkrankte Körperteil muss in der Regel ruhig gestellt und hochgelagert werden. Sind Hand oder Fuß betroffen, genügt meist ein Gipsschienenverband. Je weiter die Phlegmone Richtung Körperstamm wandert, desto eher ist ein Krankenhausaufenthalt notwendig, um eine Ruhigstellung zu gewährleisten. Wenn einer Phlegmone nicht genügend Zeit zur Ausheilung gegeben wird, drohen Rückfälle.

Komplementärmedizin

Die Phlegmone gehört immer in ärztliche Behandlung, die unterstützenden komplementärmedizinischen Maßnahmen entsprechen denen bei der Wundrose.

Bei offenen Hautverletzungen dürfen kühle Umschläge oder Coolpacks nur aufgelegt werden, wenn der betroffene Körperteil steril verbunden ist.

Pilzinfektionen

Pilzbedingte Hauterkrankungen (Hautmykosen, Dermatomykosen): Infektionen der Haut durch Pilze, die je nach betroffenem Hautbereich mit unterschiedlichen Beschwerden einhergehen. Sie breiten sich im Gegensatz zu bakteriellen und viralen Infektionen der Haut nur langsam (über Wochen und Monate) aus. Allerdings ist die Behandlung oft langwierig und die Gefahr von Rückfällen hoch.

Die häufigsten Erreger sind Fadenpilze (Dermatophyten), die bevorzugt in den Hornzellen von Haut, Nägeln und Haaren siedeln und z. B. häufig für Fußpilz verantwortlich sind. Hefepilze (Candida) führen v. a. zu Infektionen der Schleimhäute und der großen Hautfalten. Derartige Erkrankungen werden als Soor bezeichnet und äußern sich z. B. als Windelausschlag , Mundsoor oder Pilzinfektion im Genitalbereich.

Leitbeschwerden

  • Ausschlag, Risse, Hauterweichungen
  • Fast immer Juckreiz.

Wann zum Arzt

Am nächsten Tag bei bestehenden Grunderkrankungen mit allgemeiner Abwehrschwäche (z. B. Diabetes, HIV-Infektion).

Die Erkrankung

Pilze kommen nahezu überall vor, im Erdboden, auf Haustieren und Menschen. Gesunde wie auch kranke Haut ist stets von Pilzen besiedelt. Wenn die Haut bereits geschädigt ist oder wenn günstige Wachstumsbedingungen vorliegen, z. B. feucht-warmes Milieu in Schuhen bei verstärktem Schwitzen, können sich die Pilze vermehren, in die Haut eindringen und zu einer Infektion führen.

Am häufigsten anzutreffen ist der Fußpilz (Tinea pedum, Tinea pedis), der sich zunächst in den Zehenzwischenräumen und im weiteren Verlauf auch über die gesamte Fußsohle ausbreiten kann. In den Zehenzwischenräumen kommt es zu Juckreiz, kleinen Rissen, schuppenden Hauterweichungen bis hin zu Blasenbildung und Ablösung der Haut. An den Fußsohlen sind trockene Schuppungen, manchmal auch entzündete, mit Wasser gefüllte Bläschen sichtbar. Fußpilz führt leicht zu Nagelpilz und umgekehrt. Auch kann die Zerstörung der Hautoberfläche eine Eintrittspforte für Bakterien darstellen (Wundrose). Typischerweise überträgt sich Fußpilz beim Barfußlaufen in öffentlichen Bädern, Saunen und Sportanlagen. Die Infektion wird begünstigt durch enge, luftundurchlässige Schuhe, aber auch durch Diabetes und Erkrankungen, die mit einer Abwehrschwäche einhergehen.

Ein Handpilz (Tinea manuum) entsteht durch eine Übertragung von Mensch zu Mensch, aber auch durch Selbstübertragung. Liegt beispielsweise eine Fußpilzinfektion vor, kann beim Kratzen der Füße Pilzmaterial unter die Fingernägel gelangen und andere Körperhautareale durch Kontakt infizieren.

Pilzinfektionen am Körper (Tinea corporis) äußern sich anfangs in kleinen rötlichen, schuppenden Herden von Münzgröße, die sich binnen Tagen und Wochen vergrößern. Die rundlichen Herde besitzen einen von der gesunden Haut deutlich abgegrenzten, geröteten, erhabenen Rand mit einer Schuppung (Hexenringe), in ihrer Mitte sind sie eher flach und hautfarben.

Pilzinfektionen des Gesichts, der Kopfhaut und der Haare (Tinea capitis) treten bevorzugt bei Kindern auf. Das Beschwerdebild reicht von Kopfschuppen, Rötung bis hin zu starken Entzündungen, die mit Bläschen und Haarausfall einhergehen können.

Eine Sonderform unter den Pilzinfektionen der behaarten Kopfhaut ist die Mikrosporie. Sie wird meist durch den Pilz Microsporum canis hervorgerufen. Er wird duch Hunde und Katzen übertragen. Bei Fortschreiten der Infektion ist ein großflächiger Verlust von Haaren möglich, weil diese unmittelbar über der Hautoberfläche abbrechen (nicht ausfallen). Oft ist gleichzeitig der Körper betroffen.

Der durch Hefepilze ausgelöste Soor betrifft v. a. Schleimhäute sowie Körperregionen, an denen Hautoberflächen direkt aufeinanderliegen. Mund, Genitalbereich, Analfalte, Leiste, Achseln und der Bereich unter den Brüsten sind am häufigsten betroffen. Eine besondere Anfälligkeit für Soor zeigen Säuglinge sowie Menschen mit Diabetes oder einer Schwäche des Abwehrsystems, z. B. im hohen Alter, bei antibiotischer Behandlung, bei Chemotherapie, Kortisontherapie oder Drogenmissbrauch. Eine schwere Störung der Abwehrfunktionen, wie sie z. B. bei AIDS vorkommt, kann sogar zu einer Infektion der Speiseröhre oder der inneren Organe führen.

Das macht der Arzt

Bei hartnäckigem und/oder großflächigem Befall bestimmt der Arzt den Erreger unter dem Mikroskop oder in der Pilzkultur, wozu er nur wenige Hautschuppen, Haare oder etwas Nagelmaterial benötigt. Einige Pilzarten kann er mit einer speziellen Lampe (Wood-Licht) direkt auf der Haut erkennen. In der Regel werden Pilzinfektionen mit äußerlich anzuwendenden Antimykotika behandelt. Bei Pilzinfektionen der Kopfhaut und wenn die äußerliche Behandlung erfolglos bleibt, verordnet der Arzt ein Antimykotikum zum Einnehmen, z. B. Fluconazol in Diflucan® Kapseln oder Itraconazol in Sempera® Kapseln.

Selbstbehandlung

Die Behandlung einer Pilzinfektion der Haut ist langwierig. Sie dauert oft Wochen bis Monate und muss auch nach Abklingen der Beschwerden mindestens 3 Wochen fortgesetzt werden – ein Rückfall ist sonst vorprogrammiert. Die meisten Wirkstoffe richten sich gleichermaßen gegen Faden- und Hefepilze. Es gibt sie in verschiedenen Darreichungsformen wie Creme, Spray, Gel, Shampoo und Nagellack, z. B. Bifonazol in Canesten® Extra Pumpspray oder Amorolfin in Loceryl® Creme. Gegen starken Juckreiz und ausgeprägte Entzündungsreaktionen hilft die Kombination mit einem Kortisonpräparat (z. B. in Travocort® Creme), das allerdings verschreibungspflichtig ist, für die ersten Tage der Behandlung.

Tägliches Waschen der befallenen Körperstellen dient dazu, die abgestoßenen, pilzhaltigen Hautpartikel zu entfernen. An Körperstellen, wo Haut auf Haut liegt (z. B. Leisten, weibliche Brüste, Bauchfalten, Zehenzwischenräume) lässt sich die Heilung durch eingelegte Mullstreifen oder Baumwollkompressen fördern; diese saugen Feuchtigkeit auf und verbessern die Belüftung der Haut.

Wichtig ist die Desinfektion aller Textilien, die mit der pilzbefallenen Haut in Kontakt kommen, um eine spätere Neuinfektion zu verhindern. Dazu eignet sich eine Wäsche mit mindestens 60 °C heißem Wasser. Bei Fußpilz empfiehlt es sich, auch die Turnschuhe regelmäßig in der Waschmaschine zu reinigen, möglichst unter Zusatz eines Desinfektionsmittels. Nicht waschbare Schuhe lassen sich durch Einsprühen mit handelsüblichen Anti-Pilz-Sprays desinfizieren. Auch spezielle Einlegesohlen oder Schuhspanner aus Zedernholz scheinen eine desinfizierende Wirkung zu besitzen.

Da pilzbefallene Haut generell von frischer Luft profitiert, ist im Sommer häufiges Barfuß laufen in der Natur (Wiesen) sinnvoll. Man sollte aber nicht in der Wohnung barfußlaufen, wo die Pilzsporen über Jahre in Bodenbelägen verbleiben und zu späteren Neuinfektionen führen können. Und auch nicht in öffentlichen Einrichtungen wie Schwimmbädern, Saunen, Sportplätzen oder Hotelzimmern, die dadurch zur Infektionsquelle für andere Besucher werden.

Vorsorge

Wer unter Fußpilz leidet, sollte auf atmungsaktives Schuhwerk achten und Socken oder Strümpfe aus Baumwolle tragen. Ein täglicher Wechsel von Socken und Schuhen ist anzuraten. Wann immer vom Wetter her möglich, sind Sandalen festen Schuhen vorzuziehen. Sobald die Füße nass geworden sind (z. B. bei Regen) oder schwitzen, sollten die Socken gewechselt werden, denn das Vermeiden von Feuchtigkeit zwischen den Zehen ist das A und O der Vorsorge.

Wenn die Haut an den Füßen trocken und rissig ist, stehen konsequente Fußpflegemaßnahmen im Vordergrund, um mögliche Eintrittspforten für die Pilze zu vermeiden. Übermäßiger Fußschweiß muss ebenso behandelt werden, da die Pilze feuchtes Milieu lieben.

Nach Dusche oder Bad ist es wichtig, die Körperfalten und Zehenzwischenräume sorgfältig abzutrocknen. Vorsicht ist geboten bei einem Besuch in „Gefahrenzonen“ wie öffentlichen Duschen, Umkleidekabinen oder Saunen. Hier empfiehlt es sich dringend, Badesandalen zu tragen und anschließend die noch feuchten Füße mit einem Desinfektionsspray einzusprühen.

Eine weitere Infektionsquelle stellen kommerziell verliehene Ski- und Schlittschuhe dar, die fast ausnahmslos mit Pilzsporen behaftet sind. Nach dem Tragen sollten deshalb die Füße sofort gewaschen und anschließend möglichst mit einem Anti-Pilz-Spray behandelt werden.

Komplementärmedizin

Komplementärmedizinische Maßnahmen sind bei Hautpilzerkrankungen zur Vorbeugung wirksam, können jedoch bei einer eingetretenen Infektion die schulmedizinische Behandlung nicht ersetzen.

Hydrotherapie. Bei Fußpilz bieten sich begleitend zur Behandlung wie auch vorbeugend regelmäßige Fußbäder mit Kampfer, Rosmarin, Thymian, Lavendel, Nelken-, Kümmel- oder Teebaumöl an. Bei Infektionen mit Hefepilzen haben sich Bäder mit dem Kamillewirkstoff Bisabolol bewährt. Wer unter wiederkehrenden Pilzerkrankungen leidet, profitiert eventuell von einer Stärkung des Immunsystems durch Abhärtung, z. B. mit Kneippschen Güssen (Wechselbädern).

Pflanzenheilkunde. Synthetische Präparate wie Antimyotika sind bei der Bekämpfung von Hautpilz pflanzlichen Wirkstoffen überlegen. Bei Fußpilz kann das betroffene Hautareal unterstützend mit einer aufgeschnittenen Knoblauchzehe behandelt werden, aber auch mit Ringelblumensalbe (z. B. Calendula-Echinacea-Salbe Helixor). Die ätherischen Öle folgender Pflanzen wirken dem Wachstum von Pilzen entgegen: Teebaum, Kampfer, Kümmel, Lavendel, Myrrhe, Nelken und Thymian. Generell müssen alle therapeutischen Maßnahmen noch mehrere Wochen nach Abklingen der Symptome fortgeführt werden, um alle Pilzsporen abzutöten.

Homöopathie. Bei Hautpilzbefall empfiehlt die Homöopathie Acidum nitricum, bei schlecht heilenden Ausschlägen Silicea sowie Sepia bei juckender, schuppiger Haut. Zur äußeren Anwendung gegen Haut- oder Nagelpilz wurde als homöopathisches Komplexmittel Demyc N. spag. entwickelt.

Weitere Therapiemöglichkeiten von Pilzinfektionen sind bei speziellen Krankheitsbildern beschrieben: Windelausschlag, Mundsoor und Pilzinfektionen der Scheide.

Weiterführende Informationen

  • www.leitlinien.net – Stichwortsuche Tinea: Ärztliche Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von Pilzinfektionen der Haut.

Wanzenbefall

Wanzenbefall: Die in Europa wieder zunehmend vorkommende Wanze ruft mit ihrem stechend-saugenden Mundwerkzeug stark juckende Quaddeln mit gelblicher Bissstelle in der Mittel hervor. Die Quaddeln treten häufig in Gruppen oder linienartig („Wanzenstraße“) auf und bilden sich nach etwa 2–4 Tagen zurück. Am häufigsten ist die Bettwanze (Plattwanze, Cimex lectularius). Sie liebt eine warme Umgebung, ist lichtscheu und nachtaktiv: Daher versteckt sie sich tagsüber in dunklen Ritzen und kriecht bei Dunkelheit wärmeorientiert zum schlafenden Menschen, wo sie ihre Bisse an unbekleideten Körperstellen hinterlässt.

Das macht der Arzt

Die Behandlung der Hautreaktionen kann mit juckreizstillenden Mitteln erfolgen. Wohnung und Bett müssen mit Pestiziden behandelt werden (Wanzen leben nicht auf dem Menschen). Bettwanzen treten häufig in der Nähe von Taubennestern auf.

Warzen

Warzen (Verrucae): Durch Viren verursachte, ansteckende, aber gutartige Wucherungen der Hornhaut, die prinzipiell in allen Bereichen von Haut und Schleimhaut auftreten können. Am häufigsten finden sich gewöhnliche Warzen, Dornwarzen, Flachwarzen, Dellwarzen und Feigwarzen (sexuell übertragbar!). Warzen sind sowohl auf andere Hautstellen des eigenen Körpers als auch von Mensch zu Mensch übertragbar. Oft heilen sie nach Monaten bis Jahren von selbst, mitunter ist jedoch eine gezielte Entfernung erforderlich, wenn die Wucherungen beispielsweise andere durch Ansteckung gefährden (Feigwarzen), Schmerzen verursachen (Dornwarzen an der Fußsohle) oder kosmetisch sehr stören.

Alterswarzen gehören nicht zur Gruppe der viral bedingten, ansteckenden Warzen.

Wann zum Arzt

Bei Gelegenheit, wenn gewöhnliche Warzen kosmetisch störend sind.

In den nächsten Tagen, wenn

  • Warzen entzündet sind oder bluten
  • Warzen sich auf andere Hauterkrankungen (z. B. eine Neurodermitis) „aufsetzen“
  • Dellwarzen sich rasch ausbreiten.

Die Erkrankung

Trotz unterschiedlichstem Aussehen liegt allen Warzen eine Virusinfektion der Haut zugrunde. Mit Ausnahme der Dellwarzen, deren Verursacher das Molluscum-contagiosum-Virus (ein Pockenvirus) ist, werden Warzen durch Humane Papillom Viren (abgekürzt HPV) hervorgerufen. Die Erreger werden sowohl durch direkten Hautkontakt als auch indirekt durch virushaltige Hautschuppen in Umkleideräumen, Saunen, Schwimmbädern, an Türklinken und Handtüchern übertragen. Sie dringen durch winzige Risse in die Oberhaut ein, vermehren sich und lösen an der betreffenden Stelle ein überschießendes Wachstum von Hornzellen aus.

Aussehen, Beschwerden und Heilungsaussichten hängen vom Warzentyp ab:

  • Gewöhnliche Warzen (Stachelwarzen, vulgäre Warzen, Verrucae vulgaris) sind mit Abstand die häufigste Warzenform, gekennzeichnet durch schmerzlose, derbe, bis erbsengroße Erhebungen auf der Haut. Ihre Oberfläche ist unregelmäßig und von weißer bis gelblicher Farbe. Bevorzugt entwickeln sich gewöhnliche Warzen auf dem Handrücken, an den Fingern und um den Nagel herum, wo sie einzeln oder beetartig gruppiert auftreten und kosmetisch erheblich stören. In der Regel heilen sie auch ohne Behandlung narbenlos ab und hinterlassen eine gewisse Immunität. Daher ist im Erwachsenenalter das Infektionsrisiko deutlich geringer als bei Kindern und Jugendlichen.
  • Dornwarzen (Stechwarzen, Verrucae plantares) treten an den Fußsohlen auf, wo sie aufgrund der Druckbelastung nicht nach außen wachsen können. Sie sind deshalb flach und oft von einer dicken Hornschicht umgeben. Nicht selten ist in ihrer Mitte ein dunkler Punkt sichtbar, der durch winzige Einblutungen entstanden ist. Dornwarzen können beetartig zusammenfließen und heißen dann Mosaikwarzen (Plantarwarzen). Besonders am Ballen und an der Ferse sind diese Warzen oft schmerzhaft (daher der Name Dorn- bzw. Stechwarze). Dornwarzen kommen nach der Entfernung häufig wieder.
  • Flachwarzen (Verrucae planae) sind flache, wenig auffällige, ovale, hautfarbene bis rötlichbraune, weiche Knötchen von 1–4 mm Durchmesser. Sie neigen zu großflächiger Ausbreitung, besonders im Bereich von Gesicht, Fuß- und Handrücken sowie Unterarmen. Flachwarzen bilden sich meistens ohne Behandlung spontan zurück.
  • Feigwarzen (Feuchtwarzen, Kondylome, Condylomata acuminata) zeigen sich als rötliche oder grauweißliche, bis mehrere Zentimeter große Wucherungen, die meist in Gruppen auftreten und sich überwiegend im Anal- und Genitalbereich von Erwachsenen finden. Sie sind hoch ansteckend und werden überwiegend durch Sexualkontakte übertragen. Obwohl sie in 30 % der Fälle spontan abheilen, müssen sie unbedingt schnellstmöglich vom Arzt behandelt werden. Bestimmte Typen von Feigwarzenviren können bei infizierten Frauen Gebärmutterhalskrebs verursachen.
  • Dellwarzen (Mollusken) sind eigentlich keine Warzen, sehen aber ähnlich aus und werden ebenfalls durch Viren hervorgerufen. Es handelt sich um linsengroße, schmerzlose, rosafarbene Knötchen, die in ihrer Mitte eine charakteristische Delle aufweisen und oft wie Perlen aussehen. Auf Druck geben sie einen weißlichen, virushaltigen Inhalt frei. Betroffen sind v. a. Kinder mit trockener Haut (z. B. bei Neurodermitis) und junge Erwachsene, bei denen die Ansteckung nicht selten durch Sexualkontakte erfolgt. Eine erhöhte Anfälligkeit besteht unter dauerhafter äußerlicher Kortisontherapie sowie bei allgemeiner Abwehrschwäche, z. B. nach länger anhaltendem Fieber, nach einer Organtransplantation oder bei HIV-Infektion. Dellwarzen kommen häufig an Gesicht, Rumpf, Armen und Beinen vor, insbesondere bei Erwachsenen auch in der Genital- und Analregion. Wenn das Immunsystem stabilisiert ist, bilden sie sich in der Regel nach einem halben Jahr spontan zurück.

Das macht der Arzt

Warzen bilden sich meist von selbst zurück. Außer bei Feigwarzen, die immer ärztlich behandelt werden sollten, kann man deshalb abwarten. Falls die Warze aber ein kosmetisches Problem darstellt, durch eine ungünstige Lage Beschwerden bereitet oder wenn gleichzeitig eine die weitere Aussaat der Warzen begünstigende Hauterkrankung besteht (z. B. eine Neurodermitis), sollten sie behandelt werden.

Auflösen der Hornschicht. Hierzu eignen sich verschiedene Säuren zum Auftragen wie Salicylsäure (z. B. in Verrucid®), Milchsäure, Harnstoff oder entsprechende Kombinationen (z. B. Duofilm®). Bei Flachwarzen im Gesicht wird die aus der Aknetherapie bekannte Vitamin-A-Säure (Tretinoin, z. B. in Airol®) bevorzugt. Die Präparate können als Lösungen ausschließlich auf das befallene Areal getupft sowie als Cremes (etwa Salicylvaseline 3 %) oder auch als Pflaster (z. B. Guttaplast®) aufgebracht werden. Salicylhaltige Präparate sind nicht apothekenpflichtig. Damit sich die Hornschicht komplett auflöst, ist es erforderlich, die Präparate mehrmals täglich, besonders vor dem Schlafengehen aufzutragen. Die aufquellende Hornschicht sollte möglichst am nächsten Morgen entfernt werden, z. B. mit einer Feile oder einem Bimsstein. Diese Prozedur erfordert Behutsamkeit, um eine Verletzung benachbarter, gesunder Hautstellen zu vermeiden – sonst können Warzenviren verschleppt werden. Oft dauert es 3–4 Wochen, bis die Warze vollständig „abgeschält“ ist.

Hemmung der Viren. Oft reicht das Abtragen der Hornschicht nicht aus. Dann bietet sich als nächster Schritt an, auf den möglichst gut „abgeschälten“ Warzengrund ein virenhemmendes Zytostatikum wie 5-Fluorouracil (z. B. Verrumal®) aufzutragen. Diese Behandlung erfolgt zwei- bis dreimal täglich über mehrere Wochen.

„Invasive“ Therapien. Sie zerstören auf unterschiedlichste Weise die molekulare Bindegewebsstruktur der Warzen. Sehr hartnäckige Warzen können z. B. durch Kälte- oder Laserbehandlung sowie operativ entfernt werden. Die Kältebehandlung mit flüssigem Stickstoff oder einem anderen Kältemittel (Kryotherapie) erfordert keine lokale Betäubung, ist aber schmerzhaft. Einige Stunden nach der Behandlung entsteht eine Blase, die abgetragen wird. Die operative Behandlung erfordert eine örtliche Betäubung und kann Narben hinterlassen. Bei der Lasertherapie wird ebenfalls lokal betäubt, Narbenbildung und Schmerzen sind nach der Therapie seltener. Nicht selten bleiben bei den „invasiven“ Therapien Warzenreste zurück und sie müssen deshalb wiederholt werden.

Aktuelle Untersuchungen zur Wirksamkeit der Kryotherapie weisen daraufhin, dass das Vereisen von Warzen besser hilft als das Verätzen mit Salicylsäure – zumindest bei gewöhnlichen Warzen. Demnach heilten bei den Patienten vereiste Warzen in 50 Prozent der Fälle vollständig ab. Verätzte Warzen hingegen verschwanden zu 15 Prozent. Das entsprach etwa der Rate, in der sie auch von allein abheilten.

Dellwarzen. Bei Dellwarzen hängt die Behandlung von der Anzahl ab. Vereinzelt auftretende Dellwarzen lässt man am besten in Ruhe. Manchmal genügt ein „Ausquetschen“ der Warze mit anschließender Desinfektion durch Alkohol. Ansonsten lassen sich Dellwarzen durch Auftragen von Airol® oder Verrumal®, durch Entfernung mittels Laser oder Vereisung sowie durch Abtragen mit einer scharfen Nadel oder Kürette („scharfer Löffel“) behandeln.

Selbstbehandlung

Viele Warzenmittel zum Entfernen von Warzen sind in Drogerien und Apotheken frei erhältlich. Neben dem Auflösen der Hornschicht durch Säuren kommt auch das schrittweise Verätzen des Warzengewebes (z. B. mit Silbernitrat in Höllenstein Ätzstift®, Anwendung einmal pro Woche) in Betracht. Neuerdings sind auch rezeptfreie Produkte zur Vereisung erhältlich (z. B. Scholl Freeze® Warzenentferner), die angeblich selbst bei sehr hartnäckigen Warzen erfolgreich sind.

Dellwarzen entzünden sich leicht, wenn man sie mechanisch reizt. Danach bilden sie sich oft spontan innerhalb von 1–2 Wochen zurück. Einige Autoren empfehlen, diese Eigenschaft zur Selbsthilfe zu nutzen: nämlich mit einer sauberen Nadel den harten, weißen Kern der Warze anzustechen oder auch „herauszupulen“ und so dessen Entzündung zu provozieren. Dabei dürfen jedoch keine gesunden Hautpartien berührt werden, da die Warzenviren durch das Sekret weiterverbreitet werden.

Ein weiteres Selbsthilfeverfahren berücksichtigt die psychischen Aspekte der Warzenentstehung und -bekämpfung. Da ein gut funktionierendes Abwehrsystem Warzen zu zerstören vermag, können Methoden, die das Abwehrsystem stimulieren, die Heilung von Warzen beschleunigen. Auch ist so mancher Betroffene seine Warzen schon mit Behandlungsmethoden aus der Volksmedizin losgeworden, deren Wirkung ausschließlich auf Suggestion beruht.

Vorsorge

Warzen sind ansteckend und breiten sich leicht aus, insbesondere dann, wenn an ihnen manipuliert wurde. Wer eine Warze beispielsweise aufkratzt, riskiert eine Ausbreitung auf den umliegenden Hautbereich. Am besten überleben Warzenviren in feuchtem Milieu. Zur Übertragung von Dellwarzen reicht die gemeinsame Benutzung eines Handtuchs. Die für Dornwarzen verantwortlichen Viren finden sich oft auf feuchten Böden, z. B. in Bädern oder Saunabetrieben. Es ist deshalb empfehlenswert, in öffentlichen Einrichtungen nicht barfuß zu laufen und nur eigene Handtücher zu benutzen. Wer zudem dauerhafte Feuchtigkeit an den Füßen vermeidet, schützt sich nicht nur vor Warzen, sondern auch vor Fußpilz.

Komplementärmedizin

Warzenviren verbleiben immer im Körper und treten bei Abwehrschwächung wiederholt auf. Dementsprechend setzt die Komplementärmedizin auf die Stärkung des Abwehrsystems sowie die Behandlung der Symptomatik mit antiviralen Pflanzenextrakten mit dem Ziel, Warzen von innen auszuheilen.

Hydrotherapie. Zur besseren Abwehrstärkung sind alle durchblutungsfördernden Maßnahmen wie z. B. wechselwarme Arm- oder Fußbäder, Kneippsche Güsse, Wechselbäder und Wassertreten sinnvoll. Warzen heilen oft auch nach Anwendung von Kryotherapie aus: Hierbei wird flüssiger Stickstoff bis zu 20 Sekunden auf die Warzen appliziert. Ebenfalls gute Erfolge konnten mit der Behandlung mit Isopropanol-Lösung (70%ig) erzielt werden: Die Tinktur wird täglich mehrere Wochen lang dreimal aufgetragen.

Homöopathie. Die Homöopathie empfiehlt Thuja occidentalis als Tinktur zum Auftragen, als Globuli zum Einnehmen oder als Komplexmittel Thuja Oligoplex. Zur Immunstimulation wird Echinacea eingesetzt, bei rissigen oder verhornten Warzen Causticum oder Antimonium crudum.

Pflanzenheilkunde. Aus der Pflanzenheilkunde kommen Knoblauch (in Scheibchen aufgelegt oder aufgebunden) und Schöllkraut (Beiname: Warzenkraut) infrage. Schöllkrautsaft gibt es fertig in der Apotheke, er kann aber auch direkt von der frischen Pflanze auf die Warze aufgetragen werden (Stängel abbrechen und den austretenden gelben Saft auftragen. Da er giftig ist, darf aber nichts auf die Schleimhaut oder in die Augen gelangen!). Auch Zitronensaft, zweimal täglich aufgetragen, soll Warzen zum Abheilen bringen. Das gleiche gilt für selbst hergestellte Apfelessigtinktur: in 1 TL Apfelessig so viel Kochsalz auflösen wie möglich, dann drei Tropfen Lavendelöl dazugeben und diese Lösung zweimal täglich auf die Warze aufträufeln.

Zur Stärkung des Immunsystems (Immunstimulation) werden auch pflanzliche Präparate wie Sonnenhut (z. B. Echinacin® Madaus als Saft oder Dragees) oder Kombinationsmedikamente wie Esberitox® empfohlen.

Akupunktur. Die Akupunktur wird vornehmlich zur Stimulation des Immunsystems eingesetzt.

Entspannungverfahren. Bei etwa der Hälfte der Patienten gelingt eine Beeinflussung der Warzen über Autosuggestion, die mit Entspannungstechniken (z. B. Autogenes Training) gekoppelt werden kann.

Wundrose

Wundrose (Erysipel): Akute, durch Bakterien (meist Streptokokken, seltener Staphylokokken) verursachte, nicht eitrige Entzündung, die sich rasch entlang der Lymphspalten der Haut ausbreitet. Antibiotika sind zur Therapie notwendig.

Leitbeschwerden

  • Rasch auftretendes, hohes Fieber mit Schüttelfrost und allgemeinem Krankheitsgefühl
  • Großflächige, oft scharf begrenzte, flammenrote Färbung, Überwärmung, Schwellung und Schmerz des befallenen Hautgebiets; typisch sind zungenförmige Ausläufer Richtung Körperstamm bzw. Herz.

Wann zum Arzt

Sofort, wenn die genannten Beschwerden auftreten.

Die Erkrankung

Den Bakterien reichen winzigste Hautverletzungen als Eintrittspforte, z. B. ein kleiner Riss oder eine Verletzung der Oberhaut durch eine Fußpilzinfektion. Da eine allgemeine Abwehrschwäche die Entwicklung einer Wundrose begünstigt, tritt die Erkrankung gehäuft im höheren Lebensalter auf.

Ohne Behandlung kann sich die Entzündung über die Lymphspalten in tiefere Gewebe ausbreiten (Phlegmone), wo sie zum Absterben von Gewebe führt. Wenn die Erreger über die Blutbahn in den Körper geschwemmt werden, droht sogar eine Blutvergiftung (Sepsis). Besonders gefährlich ist eine Wundrose im Gesicht, da die Bakterien von dort aus leicht über die Gesichtsvenen an die Hirnbasis gelangen und zum Verschluss von Blutgefäßen ( Hirnvenen- und Hirnsinusthrombose) führen können. Auch an den Beinen dehnt sich die Infektion manchmal auf Blutgefäße aus – mit der Folge einer akuten Beinvenenentzündung (Thrombophlebitis).

Zu Rückfällen kommt es nach unzureichender antibiotischer Behandlung oder wenn die Eintrittspforte für die Bakterien bestehen bleibt. Nach wiederholten Rückfällen entwickelt sich manchmal eine dauerhafte Schwellung ( Lymphödem) des betroffenen Körperteils, verursacht durch eine Schädigung der Lymphgefäße.

Das macht der Arzt

Allein der Verdacht auf eine Wundrose rechtfertigt einen sofortigen Arztbesuch. Die Behandlung besteht in hoch dosierten Penicillingaben über 10 Tage und strenger Bettruhe, eventuell sogar im Krankenhaus. Wenn eine Gliedmaße betroffen ist, wird diese hochgelagert und ruhig gestellt. Um Rückfälle zu vermeiden, ist es erforderlich, die Eintrittspforte der Erreger zu finden und zu sanieren (z. B. eine Fußpilzinfektion).

Komplementärmedizin

Da die Wundrose antibiotisch behandelt werden muss, kommen komplementärmedizinische Maßnahmen wie z. B. kühlende Umschläge nur unterstützend infrage.

Hydrotherapie. Umschläge mit Ethanol kühlen ebenso wie Quark- oder Lehmwickel. Bei zusätzlichem Fieber sind Wadenwickel indiziert. Wenn die Entzündung sehr großflächig und heiß ist, empfinden manche Patienten kalte Güsse oder Tauchbäder (in die sie den erkrankten Körperteil eintauchen) als angenehm.

Pflanzenheilkunde. Feuchte Umschläge mit Arnika- oder Kamillentinktur lindern das Spannungsgefühl, ebenso Kompressen mit den Extrakten aus Eichenrinde und Lavendel.

Homöopathie. Bei starker Schwellung empfiehlt die Homöopathie Apis mellifica (Honigbiene), bei klopfender, schmerzhafter Schwellung Belladonna, bei eiternder oder blutiger Geschwulst Lachesis. Auch Sulfur ist bei Wundrose indiziert.

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